„Auf dem Berge“

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Ausstellung im Hoesch-Museum erzählt vom Kindererholungsheim Schledehausen
Auf dem Berge. Das Hoesch-Kindererholungsheim Schledehausen im Osnabrücker Land
12. November 2017 bis 18. Februar 2018
Hoesch-Museum, Eberhardstr. 12, 44145 Dortmund

Das Kindererholungsheim Schledehausen im Osnabrücker Land war in den 1920er Jahren bis in die Zeit des Nationalsozialismus ein Ort, an dem die Kinder der Hoesch-Arbeiter wieder aufgepäppelt wurden. Unter dem strengen Regiment der Oberin Frau Tilly bekamen die Kinder ausreichend zu essen, spielten, lernten und waren oftmals das erste Mal von zu Hause und ihren Eltern getrennt. Hintergründe und Zusammenhänge beleuchtet die Ausstellung „Auf dem Berge“ (12.11.2017 bis 18.2.2018) im Hoesch-Museum, zu der auch ein museumspädagogisches Programm für Kinder von 5 bis 10 Jahren gehört. Die Ausstellung erzählt von der Organisation des Heimes und dem Alltag der Kinder.

Im Frühjahr 1921 übernahm die Hoesch AG aus Dortmund den größten Teil einer 5 Hektar großen Anlage mit mehreren Gebäuden und Grundstücken des ehemaligen Sanatoriums Schledehausen im östlichen Landkreis Osnabrück. Der Konzern richtete hier nach etlichen Umbauten ein Erholungsheim für die Kinder seiner Mitarbeiter ein. Ein Jahr später, 1922, kamen bereits die ersten Kinder aus dem Ruhrgebiet „auf den Berg“, wie die Schledehausener sagen. Bis 1937 unterhielt Hoesch dieses Kinderheim.

Die Kinder waren unterernährt. Sie wurden medizinisch untersucht, ihr Gewicht überwacht. Zu ihren Aufgaben gehörte es, nach Anweisung ihrer Stationsschwestern die Betten zu machen und bei den Aufräumarbeiten in den Stuben zu helfen. Die Kinder unternahmen Spaziergänge und Tagesausflüge in die nähere Umgebung und hatten Spielzeiten im Freien. Für die Kinder im schulpflichtigen Alter gab es Schulen und Waldschulen, in denen Schwestern, aber auch Lehrkräfte aus der Umgebung unterrichteten. In Handwerksschulen erhielten die älteren und gewandteren Jungen Einblicke in einzelne Handwerke. Für die größeren Mädchen gab es Näh- und Handarbeitsstunden.

Jede größere Gruppe konnte neben den Schlaf- und Speisesälen einen Tagesraum zum Lernen, Schreiben und Spielen nutzen. Einmal pro Woche gab es eine „Schreibstunde“: Kinder, die schon schreiben konnten, erstatteten ihren Eltern oder Angehörigen Mitteilung über ihre Erlebnisse und ihr Befinden.

Michael Dückershoff, Leiter des Hoesch-Museums und Kurator, entwickelte die Idee zur Ausstellung auf Basis eines Buchs, das über das Kindererholungsheim erschienen war. Neben Recherchen vor Ort und Gesprächen mit dem Autor Paul Wahl recherchierten er und seine Mitarbeiter im Konzernarchiv von ThyssenKrupp, in das das Hoesch-Archiv integriert ist, sowie im Stadtarchiv Dortmund. Außerdem arbeitete er mit einer Zeitzeugin, die sich auf einen Zeitungsaufruf hin mit ihren Erinnerungen an das Kindererholungsheim gemeldet hatte.

Die Ausstellung zeigt Pläne und historische Fotos, Spielzeuge, medizinisches Gerät und Kleidung aus der Zeit. Sie folgt der Sicht der Kinder und beleuchtet, aus welcher Situation in Dortmund sie kamen, wie sie in Schledehausen aufgenommen wurden und wie sie sich dort beschäftigten.

Knapp 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter standen im Kindererholungsheim bereit, viele von ihnen kamen aus dem Dorf und der näheren Umgebung. Zudem arbeiteten Schledehausener Handwerker und Firmen mit dem Kinderheim zusammen, u.a. ein Schmiedemeister, ein Stellmacher und ein Fuhrunternehmer. Der in Schledehausen niedergelassene Allgemeinmediziner Dr. Otto Quast war für die medizinische Betreuung der Kinder unter Vertrag genommen worden.

Für die Oberin Martha Tilly und die Oberschwestern war das Eisen- und Stahlwerk Hoesch AG der Arbeitgeber. Ihnen unterstanden die jeweiligen Schwestern, Kindergärtnerinnen, „Wärterinnen“, Köchin und Spülmädchen sowie Wäscherinnen.

In den 1930er-Jahren wurde es schwieriger, das Kindererholungsheim zu füllen. Die wirtschaftliche Belastung nahm zu. Zugleich versuchte die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV), auch für Kindererholungsheime Totalitätsansprüche durchzusetzen – mit Erfolg:  Ab 1. April 1935 verpachtete Hoesch das Gebäude und Gelände in Schledehausen an die NSDAP, die daraus ein Kinderheim der NSV machen wollte. 1937 wurde es ganz an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt abgegeben.

 

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