„Huckarde im Wandel der Zeit“ von Dr. Günter Spranke – Eine kurze Straße mit langer Geschichte

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Blick in die Altfriedstraße um 1960. (Foto: privat)

In der Mitte des 19. Jhd. lag das Gebiet der heutigen Altfriedstraße noch außerhalb des Ortsbereichs.

So entsprach es der schon in napoleonischer Zeit erhobenen Forderung, ein Ersatzgelände für den damals üblichen Kirchhof müsse mindestens 40 Meter von der Ortschaft entfernt liegen. Im Jahr 1868 wurde dann ein solcher, den Gesetzen entsprechender Friedhof an der heutigen Altfriedstraße angelegt. Man könnte meinen, die Straße hätte schon seit diesen Tagen ihren Namen von dieser Begräbnisstätte, aber erst mit dem Ortsjubiläum im Jahr 1960 wurde dieser gewählt. Namenspatron war nicht der alte Friedhof, sondern der im Zusammenhang mit der Ersterwähnung Huckardes im Jahr 870 genannte Bischof Alfrid von Hildesheim, der von Ludwig dem Deutschen, einem Enkel Karls des Großen, den Ort „hucrithi“, so hieß Huckarde damals, überlassen bekommen hatte.

Weitere Namenswechsel
Zuvor hatte die Straße mehrfach ihren Straßennamen gewechselt. Zuerst hieß der Straßenabschnitt „Mengeder Straße“ und war der Beginn dieser Hauptverbindung in den nordwestlich gelegenen und damals noch dem Amt Castrop zugerechneten späteren Vorort von Dortmund. An der Straße wurden um die Jahrhundertwende erste Häuser gebaut. Auf dem damaligen Baugrund war ein ortsnaher Festplatz gelegen, auf dem gegebenenfalls auch Festzelte aufgebaut wurden. Das Haus des Arztes Kalthoff entstand an der Ecke zur Straße „Am Jungbrunnen“, gleich daneben wurde 1905 das prächtige und mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Wohn- und Geschäftshaus des Apothekers Engel, deshalb auch „Apotheke zur Engelsburg“ genannt, errichtet. An der gegenüberliegenden Straßenecke entstand ein Gebäude, in das später die örtliche Filiale der Post einziehen sollte.

Sackgasse
Nachdem der oft erzählte Streit zwischen den Huckarder Landwirten und der preußischen Eisenbahnverwaltung zu Unstimmigkeiten geführt hatte, ließ die Eisenbahnverwaltung im Jahr 1908 das neue Bahnhofsgebäude direkt im Straßenverlauf errichten und teilte so die angestammte Wegverbindung. Die kurze, aber wichtige Stichstraße erhielt in der Folge den Namen „Bahnhofstraße“, wurde von den Anliegern mit ihren Fuhrwerken stark strapaziert und deshalb als eine der frühen Straßen im Ort mit Kopfstein gepflastert. Der Fuhrunternehmer Hanning beispielsweise hatte in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bahnhof ein Unternehmen gegründet, von dem aus mit kräftigen Kaltblutpferden und schweren, mit Eisenreifen bestückten Anhängern die Kundschaft beliefert wurde.

Eingemeindung
Schon mit der Eingemeindung nach Dortmund 1914 musste die Straße erneut umbenannt werden und hieß seither wieder „Mengeder Straße“. Mit der Gastwirtschaft von Löchter, später auch unter den Namen „Haus Bose“, „Haus Havers“ und letztlich „Sonneneck“ bekannt, war die Straße schon lange vor der unvermeidlichen Bahnhofswirtschaft zu einer gastronomischen Adresse geworden.

Wirtschaftsaufschwung
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich weitere Unternehmen in dieser Straße an. Auf dem Bahnhofsvorplatz entstand ein Kiosk mit einer Leihbücherei, auf der gegenüberliegenden Straßenseite boten der Schreibwaren- und Spielzeughändler Leopold Müller und das Schuhgeschäft Klöpper ihre Waren an. Im weiteren Straßenverlauf bot der Tabakwarenhändler Alfred Monse auch Zeitschriften an und betrieb eine Lotto-Annahmestelle. Im benachbarten Ladenlokal war die örtliche Konsum-Filiale zu finden, hier sollte später der Friseursalon Magner zu finden sein. Im Hinterhof folgten die Räume der Wäscherei Rebstatt und der Blumenhändler Werner bot seine gärtnerischen Prachtstücke im folgenden Ladenlokal an. Mittlerweile war die Straße, als Folge der 1100 Jahr-Feier 1960 und in Erinnerung an die Ersterwähnung, in Altriedstraße umbenannt worden.

Neubauten
Mit dem Geschäftshaus des Tapetenhändlers Jansing zog erstmals eine moderne Architektur in die Straße ein. Die Verlängerung der Altfriedstraße wurde seit Ende der 1970er Jahre erwogen. So entstand ab Ende des Jahrzehnts eine Reihe von Wohnhäusern und ein Geschäftshaus, das zuerst den Aldi-Markt und heute die örtliche kik-Filiale beherbergt. Im ersten Stock des Gebäudes waren lange Zeit die Arztpraxen von Dr. Burckhard Gockel und Michael Kawohl angesiedelt.

Das Eckgrundstück wurde 1982/83 mit einem Wohnhaus bebaut und seither ist hier die Zahnarztpraxis Spranke zu finden. Nachdem der reguläre Bahnhofsbetrieb eingestellt worden war, wurde das stattliche Bahnhofsgebäude von einer Investorengruppe übernommen und seit 1989 zu einer angesehenen Adresse für Feinschmecker umgebaut. Mit dem Abriss des eher provisorischen Flachbaus der Wirtschaft „Haus Wibbecke“ wurde der Weg frei gemacht für eine ansprechende Neubebauung am Beginn dieser traditionsreichen Straße. Mittlerweile beherbergt dort seit 2018 ein moderner Neubau die Kunstgalerie-Oecking und komfortable Wohnräume.

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