Schüler schreiben Geschichten – Schreibwerkstatt der IN-Stadtmagazine

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Zahlreiche schriftstellerische Nachwuchsbegabungen in unseren Schulen warten nur darauf, dass ihr Talent wahrgenommen und gefördert wird. In Zusammenarbeit mit dem Kirchlinder Bert-Brecht-Gymnasium (BBG) geben die IN-Stadtmagazine etwa dreimal jährlich SchülerInnen der Schule die Gelegenheit, der Öffentlichkeit eine Kostprobe ihres Könnens zu liefern. Zeitung wie Schule freuen sich auf viele spannende und kreative Ergebnisse!

Bei der 15-jährigen Dana Croll ist der literarische Funke zwar erst vor etwa einem Dreivierteljahr übergesprungen, dafür dann aber umso nachhaltiger. Deutsch ist ihr erklärtes Lieblingsfach – warum also nicht ein Stück der Begeisterung in den Alltag hinübertransportieren? Aus diesem Grunde arbeitet die gebürtige Kirchlinderin mittlerweile seit etlichen Monaten an ihrem eigenen Kinderbuchprojekt, aus dem wir hier einen Auszug präsentieren Als Pferdenärrin bekannt, schien ihr literarisches Thema eigentlich auf der Hand zu liegen. Entgegen aller Erwartungen jedoch heißt Danas streckenweise recht nachdenkliches Debüt:

Mein Leben auf vier Pfoten
Ich war ein kleiner Welpe, der zusammen mit weiteren sechs Geschwistern auf die Welt kam. Wir lebten bei unserer Mama und unseren Menschen irgendwo in den Tiefen Englands. Drei Mal am Tag gingen wir eine schöne große Runde Gassi über eine mit Blumen geschmückte Wiese, auf der wir uns austoben und spielen konnten. Auch heute waren wir wieder unterwegs, als ich plötzlich eine Blume sah, die mir zuvor noch nie aufgefallen ist. Sie sah flauschig aus, und noch dazu hatte sie die Form eines Balls. Stand sie dort schon immer? Ich konnte es mir nicht verkneifen, hineinzubeißen. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, dass Hunde auch Gänsehaut bekommen konnten. An alle anderen Hunde: Es geht! Mein Fell stellte sich auf, meine Ohren spitzten sich und meine Augen bekamen einen übergroßen Durchmesser.

Noch dazu kitzelte es in meinem Mund, weshalb ich alles sofort ausspuckte. Anders als erwartet flogen mir kleine, regenschirmähnliche Fussel um die Ohren. Was genau war das? Ohne groß darüber nachzudenken, beschloss ich, nie wieder in eine Blume zu beißen, auch nicht, wenn sie die Form eines Balls hatte. Da blieb ich lieber bei meinem guten alten Tennisball. „Bella! Komm, wir wollen weiter!“, rief mein Frauchen. Ja, ich heiße Bella. Ich weiß, das ist ein ziemlich unkreativer Name, denn so heißt mindestens jeder dritte Hund. […]

Als wir zuhause ankamen, gab mein Frauchen uns erst einmal was zu futtern. Das konnte ich nach der ganzen Aufregung auch sehr gut gebrauchen. Doch schon nach dem ersten Bissen bemerkte ich, dass es ein anderes Futter war als sonst. Es schmeckte sehr gut, jedoch war es ziemlich gewöhnungsbedürftig. Schließlich hatte ich in den zwölf Wochen, die ich nun schon alt war, nur das gewohnte Futter serviert bekommen.
Es war immer ein ganz schönes Gedrängel, wenn es Essen gab. Meine Geschwister und ich drängelten an die Näpfe und tummelten uns auf einem großen Haufen. Davon, einmal in Ruhe alleine zu fressen, konnte ich nur träumen. Manchmal wünschte ich mir, wie meine Mama mein eigenes Futter zu bekommen. Aber nein, rechts und links hörte man Schmatzen und ab und zu ein Jaulen und Fiepen, weil wieder mal irgendjemand weggedrängt wurde. Aus welchem Grund auch immer, heute hatte ich nicht viel Hunger.

Ich verließ die Futterstelle und kuschelte mich zu meiner Mama ins Körbchen. Es war braun und weich, genau wie sie. Mit der Zeit begann ich immer müder zu werden und merkte gar nicht, wie ich langsam einschlief.

