Mit der Natur, nicht von ihr – (Auch) in Kirchlinde wollen Kinder wieder Pfadfinder sein

0
21
Auch zur von der katholischen Jugendorganisation BDKJ organisierten 72-Stunden-Aktion Ende Mai ließen sich die Pfadfinder nicht lumpen, und stellten ein Kinderrechtefest auf die Beine. (Foto: IN-StadtMagazine)

Veränderte Freizeitgewohnheiten haben manchem Verein und mancher Tradition im Laufe der letzten Jahre den Stecker gezogen. Doch es gibt auch Traditionen, die plötzlich wieder Rückenwind verspüren, da sie offenbar eine gute Antwort auf vermeintlich neue Fragen geben.

Selbstversorgung über den eigenen Garten beispielsweise ist so eine. Eine andere sind Pfadfindergruppen, die den Nachwuchs nach Jahren der Flaute neuerdings wieder deutlich mehr begeistern.

Auch in der Kirchlinder St. Josef-Gemeinde gibt es inzwischen wieder sowohl „Rover“ als auch „Wölflinge“, wie die 15 bis 20- bzw. die sechs- bis zehnjährigen Pfadfinder genannt werden. Jeweils mittwochs treffen sich die beiden unter dem Dach der DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg) gegründeten Gruppen im bzw. am Thomas-Morus-Haus.
Womit sich dann anschließend die Zeit vertrieben wird, ist sehr variabel, denn demokratische Strukturen gehören zu den wichtigsten Pfadfinder-Prinzipien. Und über die Frage, was darüber hinaus einen Pfadfinder ausmache, müssen die anwesenden Rover nicht lange nachdenken: Dass man sich gegenseitig helfe, niemanden ausschließe sowie nach Selbstbestimmtheit strebe.

Noch ein weiterer Punkt spielt eine große Rolle: Die Begeisterung für die Natur bzw. der Wille, „mit ihr statt von ihr“ zu leben. Damit scheint die schon über 100 Jahre alte Bewegung dem aktuellen Zeitgeist tatsächlich ein gutes Stück vorausgewandert zu sein. Eine PlayStation dürfte bei den wöchentlichen Treffs also eher nicht ans Netz gehen, stattdessen sind Bewegung und Gemeinschaft Trumpf. Da gibt es dann beispielsweise mal einen Theaterworkshop, oder man organisiert das Kinderrechtefest am Thomas-Morus-Haus inklusive Trommel-AG, selbst gestalteten T-Shirts sowie eigenem Kuchen- und Smoothie-Verkauf.

Bei der 72-Stunden-Aktion packten die Pfadfinder tatkräftig an – aber Zeit zum Relaxen blieb auch. (Foto: Patrick Ammann)

Das ist also ein weiterer Aspekt, der Pfadfinderinnen und Pfadfinder mit den „Gretas dieser Welt“ verbindet: Der Wille, sich eine eigene Meinung zu bilden und im Anschluss daran Verantwortung zu übernehmen. Die St. Josef-Gemeinde profitiert in vielfacher Weise von dieser hilfsbereiten Grundeinstellung. Wenn etwa die Seniorengruppe Hilfe beim Stühleaufstellen benötigt. Oder wenn beim jährlichen Gemeindefest die Gäste aus der Pfadfinder-Jurte heraus mit Champignons und Drillingen versorgt werden. In Stress arten die Leitsätze der Rover und Wölflinge trotzdem nicht aus: Weil von Hilfsbereitschaft schließlich stets beide Seiten profitieren, und weil zwischendurch auch der Spaß immer wieder nicht zu kurz kommt. Auf Kirchlindes Rover etwa wartet im August das Sommerlager, zu dem Stämme aus ganz NRW im sauerländischen Rüthen zusammenfinden, und von der achtköpfigen Truppe aus dem Thomas-Morus-Haus möchte sich das niemand entgehen lassen.

Größtenteils bereits seit mehr als zehn Jahren mischen sie mit ganzem Herzen bei der DPSG mit. Dass nach Jahren des Schattendaseins der Nachwuchs neuerdings wieder mittwochs an ihre Türen klopft, freut sie selbstverständlich sehr. Dieses Eisen planen sie zu schmieden, indem einige von ihnen demnächst an den Grundschulen der Umgebung mal wieder ein bisschen vom Leben der Rover und Wölflinge erzählen. Das nämlich hat schon im letzten Jahr gut funktioniert – und sollte doch eigentlich jetzt, da die Welt alte Pfadfindertugenden wiederentdeckt, umso besser klappen!

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
500