Eine Zeitreise durch fünf Jahrzehnte – BBG feierte eine Woche lang sein „Gold-Jubiläum“

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Offensichtlich doch noch nicht „too old to rock ,n’ roll“: Die langjährige Lehrerband drehte zur Freude ihrer einstigen Schützlinge noch einmal die Verstärker auf. (Fotos: IN-StadtMagazine)

Das muss man sich mal vorstellen: Als am Bert-Brecht-Gymnasium (BBG) die allererste Unterrichtsstunde abgehalten wurde, lag die erste Mondlandung gerade mal ein paar Wochen zurück, und der letzte Woodstock-Akkord wehte vermutlich immer noch durch die Luft. Der damalige Zeitgeist jedenfalls fand schon im Namen seinen Widerhall, denn anderswo in der Stadt trugen die Gymnasien schließlich nicht den Namen eines „Revolutionärs“.

Doch die Zeit macht eben auch vor Revoluzzern nicht halt, und so stand für die Schule am Rande von Kirchlinde Mitte September das „Gold-Jubiläum“ an: ein Datum also, um Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen die Ehre zu erweisen.
Und man muss dem BBG lassen: halbe Sachen machten sie nicht. Stattdessen wurde gleich fünf Tage lang gefeiert. Zwar hätte man „Projektwoche“ drüberschreiben können, aber das wäre geschwindelt gewesen, denn das einzige wirkliche Projekt war es, durchgehend Spaß zu haben. So wurde jedem der Werktage eines der vergangenen Jahrzehnte als Verkleidungs-Motto vorangestellt. Die entsprechenden Ergebnisse bewegten sich mal näher, mal weniger nah am Original – vermutlich in erster Linie abhängig davon, was der elterliche Kleiderschrank so hergab.

Ziemlich stilsicher allerdings wurde es am Mittwoch und Donnerstag in der Aula während der Lehrerrevue, an welcher die BBG-Pädagogen rund ein Jahr lang getüftelt hatten. „Das unglaubliche Abenteuer des Herrn C.“ folgte der Spur von Peter Clemens durch die letzten Jahrzehnte – stets auf der (zumeist unglücklichen) Suche nach dem perfekten Job und der Frau des Lebens. Garniert wurde die Reise mit jeder Menge Musik der jeweiligen Zeitspanne von den Bee Gees über Extrabreit und Michael Jackson bis zu Tokio Hotel und Aquas „Barbie Girl“, die überwiegend live von den Lehrern vorgetragen wurden. Da waren dann neben schöneren Stimmen auch solche zu hören, die sich einst mit gutem Grund gegen ein Musikstudium entschieden hatten, es aber dafür jetzt an Kampfgeist nicht mangeln ließen. Schwamm drüber! Standing Ovations des Publikums jedenfalls waren ihnen (zurecht) allen so gewiss, wie es sonst im Pädagogen-Alltag nur selten vorkommen dürfte.

So war also schließlich alles bereit für das furiose Finale am Samstag, für den ein Schulfest sowie das große Ehemaligen-Treffen auf dem Programm standen. Dass man sich trotz aller Ausflüge in die Vergangenheit noch immer mit beiden Beinen in der Gegenwart aufhält, zeigte dabei der Vormittag, an welchem eine Dame des Gesundheitsamtes – durchaus nicht als Teil des Programms – das auf Tischen auf dem Pausenhof aneinandergereihte Büffet wegen mangelnder Kühlvorrichtungen (!) kurzerhand „kassierte“, glücklicherweise erst 20 Minuten vor dem geplanten Veranstaltungsende.

Davon allerdings merkten die Ex-BBGler nichts mehr, als sie abends ab 18 Uhr nach und nach in der Schulaula eintrafen. Und obwohl unterm Strich selbstverständlich nur der kleinere Teil aller einstigen Schüler den Weg nach Kirchlinde gefunden hatte, gab es bald an jeder Ecke mehr oder weniger überraschende Wiedersehen, erinnerte man sich gemeinsam an alte Anekdötchen oder durchforstete man sein Gedächtnis auf der Suche nach Namen, die einem einfach nicht mehr einfallen wollten. Einen guten Teil zum Nostalgie-Faktor trug zudem die „alte Lehrer-Band“ bei, die annähernd in Original-Besetzung das Rad noch einmal um mindestens zwanzig Jahre zurückdrehte.
Und dann, etwa um Mitternacht, fand die kleine BBG-Zeitreise schließlich ihr Ende.

Längst nicht allen fiel der Abschied an diesem besonderen Abend leicht, und sich für das nächste runde Jubiläum zu verabreden, war halt keine Option. Aber was soll’s? – in solchen Fällen helfen heute bekanntlich Whats-App-Gruppen.
Weil „Revoluzzer“ vielleicht alt werden, aber dennoch meistens mit der Zeit gehen!

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