Streuobstwiesen sind wertvolle Ökosysteme – Umweltamt informierte und mahnte in Kirchlinde

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Auch die Rasenmäher mit der besten Ökobilanz waren Ende September am Rande Kirchlindes zu finden. Kümmern musste sich die Herde allerdings um eine Nachbarwiese, da die Zuwegung zur Streuobstfläche dem Schäfer für die Tiere ein wenig zu schmal erschien. (Fotos: IN-StadtMagazine)

In unserer nach größtmöglicher Effizienz strebenden Zeit sind Streuobstwiesen im Grunde so etwas wie ein Stückchen heile Welt – und ein eher seltenes Stückchen zudem. Über rund 50 dieser Areale verfügt die Stadt Dortmund auf ihrem Gebiet, etliche davon entstanden als Ausgleichsfläche für Bauvorhaben.

Nicht alle jedoch wissen diesen besonderen Lebensraum zu schätzen bzw. mit Respekt zu behandeln, weshalb das Dortmunder Umweltamt nun Ende September zu einem Info-Termin auf eine idyllische Obstwiese in der Nähe der Siepmannstraße einlud.

Dabei wiesen Amtsleiter Dr. Uwe Rath sowie Gesa Köster von der Unteren Naturschutzbehörde insbesondere darauf hin, dass es keine Alternative zur – gelegentlich von Bürgern kritisierten – sehr schonenden Pflege des Areals gebe. Konkret bedeutet dies, dass Bäume nur äußerst selten beschnitten und die Grasfläche nur zweimal jährlich gemäht werden, denn schließlich geht es hier nicht um maximalen Ertrag, sondern um Nachhaltigkeit. Selbst umgefallene Bäume bleiben keinesfalls „aus Versehen“ an Ort und Stelle, sondern werden auf diese Weise zu Rückzugsgebieten kleiner Tierarten wie Kröten bzw. Igel.

Auf der ca. um die Jahrtausendwende angelegten Kirchlinder Obstwiese konnten auch schon Füchse, Fasanen oder Käuzchen beobachtet werden. Betreut wird sie von Ehrenamtlern der örtlichen Siedlergemeinschaft, und immer mal wieder ist sie das Ziel von Kita- oder Schülergruppen auf einem Kurz-Trip in die Natur. Doch leider gibt es nicht nur willkommene Gäste, weiß Dr. Uwe Rath doch auch von Obstraub im großen Stil zu berichten, bei dem in Kirchlinde und anderswo ungefragt mit Körben und Fahrzeugen komplette Bäume oder gar ganze Obstwiesen zu gewerblichen Zwecken „abgeerntet“ werden. Daher wies er mit Nachdruck darauf hin, dass es sich bei solchen Übergriffen um Diebstahl handelt, was empfindliche Strafen nach sich ziehen kann.

Ärgerlich allemal, dass gegen Ignoranz mitunter kein Kraut gewachsen scheint. Doch apropos: Um das „Mähen“ der Streuobstwiesen kümmert sich in Dortmund, sofern machbar, kein Aufsitzrasenmäher. Stattdessen greift auch hier das naturnahe Prinzip, wenn durchziehende Wanderschäfer ihren Herden die Gelegenheit geben, sich die hungrigen Mägen zu füllen. Hierbei hat die Natur sogar noch einen weiteren Trumpf im Ärmel: Eine der wenigen ungeliebten Pflanzen auf „wilden Wiesen“ ist nämlich der Riesenbärenklau. Aber während dieser beim Menschen schwerste Verbrennungen hervorrufen kann und daher oft mit viel Aufwand bekämpft wird, ist die Staude für Schafe vor allem: lecker.

Die Streuobstwiesen scheinen also tatsächlich ein gutes Beispiel dafür zu sein, dass Natur „funktioniert“ – zumindest sofern man sie lässt.

Auf Streuobstwiesen geht es nicht um Ertragsoptimierung, wie Dr. Uwe Rath (Leiter des Umweltamts) und Gesa Köster (Untere Naturschutzbehörde) vor Ort nachdrücklich betonten. Reiche Ernte trugen die Kirchlinder Bäume im Übrigen trotzdem.

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