Nach einer Weile wurde ich wach und öffnete meine Augen. Irgendetwas drängte mich dazu, nach draußen zu gehen. Also quetschte ich mich durch die Hundeklappe, durch die ich vor ein paar Wochen noch besser passte, und sah, dass es noch mitten in der Nacht war. Es war stockdunkel, und das einzige, was ich hören konnte, waren ein paar Autos, der Wind, der durch die Bäume pfiff, und Regentropfen, die auf die Straße prasselten. Ich schlich leise weiter durch die Dunkelheit und beschloss, nachdem ich etwas gelaufen war, eine Pause einzulegen. Ich setzte mich hin und schaute in den tiefblauen, fast schwarzen Himmel. Der Mond hatte einen hellen Schein und sah aus wie ein Ball. Es war Vollmond. Alles um mich herum war so dunkel und fremd, es war fast schon gruselig.

Mit einem Mal wurde mir klar, dass ich nicht mehr wusste, wo ich war. Ich war auf dem Weg so in Gedanken versunken, dass ich mir den Weg, den ich gegangen bin, nicht gemerkt hatte. Ich versuchte zu überlegen, aber es wollte mir einfach nicht gelingen. Um mich herum war alles so still, aber ich hörte ein bekanntes Geräusch. Ah! Es war das Plätschern des Flusses, an dem wir immer spazieren gingen. Ich war so froh, es zu hören. Vom Fluss aus kannte ich den Weg nach Hause! Ich lief also dem Geräusch hinterher, doch auf einmal verschwand es. Ich konnte nichts mehr hören, als wäre der Fluss verschwunden. Das konnte doch nicht sein! Ich hatte ihn gehört, da war ich mir ganz sicher! Plötzlich erstarrte ich. Ich hörte Schritte hinter mir. Langsam drehte ich mich um. Dort war ein mir unbekannter Mann mit einem großen Beutel in der Hand. „Na komm du Süße, ich will dir doch nichts tun“, sagte er mit leiser Stimme. Er machte mir Angst, und ich lief weg. Ich rannte so schnell ich konnte. Er kam mir fluchend hinterher. Ich rannte über den vom Regen feuchten Asphalt, über matschige Erde und über viele Straßen und durch einen Park, den ich nicht kannte. Jetzt hatte ich erst recht die Orientierung verloren. Immer wieder drehte ich mich um und sah, wie dieser Mann immer näherkam. Ich spürte, wie ich langsam nicht mehr konnte. Ich wurde langsamer und fiel zu Boden. Ich hörte den Mann nur noch verschwommen, als mir das Bild vor Augen schwarz wurde.

„Bella, steh auf“, rief mein Frauchen. Ich öffnete die Augen und lag neben meiner Mama im Körbchen. Erst erschrak ich, aber dann war ich so froh, zuhause zu sein. Ich schien geträumt zu haben, zum Glück!
Verschlafen sortierte ich meine Beine und kletterte aus dem Körbchen. Als ich jedoch meinen kleinen Tennisball sah, war ich schlagartig wieder wach und voller Lebensfreude. Es war ein schönes Gefühl, in einen Ball beißen zu können, ohne danach Flusen im Maul zu haben.

Eine ganze Weile spielte ich mit dem Ball und mit der Zeit kamen auch meine Geschwister und wollten mitspielen. So nervig sie auch sein können, mit ihnen macht das Spielen immer am meisten Spaß! Doch dann klingelte es an der Tür. Sofort ließen wir den Ball links liegen und schauten gespannt, wer dort war. Es war eine nett aussehende, junge Frau mit blonden Haaren, weißem Pullover und Jeans. Ich hatte sie nie zuvor gesehen, aber weil mein Frauchen sie freundlich begrüßte, hatte ich keine Angst vor ihr. An der Tür redeten sie ziemlich lange über irgendein Zeug, von dem wir eh nichts verstanden. Also schnappten wir uns unseren Ball und spielten vergnügt weiter. Keiner von uns hatte zu diesem Zeitpunkt auch nur die leiseste Ahnung, dass dies unser letztes gemeinsames Spiel sein würde.

Die Blonde kam rein und ging genau auf uns zu. Ich fühlte mich bedrängt, als sie versuchte, mich zu streicheln und versteckte mich hinter meiner Mama. Daraufhin redete sie mit meinem Frauchen über zwei meiner Geschwister, die viel schönere Namen hatten als ich; Ronja und Packo. Wieder redeten sie lange miteinander und mit der Zeit trieb mich die Langeweile doch wieder zu ihnen. In dem Moment stand die Unbekannte auf, gab meinem Frauchen irgendwas und holte dann ein Körbchen mit Gittern, in das sie Ronja und Packo setzte. […]

© Dana Croll

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