Huckarde im Wandel der Zeit – von Dr. Günter Spranke: Von der St. Marienkirche zur St. Urbanus-Kirche

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Blick auf den Altarraum mit der Urbanus-Figur um 1890; (Foto: privat)

Nachdem die Huckarder Pfarrkirche jahrhundertelang zuerst als „Marienkapelle“, dann als „Marienkirche“ bezeichnet worden war – woran bis heute die Bezeichnung der anliegenden Straße als „Marienstraße“ erinnert – wurde das Gotteshaus ab dem Jahr 1719 mit dem Namen eines anderen Patrons, nämlich als „St. Urbanus-Kirche“ bezeichnet. Diesen Patronatswechsel vor genau 300 Jahren wollen wir heute genauer beleuchten.

Co-Patron
Wie viele andere Kirchen im Herrschaftsgebiet der Essener Stiftsdamen, war auch die Huckarder Kirche einst der Jungfrau Maria geweiht. Die „Goldene Madonna“ (um 980) in der Essener Stiftskirche zeugt bis heute von der Verehrung der heiligen Jungfrau Maria durch die frommen adligen Damen. Diese älteste erhaltene vollplastische Marienfigur der abendländischen Kunst hatte sicher in vielen Pfarrkirchen des Stiftsgebiets ihre Entsprechungen, so auch in Huckarde. Als jedoch kurz nach 1700 die Prämonstratenserabtei Knechtsteden begann, die Pfarrer für Huckarde zu entsenden, änderte sich im Jahr 1719 das Patronat der jahrhundertealten Pfarrkirche. Am 2. Mai 1719 stiftete die Fürstäbtissin Bernadine Sophia von Ostfriesland und Rietberg eine wöchentliche Messe „zu Ehren der Muttergottes und des heiligen Urban, Patronen unserer Pfarrkirche zu Huckarde“ und bezeugte damit diesen, in unseren Breiten eher selten verehrten, Heiligen als Co-Patron der hiesigen Kirche.

Wer war Urbanus?
Der heilige Urbanus war als Urban I. von 222–230 Papst und Bischof von Rom, sein Papstname bedeutet „der Städter“ und könnte eventuell auf seine römische Abstammung hindeuten. Er wird heute als Stadtpatron bedeutender Städte, wie Toledo, Valencia oder Maastricht verehrt und als Schutzheiliger der Weinberge, des Weines, der Winzer und der Küfer angesehen. Angerufen wird Urbanus bei Trunkenheit, Gicht, Frost, Gewitter und Blitz. Dieser Papst soll die Verordnung erlassen haben, dass der Kelch beim Abendmahl stets aus Silber oder Gold zu sein habe. Bestattet wurde Urban I. in den Katakomben von Rom.

Warum wurde Urbanus zum Patron der Huckarder Kirche?
Nach und nach hat die Huckarder Pfarrkirche ihr ursprüngliches Patronat verloren. Heute wird nur noch St. Urbanus als Patron der Kirche genannt und die Kirche entsprechend bezeichnet. Der Grund dafür dürfte in dem Umstand zu suchen sein, dass es in früheren Zeiten üblich war, das Datum nach dem entsprechenden Tagesheiligen zu benennen. „Martini“, der St. Martinstag am 11. November (Laternenumzüge) oder „Johanni“, der St. Johannestag am 24. Juni, der eine Bedeutung in der Vegetation (Johannistrieb, Ende der Ernte von Rhabarber und Spargel) hat, sind vielen Menschen auch heute noch geläufig.

Der Urbanustag (25. Mai) hatte im alten Huckarde eine besondere Bedeutung und alle Bewohner des Stiftsgebietes, neben den Huckardern also auch die Bewohner von Dorstfeld, mussten in der Messe an diesem Datum anwesend sein. Den Bauern, genauer den Weideberechtigten unter ihnen, wurde zu diesem Zeitpunkt (unter Strafandrohung) verkündet, dass sie ab Urbani bis Bartholomei (24. August, verbunden mit der Kräuterweihe) ihr Vieh nicht mehr in den Huckarder und Dorstfelder Bruch treiben dürften, da das Gebiet dann zum Heumachen dienen sollte. Zur allgemeinen Kenntlichmachung dieses Umstandes wurden am Nachmittag dieses Tages die Glocken der Huckarder Kirche (der damals einzigen Kirche des Stiftsgebietes) geläutet.

Warum passierte all das unter den Prämonstratensern?
Die Prämonstratenser verbanden mit dem Datum des Gedenktages an den Hl. Urbanus nicht nur einen wichtigen Feiertag im bäuerlich geprägten Kalender Huckardes, auch der ihnen wichtige Heribert von Knechtsteden, der Erbauer der Basilika von Knechtsteden (1138) und ihr erster Propst, war am 25. Mai 1150 gestorben und somit verband dieser Gedenktag den verehrten Heribert mit dem Huckarder Ortspatron. Bei den entsprechenden Messen wurde auch des den Klosterbrüdern wichtigen Kirchenmannes gedacht. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erlebten die Prämonstratenser, auch Norbertiner genannt, bis zur Säkularisation (1802) einen enormen Aufschwung.

In Huckarde stellten sie nacheinander mehrere Pfarrer und erwarben 1740 auch das adlige „Haus Huckarde“ am Roßbach, das über viele Jahrhunderte der weltliche Gegenpol zur Einflusssphäre der Essener Äbtissinnen gewesen war. Als sie nach Meinung der Stiftsdamen zu einflussreich wurden, übernahmen die Stiftsdamen jedoch 1765 das Besetzungsrecht der Pfarrstelle wieder in eigener Regie. Der Einfluss der Norbertiner in Huckarde ging daraufhin zurück, die Abtei Knechtsteden ließ 1793 letztlich sogar das „Haus Huckarde“ abreißen.

Geblieben ist aber seit nun drei Jahrhunderten die Verehrung des Hl. Urbanus in der Huckarder Gemeinde.

Die St. Urbanus-Figur in der Nähe des Altars in unseren Tagen; (Foto: privat)

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