Zu Gast in einer scheinbar grenzenlosen Metropole – Kirchlinder Schüler reisten im Oktober nach Shanghai

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In Qingdao wurden die Dortmunder durchaus als Exoten wahrgenommen - hier am rechten Bildrand zumindest zu erahnen! (Fotos: Christian Steimel)

Lange Zeit ging es für die Schülergruppen des Bert-Brecht-Gymnasiums zum Austausch über den „großen Teich“, bis veränderte Regularien auf der amerikanischen Seite mitsamt einer einhergehenden erheblichen Kostensteigerung dem Projekt leider den Stecker zogen.

Auf der Suche nach einer Reisealternative mag Koordinator Christian Steimel das alte, zumindest nach Brecht klingende Zitat eingefallen sein, wonach man realistisch ist, wenn man das Unmögliche fordert. Und so orientierte er sich in die gegengesetzte Himmelsrichtung und bastelte an einer Studienreise nach China. Stolze anderthalb Jahre Recherche- bzw. Netzwerkarbeit gingen anschließend ins Land, dann allerdings war tatsächlich alles unter Dach und Fach: In den zurückliegenden Herbstferien nun konnte die erste Kirchlinder Reisegruppe einen Trip ins Reich der Mitte buchen
Und die kehrte nach zehn Tagen mit einem ganzen Bündel besonderer, manchmal widersprüchlicher Eindrücke nach Dortmund zurück.

Das galt nicht zuletzt für den chinesischen Schulunterricht, der einerseits mit morgendlichem Schulappell und einem Salut auf die Landesfahne befremdlich patriotisch daher kam, andererseits aber in weit weniger autoritärer Atmosphäre stattfand als zuvor angenommen. Und auch das Essen barg so einige Überraschungen und hat – diesen hierzulande gehegten Verdacht kann die BBG-Truppe nunmehr bestätigen – so gut wie nichts mit den Speisen zu tun, die in Deutschland beim „Chinesen um die Ecke“ auf dem Tisch landen. Was allerdings kein Makel sein muss! Von spektakulären Ausreißern wie gegrillten Käfern beim Frühstücksbüffet mal abgesehen, konnte sich daher fast die komplette achtzehn Jugendliche und drei Lehrer umfassende Gruppe vorstellen, auch mal einen Abend in einem „authentischen“ China-Restaurant zu verbringen.

Am eindrucksvollsten aber blieb für die Gäste aus Deutschland, die im Laufe der zehn Tage in Qingdao und Shanghai Station machten, der Besuch der an Superlativen nicht eben armen chinesischen Metropolen. „Wir flogen über Wolkenkratzer, und ich hielt das für die City. Aber dann ging es –zig Kilometer lang so weiter“, berichtet eine Schülerin immer noch sichtlich beeindruckt. Erfährt man, dass alleine Shanghai mehr Einwohner fasst als ganz NRW, bekommt man eine Ahnung von den geschilderten Dimensionen.

Hinzu kommt, dass z. B. in Qingdao der eigentliche City-Bereich abends in einer Weise illuminiert wird, die nach übereinstimmender Meinung Las Vegas um einiges abhängen dürfte. Der offenbar sorglosen Verschwendungssucht hier steht eine Verkehrspolitik gegenüber, bei der Elektro-Autos schon jetzt deutlich den Ton angeben: „Die Straßen wimmeln von Fahrzeugen, aber es brummt kein Motor“, beschreibt es Lehrer Christian Steimel.

Bleibt noch die Frage, wie es denn um die Kommunikation bestellt war – immerhin hielten sich die Jugendlichen in einem Land auf, in dem Instagram gar nicht und WhatsApp nur partiell nutzbar ist. „Teils, teils“, scheint hier die Antwort zu lauten, besuchte man doch im Laufe des Aufenthalts an insgesamt fünf Schulen verschiedenste Klassen, die sich altersabhängig mal besser und mal schlechter auf Englisch mit ihren Gästen verständigen konnten. Unter den Gleichaltrigen allerdings funktionierte das offenbar prima, und etliche stehen sogar nach wie vor miteinander im Mailkontakt.

Sogar der Besuch einer chinesischen Schulgruppe in Dortmund wurde mittlerweile für 2020 fest ins Visier genommen. Man darf also gespannt sein, was den Gästen aus Fernost an Kirchlinde womöglich exotisch erscheinen wird!

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