Stadt und Wohnungswirtschaft kooperieren in Bodelschwingh/Westerfilde

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(v. l.) Klaus Graniki (DOGEWO21), Ralf Peterhülseweh (Vonovia), Anja Laubrock (Stadt Dortmund), Thomas Schwarzenbacher (LEG Wohnen) und Franz-Bernd Große-Wilde vor dem Quartiersbüro in Dortmund-Westerfilde. (Foto: IN-StadtMagazine)

Das Amt für Wohnen und Stadterneuerung der Stadt Dortmund, das Quartiersmanagement sowie die Wohnungsunternehmen DOGEWO21, LEG, Spar- und Bauverein und Vonovia engagieren sich gemeinsam für die Entwicklung der Stadtteile Westerfilde und Bodelschwingh. Regelmäßige Fachgespräche, ein Freiflächenkonzept unter dem Motto „Stadtteil der 1000 Gärten“, Nachbarschaftsgespräche und gemeinsame Aktivitäten sind Bausteine der Zusammenarbeit für das Soziale Stadt Gebiet Westerfilde/Bodelschwingh.

Kooperationsvereinbarung und Fachgespräch Wohnungswirtschaft
Im September 2014 haben die Stadt Dortmund und die in Westerfilde und Bodelschwingh zu der Zeit vertretenen Wohnungsunternehmen eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Diese Vereinbarung legt die Zielsetzungen für die Zusammenarbeit und mögliche Handlungsfelder fest. Verabredet wurden ein enger Austausch und ein abgestimmtes Vorgehen im weiteren Erneuerungsprozess.

Im Kooperationsvertrag heißt es: „Der Wohnungsbestand soll im Rahmen des wirtschaftlichen Handlungsspielraums der jeweiligen Eigentümer/innen in den nächsten Jahren schrittweise an heutige Wohnansprüche und -standards angepasst werden, sofern noch nicht geschehen. Die Erneuerungsaktivitäten sollen durch die Stadtverwaltung unterstützt werden. (…) Ziel ist, gemeinsam Strategien und Projekte zu entwickeln und umzusetzen und damit einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Stadtteils Westerfilde/Bodelschwingh zu leisten. (…) Bei allen Maßnahmen sollen die Mieter/innen bei der Planung und Umsetzung beteiligt werden.

Kooperationsfelder können sein:

  • Gebäudebezogene Maßnahmen wie bspw. energetische Optimierung, Abbau von Barrieren
  • Neugestaltung der öffentlichen und privaten Freiflächen
  • Farbkonzept zur Fassadengestaltung
  • Abgestimmtes Belegungsmanagement oder Bewirtschaftungsstrategien
  • Sauberkeit und Sicherheit
  • Vor-Ort-Präsenz
  • Aktivitäten zur Stabilisierung der sozialen Strukturen und Nachbarschaften, Konfliktmanagement
  • Stadtteilbezogene Soziale Arbeit/Gemeinwesenarbeit
  • Gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit zur Verbesserung des Stadtteilimages, Beteiligung an Stadtteilfesten.

Seit dem Ratsbeschluss zur Umsetzung des Integrierten Handlungskonzepts im Dezember 2014 und der Förderzusage für das Stadterneuerungsprogramms durch die Bezirksregierung Arnsberg im selben Monat wurde diese verabredete Zusammenarbeit durch zahlreiche Aktivitäten und Projekte mit Leben gefüllt.

Für die Zusammenarbeit von Stadt und Wohnungsunternehmen war auch die neue Ausrichtung der Wohnungsunternehmen grundlegend. Heute agieren im Quartier keine Finanzinvestoren, die ihre Gewinne über kurzfristige Weiterverkäufe realisieren. Die heutigen Eigentümer haben die Bewirtschaftung ihrer Wohnungsbestände auf Nachhaltigkeit ausgerichtet.

Mit den Geschäftsführungen der Unternehmen werden die Leitlinien der Zusammenarbeit vereinbart und die Umsetzung begleitet. „Die lebenswerten Bedingungen in Westerfilde und Bodelschwingh zu erhalten und zu erneuern, gelingt nur, wenn wir die Kräfte bündeln. In diesem Sinne ist es gut, dass auf die Partnerschaft zwischen Wohnungswirtschaft und Stadt Dortmund Verlass ist. Alle Investitionen sind bestens angelegt und müssen aber auch so gestaltet werden, dass das Wohnen hier bezahlbar bleibt“, umreißt Anja Laubrock, stellvertretende Leiterin des Amtes für Wohnen und Stadterneuerung, die Bedeutung dieses Austauschs.

Die Vonovia als eines der aktiven Wohnungsunternehmen in Westerfilde/Bodelschwingh  freut sich ebenfalls über den Schulterschluß im Quartier: „Wir sind seit 2015 dabei, unseren Bestand in Westerfilde schrittweise zu entwickeln. Nicht nur unsere Wohnungen, auch das Wohnumfeld sind dabei ein Thema. Uns freut besonders, dass es hier viele engagierte Partner gibt. Und, dass wir hier Mieter haben, die mit uns was bewegen wollen.“, sagt Ralf Peterhülseweh, Regionalleiter bei Vonovia.

