Kirchlindes Sprinterinnen unmittelbar mit Covid 19 konfrontiert

0
159
Hürdentraining absolviert Marissa Linnert im heimischen Garten – da ist Improvisations- und Kompromissbereitschaft gefragt. Trainiert wird nur die Grundbeweglichkeit, auf Geschwindigkeit kann auf 10 Metern niemand kommen. (Fotos: IN-StadtMagazine)

Den TSV Kirchlinde das „gallische Dorf“ der Dortmunder Leichtathletiklandschaft zu nennen, wäre vermutlich ein wenig übertrieben – und auch nicht ganz fair gegenüber den Großen der Szene. Tatsache ist aber, dass man sich im Dortmunder Westen die Unabhängigkeit bewahrt hat, und trotzdem immer wieder insbesondere im Nachwuchsbereich mit heimischen Athleten bei Landes- oder sogar Deutschen Meisterschaften vertreten ist.

Ein Aushängeschild ist derzeit der weibliche Sprintnachwuchs, der sich für die nächsten Jahre teils ehrgeizige Ziele gesetzt hat. Doch auch hier wurden Saison- sowie Trainingsplanung im Laufe der letzten Wochen selbstverständlich auf breiter Front pulverisiert, und in einem Falle schlug das Virus sogar unmittelbar zu.

Als gerade mal 14-Jährige schnappte sich Franca Krane im letzten Jahr bei den NRW-Meisterschaften der U18 den Vizemeistertitel mit der 4 x 200 m-Staffel. Aktuell aber ist auch das Lauftalent zu „Kurzarbeit“ – hier vor ihrem Elternhaus – gezwungen.

Zum einen ist Hürdentraining im heimischen Garten eben nur begrenzt hilfreich. Aber auch Franca Krane, amtierende NRW-Vizemeisterin über 80 m Hürden in der Altersklasse U16, bleibt derzeit halt nichts anderes übrig. Für Bergsprints geht’s aktuell in die Bolmke, Treppenläufe können am Deusenberg in Angriff genommen werden. Privat geht die 15-Jährige eher locker mit dem Corona-Lockdown um: Keine Schule, viel freie Zeit – warum sollte man da ernsthaft klagen? Das Haupt-Saisonziel indes, das Erbringen der Einzel-Leistungsnorm für die DM, ist erst einmal wieder aus dem Fokus geraten, auch wenn ein Ausfall der Titelkämpfe noch nicht abschließend verkündet wurde. Beim TSV hofft man, in der zweiten Maihälfte wieder in Kleingruppen ins Training einsteigen zu können. Sollten sich virusbedingt weiße Flecken im Jahreskalender ergeben, will nicht nur Franca die Zeit zum intensiven Training für das nächste Jahr nutzen. Denn im Grunde hat ja ihre Sportler-Karriere gerade erst begonnen, und längerfristig ist der Traum durchaus, die Kirchlinder Farben auch einmal bei einer Jugend-Europameisterschaft vertreten zu dürfen.

Wie auch immer die Saison für Marissa Linnert weitergeht – mit Covid 19 hat die 17-Jährige den gefährlichsten Gegner schon einmal abgehängt.

Ehrgeizige Ziele für die Zukunft hat auch Francas Vereins- und Staffelkollegin Marissa Linnert, die sich in ähnlicher Weise durch die momentane Phase improvisieren muss. Dies allerdings mit einem elementaren Unterschied: Ein vor einigen Wochen bei ihr vorgenommener Covid 19-Test hatte ein positives Ergebnis! Wo sich die fast 18-Jährige angesteckt haben könnte, kann sie nicht benennen. Tatsache hingegen ist, dass es im Hause Linnert letztlich sogar zwei Corona-Fälle gab, denn bei Marissas Mutter brach die Krankheit zwei Tage später ebenfalls aus. Die akute Krankheitsphase haute beide mit massiven Kopf- und Gliederschmerzen sowie Kurzatmigkeit ziemlich aus den Schuhen, bei der Hürdensprinterin allerdings war nach zwei Tagen schon fast alles überstanden. „Nach knapp zwei Wochen“, erzählt sie, „fühlte ich mich eigentlich wieder voll belastbar“. Mutter Linnert hingegen blieb die Erkältungssymptomatik noch 14 Tage lang erhalten, ein zeitweiser Verlust des Geruchssinns inklusive. Wieder genesen, ist bei beiden die Erleichterung groß, ohne dass der Respekt vor dem Virus verflogen wäre – da warten Mutter und Tochter lieber noch auf gesichertere wissenschaftliche Erkenntnisse zur Immunität. Als mögliche Plasmaspender haben sie sich unterdessen beide registrieren lassen.

Die Sprinterin ist sehr zuversichtlich, die in den letzten Wochen eingebüßte Fitness in der Trainingsgruppe wieder aufholen zu können. Für das laufende Jahr richtet sich Ihre Hoffnung darauf, dass die einstweilen gecancelten Meisterschaften noch nachgeholt werden, hatte doch auch sie die Quali für Landesmeisterschaften und „die Deutschen“ fest im Visier. Und welche Ziele bzw. Träume existieren längerfristig? „Olympia wäre cool“, sagt sie und grinst. Eine Kirchlinderin bei den Olympischen Spielen: dagegen hätte im Dortmunder Westen in der Tat sicherlich niemand etwas einzuwenden. Einstweilen geht’s für Marissa Linnert aber erstmal Schritt für Schritt – um nicht zu sagen Hürde für Hürde – vorwärts. Und ein erinnerungswürdiges Jahr war’s ja für die TSV-Sportlerin im Grunde auch ohne weitere Wettkämpfe.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
500