„Gefährliches Spiel“ – über die Schattenseiten des Fußballs

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Der Autor Heinrich Peuckmann kommt zur Lesung nach Mengede. (Foto: privat)

Der bekannte Ruhrgebietsautor und Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland, Heinrich Peuckmann, liest und erzählt am 13. Februar ab 19:30 Uhr in der Buchhandlung am Amtshaus, Am Amtshaus 8, 44359 Dortmund-Mengede.

Aus drei Geschichten hat Heinrich Peuckmann eine Novelle über die Schattenseiten des Fußballs geformt. Peuckmann, Mitglied im Präsidium des deutschen PEN-Zentrums, bekannt wie ein bunter Hund im Ruhrgebiet und darüber hinaus, ehemaliger Lehrer der nunmehr „blauen“ Frauke Petry (mit der er öffentlich abrechnete), leuchtet diese dunklen Stellen aus. Er tut es mit schöner Sprache und stets treffenden Wörtern. Und er schreibt über wahre Begebenheiten, wenn natürlich auch die innere Schilderung der Novellenteile oft im Fiktiven verbleiben muss.

Da ist das Fußballspiel auf dem Roten Platz, unter den Augen Stalins, und mit der ganzen bitteren Fährnis dieses Spiels. Eine langsam in die Spieler kriechende Angst – Peuckmann schildert grandios, was sich da auf dem Platz und in den Spielern abspielt.
Da ist das Schicksal des jüdischen Gottfried Fuchs, der aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die Schweiz floh und dann weiter über das Elsass bis nach Kanada. Später dann entwickelte sich eine ferne Brieffreundschaft mit Sepp Herberger, dem deutschen Bundestrainer.

Fuchs spielte von 1911 bis 1913 für die deutsche Nationalmannschaft. Er schoss in sechs Spielen dreizehn Tore, eine Quote, die, jedenfalls bis 2015, nie wieder von einem anderen Spieler erreicht wurde. Im olympischen Fußballspiel gegen Russland 1912 erzielte er zehn Tore (das Spiel endete 16:0). Während der tausend Jahre der zwölfjährigen Naziherrschaft tilgte man seinen Namen aus den Jahrbüchern des deutschen Fußballs. Er wurde unbekannt und vergessen gemacht und blieb es. Heinrich Peuckmann holt ihn aus dem Schatten, in den ihn die Nürnberger Rassegesetze gestellt haben.

Den Hauptteil der Novelle bildet die Geschichte um Tull Harder, den immer noch bekannten, von vielen hochgeschätzten Stürmer des HSV. Er schoss die Hamburger 1923 und 1928 in die Meisterschaft. „Wenn spielt der Harder Tull, dann heißt es drei zu null…“, sangen die Fans im Stadion. Harder war für seine oft torgekrönten Alleingänge bekannt. Auf Befehl und Gehorsam hörte er außerhalb des Stadions.

Während des Nationalsozialismus war Tull Harder in der SS. Er trat 1932 in die NSDAP und 1933 in die SS ein und war in mehreren Konzentrationslagern eingesetzt. Schon 1939, nun in der Waffen-SS, war er Wachmann im KZ Sachsenhausen. 1940 wurde zum KZ Neuengamme in Hamburg versetzt. Noch im Januar 1945 beförderte man ihn zum Untersturmführer. Er war einer der Angeklagten im Curio-Haus-Prozess und wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er wurde jedoch bereits 1951 vorzeitig aus der Haft entlassen. Nicht nur seine Fans, auch der HSV insgesamt feierten seine Rückkehr aus der Haft überschwänglich.

Im KZ freilich bewachte Tull Harder zumindest einen seiner ehemaligen Fußballkollegen. Der Norweger Asbjörn Halvorsen war mit Harder und dem HSV zweimal deutscher Meister geworden. Halvorsen ging in der Folge zurück nach Norwegen. Als die deutschen Truppen das Land überfielen, wurde er Teil der norwegischen Widerstandsbewegung. Er starb 1955 an den Folgen der KZ-Haft.

Umschlaggestaltung: Vladi Krafft

Heinrich Peuckmann, Gefährliches Spiel, Novelle.
Kulturmaschinen Verlag, ISBN 978-3-96763-024-4
Verkaufspreis: 10,80 €, Broschüre, 12 x 19 cm.

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