„Die Spar- und Bauverein eG hat in den vergangenen Jahren bereits größere Investitionsvolumina in den eigenen Gebäudebestand investiert und umfängliche Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt. Im Rahmen des Freiraumkonzeptes sollen nunmehr die Außenanlagen umgestaltet werden, um das Wohnumfeld des Quartiers aufzuwerten. Das aktuelle Konzept beinhaltet die Umgestaltung sowie Erweiterung der Parkplatzsituation im Quartier, ein Handlungskonzept für einen nachhaltigen Baumbestand, die Neuorganisation von Wegeführungen und vieles mehr. Ziel der Konzeption war, dass das Quartier in der Vogelperspektive ganzheitlich analysiert und ein strukturierter „Modul-Fahrplan“ ausgearbeitet wird, der sukzessive zur Ausführung kommen“, so Franz-Bernd Große-Wilde, Vorstandsvorsitzender der Spar- und Bauverein eG.

Operativ kooperieren Stadtverwaltung, Wohnungsunternehmen und das Quartiersmanagement bei konkreten Projekten für das Quartier und stimmen ihre Planungen und Aktivitäten aufeinander ab. So haben sich die Wohnungsunternehmen 2017 am Sommerfest Westerfilde/Bodelschwingh beteiligt. Sie sind zudem in der Jury des Stadtteilfonds vertreten und unterstützen Quartiersaktivitäten beispielsweise über ihre Stiftungen.

„Wir wissen, dass unsere elf Millionen Euro akquirierter Mittel gut angelegt sind, weil sie um ein Vielfaches an privaten Mitteln ergänzt werden. Weil öffentliche Hand und Privatwirtschaft gemeinsam handeln, ist eine positive Entwicklung des Stadtteils möglich“, so Anja Laubrock. „Mein Wunsch ist, dass dieser erfolgreich gestartete Prozess auch zukünftig im Sinne einer bewohnerorientierten Erneuerung fortgeführt wird.“

Die verschiedenen Wohnungsbaugesellschaften stellten ihre aktuellen Projekte vor. (Foto: IN-StadtMagazine)

Freiflächenkonzept: Stadtteil der 1000 Gärten
Im Mai 2015 hat der Rat der Stadt die Verwaltung beauftragt, in Kooperation mit den Wohnungsunternehmen vor Ort ein Freiraumkonzept für die Großsiedlungsbestände im Quartier Westerfilde/Bodelschwingh zu erarbeiten und umzusetzen.

Unter dem Motto „Stadtteil der 1000 Gärten“ ist ein Konzept erarbeitet worden, das in den nächsten Jahren mit den Wohnungsunternehmen Schritt für Schritt umgesetzt wird. Vonovia, LEG und der Spar- und Bauverein als große, im Zentrum des Quartiers vertretene Wohnungsunternehmen, richten ihre eigenen geplanten Maßnahmen zur Wohnumfeldgestaltung auf dieses übergreifende Freiflächenkonzept aus und orientieren sich daran.

Nach Vorstellung des Freianlagenkonzeptes „Quartier der 1000 Gärten“ hat beispielsweise die LEG gemeinsam mit der Stadt Dortmund das LEG-Pilotprojekt „Am Kirchenfeld 3+5“ abgestimmt. Neben umfangreichen Modernisierungsarbeiten an dem Objekt Am Kirchenfeld 3+5 wurde für 8 Mietparteien jeweils ein Mietergarten angelegt. Die Erdgeschosswohnungen haben zusätzlich einen direkten Zugang vom Balkon in den Mietergarten erhalten. Insgesamt wurden allein für die Mietergärten / Außenanlagen eine Summe in Höhe rund 44 T€ investiert.
So wie am Kirchfeld wird sich das äußere Erscheinungsbild der Wohnanlagen in den nächsten Jahren deutlich verbessern. Zudem werden bestimmte gemeinsame Qualitäten und Standards gesetzt und wichtige Verbindungen zwischen Häusern, Flächen und Plätzen durch zusammenhängende Wegeverbindungen gestärkt.

Die Maßnahmen tragen dazu bei, dass

  • Hauseingänge besser gefunden werden können und veraltete Hauseingangszonen neu gestaltet werden,
  • die Spielbereiche für Kinder ausgeweitet und deutlich aufgewertet werden,
  • zusätzliche Angebote geschaffen werden, an denen sich Menschen unterschiedlichen Alters aufhalten können,
  • die Müllplätze neu geordnet und gestaltet werden,
  • die Wegeverbindungen neu angelegt werden,
  • neue Beleuchtungsanlagen installiert werden,
  • Mietergärten, Gemeinschaftsgärten und parkähnliche Bereiche geschaffen und Angsträume beseitigt werden sowie
  • Gehölz- und Grünstrukturen neugestaltet werden.

