Huckarde im Wandel der Zeit – von Dr. Günter Spranke: Vom Kehrichtplatz zur Solaranlage

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Die Kippe im Jahr 1985. (Fotos: Ulrich Küpper)

Manche Landschaftsteile erfahren eine immer neue Verwendung in der örtlichen Gemeinschaft. Ein Beispiel für einen solchen Wandel finden wir im Bereich des einstigen Emscherbruchs zwischen Huckarde und Deusen.

Dabei hatte das Areal lange Zeit einen festen Verwendungszweck in der Huckarder Dorfgemeinschaft. Unter der Bezeichnung „Reithof“ war es jedermann bekannt und diente dazu, die Pferde der Huckarder Bauern zu trainieren. Als „Wenge“, also als Absenkung des Geländes, bot sich diese Niederung geradezu dazu an, eine windgeschützte Lage zur Tierhaltung zu bieten. Bis heute erinnern nur noch die kurze Wengestraße (die früher als „Bruchweg“ bis dorthin führte) und der Wengeplatz an diese einstige räumliche Situation.
Der Reithof war kurz nach der Jahrhundertwende umgezogen zum Funckenbusch im Umfeld des Rahmer Waldes, wo dann von 1907–1912 die Huckarder Pferderennbahn bestand. Dieses Gebiet wurde in den 1950er Jahren durch die Erpinghof-Siedlung überbaut.

Die aktuelle Nutzung als Mountainbike-Arena und Solaranlage.

Neue Nutzung
Bereits im ausgehenden 19. Jhd. wurde das Gebiet nahe der Emscher vermehrt zum Abladen von Abfällen genutzt. Ab den 1890er Jahren richtete die Stadt erste Sammelplätze für Straßenmüll an der Bornstraße und in Huckarde ein, die als „Kehrichtplätze“ bezeichnet wurden.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg begann man dann, die Senke zwischen Huckarde und Deusen im großen Stil zu nutzen, d. h. mit dem Dortmunder Straßenmüll zu verfüllen. Zuvor war man mit den Abfällen noch recht sorglos umgegangen und erst die steigenden Einwohnerzahlen in den Jahren der Industrialisierung machten einen professionelleren Umgang mit dem Unrat nötig.

Im ersten Betriebsjahr der Deponie 1911/12 wurde dort Abfall in einer Größenordnung von 51.000 Kubikmetern Müll gelagert. Die nördlichen und westlichen Stadtbezirke gehörten zu den frühen systematisch gekehrten Gebieten. Deusen, auf dessen Gebiet der Abladeplatz eigentlich gar nicht lag, wurde damals in ganz Dortmund mehr und mehr zum Synonym der „Schuttkippe“. Kolonnen von mit Besen bewaffneten Straßenreinigern füllten den meist trockenen Dreck in mitgeführte Karren – erst in den 20er Jahren wurden verstärkt auch Elektro-Sammelfahrzeuge in Betrieb genommen. Die Mülltonnen aus Metall wurden regelmäßig geleert und vermehrt auch Abfallbehälter, etwa an Haltestellen oder in Grünanlagen, installiert. Der so entstehende Berg von Hausmüll fand folgerichtig auch seinen Weg Richtung des angestammten „Kehrichtplatzes“. Die Schienen der Hafenbahn wurden bis Huckarde verlängert, um einen rationelleren Transport zu gewährleisten.

Ganz andere Dimensionen bekam die „Entsorgung“ am Ende des Zweiten Weltkrieges, als fast die gesamte Innenstadt in Trümmern lag und man tatsächlich diskutierte, die Stadt Dortmund, angesichts der enormen Zerstörungen, andernorts neu aufzubauen. Wie bekannt, entschied man sich anders und begann schon 1945 enorme Mengen (allein 1,5 Mio. Tonnen im Jahr 1949) an Trümmerschutt in Loren zu Sammelpunkten zu transportieren.

Vor dem Hauptbahnhof lag die Umladestation, von der aus das definitive Entsorgungsareal in Huckarde angesteuert wurde. Tatsächlich ging dabei auch viel stadtgeschichtlich wertvolles und heute vermisstes Material verloren.

Die folgenden 50er und 60er Jahre wurden von Wirtschaftswachstum und neuem Wohlstand geprägt und ließen den Berg an Verpackungsmüll immens anschwellen.
Eine Gesetzesänderung im Jahr 1972 erlaubte es dazu noch – neben dem Straßen- und Hausmüll – auch Bodenaushub und Bauschutt auf der Huckarder Deponie abzukippen. Der wachsende Müllberg, der sich letztlich auf 55 Meter Höhe auftürmen sollte, wurde in der örtlichen Bevölkerung deshalb gerne auch als „Monte Schlacko“ bezeichnet.

EDG-Entsorgung Dortmund GmbH
Schlagworte, wie Mülltrennung, Abfallvermeidung und Recycling wurden in den deutschen Wortschatz aufgenommen. Mit der Stilllegung der Kokerei Hansa im Jahr 1992 fand nicht nur die hiesige Montanindustrie ein Ende, man dachte auch darüber nach, die Umwelt in der Region zu entlasten. Noch im selben Jahr beendete man das Abkippen von Industrie- und Hausmüll. Im Laufe der Zeit waren auf einer Fläche von 44 ha Abfälle in einer Größenordnung von immensen 11 Mio. Kubikmetern deponiert worden.

Es dauerte noch bis 1997, bis sich die Abfallmenge gesetzt hatte und man durch Auftragen einer Bodenschicht die Rekultivierungsmaßnahmen einleiten konnte. Gasbrunnen halfen dabei, weiterhin entstehende Deponiegase aufzufangen und durch das Pflanzen von 150.000 Bäumen konnte das Gelände gesichert und begrünt werden.

Am 20. Mai 2004 wurde die bis 112 m ü.N.N. liegende Fläche ihrer neuen Bestimmung als Aussichtspunkt und Trainingspark für Mountainbike-Fahrer übergeben. Was schon die ersten Besucher des Deusenbergs beeindruckte, war der weite Ausblick auf das Stadtgebiet von Dortmund und Umgebung. Der attraktive Ausflugspunkt wurde bald unter dem Namen EDG Mountain Bike Arena zu einer überregional bekannten Trainingsfläche für Anfänger, wie für fortgeschrittene Anhänger dieser trendigen Sportart. Seit dem Jahr 2017 wurden auf einer Fläche von 4 ha 13.000 Module einer Photovoltaik-Anlage installiert und somit ein zeitgemäßer Solarpark geschaffen, der rechnerisch 1000 Haushalte mit regenerativem Strom versorgen kann.

In Zukunft soll der Bereich leichter zugänglich gemacht werden und als Teilprojekt der Internationalen Gartenbau Ausstellung IGA 2027 durch das Projekt „Haldensprung“ erschlossen und touristisch gefördert werden.

Wir bedanken uns für die Unterstützung von Claudia Brückel und die Bereitstellung der historischen Fotos und Drohnenaufnahme durch Ulrich Küpper.

 

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