Von Bischöfen, Schlössern und Zechen

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Die Meilenstein-Ausstellung zeigt Günter Rückerts (r.) Sicht auf „sein“ Marten. (Foto: IN-StadtMagazine)

Wenn Günter Rückert ins Erzählen kommt, wird’s kurzweilig. Hört man ihm zu, wie er gänzlich uneitel aus seinem offenbar unerschöpflichen Anekdoten-Fundus plaudert, glaubt man gerne, dass auch die Sketche des Geierabends seit vielen Jahren zum guten Teil aus seiner Feder stammen.

Anfang April aber ging es im Meilenstein um eine andere Begabung des Multitalents, denn in erster Linie ist der 67-Jährige nach wie vor Maler und Grafiker. Sein öffentliches Bekenntnis zu seinem Geburtsort Dortmund-Marten wiederum liegt, gestand Günter Rückert, noch gar nicht allzu lange zurück. Doch tatsächlich liegen die Wurzeln, des Malers, Musikers, Regisseurs, Comiczeichners und Kabarettisten nirgendwo anders als in Sichtweite der Zeche Germania.

„Einmal Marten, immer Marten“ heißt dann auch konsequenterweise die bereits zweite Ausstellung des Bergarbeitersohnes in der Nachbarschaftswerkstatt, für die er diesmal allerdings zahlreiche Grafiken exklusiv anfertigte. Die Ortskundigen dürften sehr vieles wiedererkennen: Die Diepenbrockstraße darf sich ebenso über eine zeichnerische Würdigung freuen wie das Hotel Martener Hof oder der Mergelkopfweg in der Nähe von Schloss Dellwig. Auch hier würzte der Hauptdarsteller des Abends prompt mit einer kleinen Geschichte nach, denn lange Zeit habe er den Adelssitz unter dem Namen „Schluss Dellwig“ verbucht: endete in Kindertagen doch spätestens dort die ihm bekannte Welt.
Die Bergbauhistorie des Ortes streifte Günter Rückert in seinen Erzählungen ebenso wie die eigenen Karriereanfänge mitsamt ihrer Schlenker. Nur zu dem Bild, welches die Gespräche zwischen Künstler und Meilenstein wohl erst ins Rollen gebracht hatte, gab es keine besondere Pointe: Der „Bischof von Marten“ nämlich ist einfach eine Erinnerung des Malers an eine reale Begegnung in katholischen Kindheitstagen.

Für Kurzweil im randvollen Meilenstein sorgte jedoch mehr als nur ein Künstler. Gleichzeitig nämlich war der Abend eine Fortsetzung der musikalischen Reihe „Marten liebt Vielfalt“, und hielt für das Publikum Weltmusik aus den Händen von Andreas Heuser und Kioomars Musayyebi bereit. Das Transoriental-Duo servierte seinen Zuhörern filigrane orientalische Traditionals und Eigenkompositionen, in denen sich Einflüsse aus Ost und West miteinander verbanden. Die zum Zurücklehnen und Augenschließen einladenden Klänge bescherten den Martenern gemeinsam mit Günter Rückerts trockenem Humor einen äußerst unterhaltsamen Abend.

Günter Rückerts Bilder sind im Meilenstein noch mindestens bis Ende Mai zu sehen – und im Übrigen größtenteils auch zu erwerben.

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