Die Stadt Dortmund wird einen Teil dieser geplanten Maßnahmen aus den Mitteln des Stadterneuerungsprogramms fördern.

Die Wohnungsunternehmen haben bereits verschiedene Maßnahmen umgesetzt, um die Quartiersentwicklung voranzutreiben. So hat z.B. Vonovia in den Bestand und in zwei neue Spielplätze investiert, außerdem wurde vor allem die Präsenz vor Ort erhöht. Es gibt ein eigenes Büro mit festen Ansprechpartnern im Quartier, sowie einen regelmäßigen Austausch mit den Mietern – sei es in Beteiligungsworkshops oder in Nachbarschaftsgesprächen.

Vonovia setzt seine in  2016 begonnene energetische Sanierung auch in der zweiten Jahreshälfte 2017 fort. Bis auf die Punkthäuser befinden sich die Arbeiten im Bestand südlich der Westerfilder Str. auf der Zielgeraden.  Das Quartier nördlich der Westerfilder Straße wird Bestandteil der Gemeinschaftsinitiative mit dem Bauministerium des Landes NRW „Besser Wohnen, energetisch sanieren plus“. Mit dem Beginn der Sanierung rechnet Vonovia hier Ende 2017/Anfang 2018. Ein weiterer Fokus der Quartiersentwicklung liegt auf dem Wohnumfeld. So soll langfristig ein lebenswertes Quartier mit nachbarschaftlichem Austausch entstehen. Wichtig für Vonovia ist es außerdem, die Mieter aktiv mit einzubeziehen. Erste Beteiligungsworkshops zur Freiflächengestaltung gibt es bereits im September.

Nachbarschaftsgespräche: Wünsche, Bedarfe, Ideen
Derzeit führt das Quartiersmanagement gemeinsam mit den Wohnungsunternehmen zahlreiche Nachbarschaftsgespräche in den einzelnen Wohnbereichen. Hier können die Mieter direkt vor ihrer Haustür Wünsche, Bedarfe, Ideen und selbstverständlich auch Beschwerden äußern.

Die Gespräche helfen, die Mieter besser kennenzulernen, unterstützen die Kommunikation vor Ort und die Verständigung der Mieter untereinander. Auf die Nachbarschaft haben sie eine aktivierende Wirkung.

Bislang haben im Quartier zehn Nachbarschaftsgespräche stattgefunden, bei denen neben konkreten, auf die jeweilige Wohnung bzw. das Wohnumfeld bezogenen Wünschen und Anregungen auch zahlreiche Anliegen geäußert wurden, die sich auf eine Stärkung der Nachbarschaft oder auf gemeinsame Aktionen im Quartier bezogen.

„Auffallend ist, wie rege sich die Bewohnerschaft an diesen Nachbarschaftsgesprächen beteiligt. Wir erreichen meistens über die Hälfte der angesprochenen Haushalte. Die Menschen bringen aber nicht nur ihre Beschwerden vor, sondern haben selbst viele Ideen, wie die Nachbarschaft und das Zusammenleben beispielsweise durch kleine Hoffeste oder andere gemeinsame Aktivitäten verbessert werden kann. Diese sehr positiven Ansätze gilt es, in den nächsten Jahren weiter zu verfolgen und zu stärken“, sagt Quartiersmanager Dirk Ruß.

Wie wichtig auch für die Wohnungsunternehmen ein gutes Zusammenleben im Quartier ist, macht Klaus Graniki, Geschäftsführer DOGEWO21 deutlich: „Gute Nachbarschaft ist – genau wie ein gut bewirtschafteter Bestand – natürlich auch in Bodelschwingh und Westerfilde wichtig. Wir unterstützen selbstverständlich die Aktivitäten der Kooperation auch zu diesem Thema.

Denn auch wenn DOGEWO21 in diesen Bereichen nicht über große Wohnungsbestände verfügt, wissen wir genau, dass Verbesserungen im Quartier immer für alle Bewohner positiv zu werten sind.“

Gemeinsame Aktivitäten: mobiles Spielangebot für Kinder
Aus den Nachbarschaftsgesprächen entstehen darüber hinaus Anregungen für weitere Aktivitäten im Quartier. Diese werden in den Abstimmungsgesprächen mit der Wohnungswirtschaft konkretisiert und erste Schritte zur Umsetzung vereinbart. Ein Beispiel ist der Aufbau eines mobilen Spielangebotes für die Kinder in Westerfilde/Bodelschwingh. Im kommenden Winterhalbjahr wird die Idee konkretisiert, so dass im Sommer 2018 ein gemeinsames Angebot zur Verfügung steht. Weitere gemeinsame Aktivitäten zeichnen sich bei Angeboten für Senioren ab.

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