Ein Jahr nach der Dorney-Rodung spart die Stadt weiter mit schlüssigen Erklärungen

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Auf Container mit chinesischer Firmenbezeichnung geladene Stämme ließen Zweifel an der Feststellung aufkommen, das geschlagene Holz sei nicht kostendeckend zu verkaufen.

Vor über einem Jahr mochten die Oespeler ihren Augen nicht trauen: Nach von der Stadt vorgenommenen Waldpflegearbeiten glich ihr Dorney mancherorts einem Truppenübungsplatz. Die örtliche Bürgerinitiative „Pro Oespeler Lebensraum e.V.“ drängte in der Folge mit Bürgeranträgen in der Bezirksvertretung sowie Briefen an die politische Führungsebene auf Aufklärung. Die erfolgten Reaktionen aber fielen teilweise dürftig und in mehr als einem Punkt widersprüchlich aus – nichtsdestotrotz scheint der „längere Hebel“ sich mittlerweile durchgesetzt zu haben. Unverständnis und Sorge aber sind bei den Oespelern nach wie vor präsent. Grund genug, nochmal eine kleine Bestandsaufnahme inklusive der nie geklärten Fragen vorzunehmen:

Eine ausdrücklich im Herbst 2014 gestellte Anfrage hinsichtlich durch den Sturm „Ela“ im Stadtbezirk Lüdo entstandenen Baumverlust hatte Stadtrat Martin Lürwer noch dahingehend beantwortet, der Dorneywald sei vom Unwetter „wenig betroffen“. Nichtsdestotrotz rückten einige Wochen später bekanntermaßen die Motorsägen an. In seiner Antwort auf einen im März 2015 in der BV eingebrachten Bürgerantrag zum besseren Schutz des Naherholungsgebietes aber argumentierte Stadtrat Ludger Wilde dann doch mit dringend nötigen Durchforstungsarbeiten in Folge des Sturms. Darüber hinaus jedoch sei das Ziel der regelmäßigen Waldpflege, „verbleibende Bäume in Wachstum und Entwicklung zu fördern“ und der erfolgte Einschlag wachse ohnehin in etwa dreieinhalb Jahren nach. Dieser Rechnung haftet aber nicht nur etwas ärgerlich Milchmädchenhaftes an – denn die Oespeler wird es nur wenig trösten, wenn der Verlust alter  Bäumen von der reinen Kubikmeterzahl her bis 2018 von den verbleibenden Bäumen „wettgemacht“ wird – sie wird zudem von einigen Naturschutzverbänden stark angezweifelt. BUND und Nabu zumindest rechnen angesichts des umfangreichen Einschlags eher damit, dass vielerorts Gebüsch oder Brombeergestrüpp an Stelle der Bäume treten wird.

Der seitens der Oespeler Bürger ebenfalls geäußerten Vermutung, wirtschaftliche Interessen könnten eine wesentliche Rolle bei den erfolgten Arbeiten gespielt haben, begegnete Wilde mit dem Hinweis, ein großer Teil des Holzes sei „mit Bomben- und Granatsplittern aus dem zweiten Weltkrieg“ belastet und daher doch ohnehin nicht kostendeckend weiterzuverkaufen. Dieses Argument wiederum nährte allerdings den bestehenden Verdacht, der Fällaktion seien in überproportionalem Maße und aus wirtschaftlichen Gründen alte Baumriesen zum Opfer gefallen. Und Sturm Ela hingegen hatte gerade vor dünneren Stämmen keinen Halt gemacht. Um das Informationschaos perfekt zu machen, gaben ein Revierförster sowie ein Mitglied des städtischen Umweltamtes während einer öffentlichen Versammlung der örtlichen SPD zu Protokoll, vorrangiges Ziel sei schließlich die Schaffung eines Mehr-Generationen-Waldes, und zur langfristigen Sicherung des Bestands sei das Herausschlagen alter Bäume schlicht notwendig. Hier also spielte das Unwetter als Ursache des Einschlags nicht nur mit einem Mal eine untergeordnete Rolle, das „Bevorzugen“ älterer Stämme wurde darüber hinaus plötzlich gar nicht mehr geleugnet. Auf derselben Veranstaltung wurde seitens derselben Verantwortlichen zudem klargestellt, an einer weiteren „intensiven Bewirtschaftung“ des Dorneywäldchens – immerhin ausgewiesenes Naturschutzgebiet – führe ohnehin kein Weg vorbei.

Die nettere Interpretation dieses argumentativen „Zickzack-Kurses“ lautet „schlechte Kommunikation“ – bemerkenswert angesichts des gerade erst überstandenen Info-Durcheinanders rings um die Flutschäden im selben Stadtteil. Ein anderer seitens der BI geäußerter Verdacht ist aber, die offiziellen Stellen wollten vor der Verabschiedung eines neuen, strengeren Landschaftsschutzplans womöglich zügig Fakten schaffen.

Bemerkenswert ist es jedenfalls, wie sehr die Stadt ihren Bürgern hier die kalte Schulter zeigt. Auch die Hoffnung, das Thema könne bedeutend genug sein, um die Stadtspitze zu einer persönlichen Stellungnahme zu veranlassen, zerschlug sich leider: In seiner Antwort  auf einen Brief von „Pro Oespel“ übernahm OB Ullrich Sierau nahezu wortgetreu die vorherige Argumentation seines Stadtrats Ludger Wilde.

Zugleich weichen die Verantwortlichen keinen Deut von ihrem Kurs ab, wird doch seit Ende 2015 nunmehr in der Bolmke in ungekanntem Ausmaß Holz geschlagen und das Erscheinungsbild eines beliebten Naherholungsgebiets stark verändert. Und dies, obwohl in der Zwischenzeit kein Wetterereignis einen Grund hierfür geliefert haben kann.

Die Oespeler Bürgerinitiative fokussierte sich auch vor diesem Hintergrund zuletzt darauf, ihr Naherholungsgebiet zumindest zukünftig vor ähnlich konfliktträchtigen Waldpflege-Aktionen schützen zu können, und wandte sich im Dezember 2015 mit entsprechenden Anregungen und über 4000 Unterschriften an das Umweltamt der Stadt. Eine Reaktion hierauf ist leider bis dato ausgeblieben. Stattdessen gab Sebastian Vetter, Leiter des Umweltamtes, offenbar kürzlich Einblick in die weiteren Pläne des Umweltamtes: Die sehen nämlich anscheinend vor, als nächstes „An der Panne“ in Barop eine sehr gründliche Holzernte vorzunehmen.

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