Huckarde im Wandel der Zeit – von Dr. Günter Spranke: Ein Haus in neuem Glanz

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Das heutige Pfarrhaus in adventlicher Beleuchtung. (Fotos: privat)

Wenn wir in unseren Tagen an Nutztiere in Zusammenhang mit dem Umfeld der St. Urbanus-Kirche denken, fallen uns bestenfalls Ochs und Esel der hölzernen Weihnachtskrippe ein. In den frühen Jahren des Pfarrhauses an der Marienstraße war das anders.

Nachdem die Kirchengemeinde kurz nach 1710 das, bis heute genutzte, Grundstück vom Landwirt Schilling eingetauscht hatte, errichtete man dort ein bescheidenes Pfarrhaus und freute sich über die stattliche Größe des Grundstücks, die es dem Pfarrer ermöglichte, hier Landwirtschaft zu betreiben. Und der damalige Pfarrer Johann Mocken wollte offensichtlich im Gegensatz zu seinen Vorgängern die eigene Versorgung mit Lebensmitteln in eigener Regie regeln. Das kleinere, nördlich der Kirche gelegene Grundstück des vormaligen Pfarrhauses an der Ecke des schmalen Weges zwischen Marienstraße und Huckarder Straße bot dazu zu wenig Platz.

Im Osten geht die Sonne auf
So entstand im Jahr 1715 nicht nur ein neues Pfarrhaus, das große Grundstück im Osten der Kirche bot von da an auch die Gelegenheit, einen regelrechten Hofraum, einen Gemüsegarten und einen Weidekamp zum Halten von zwei Kühen anzulegen. Man war eben Selbstversorger in diesen Tagen, auch als Pfarrer. Obwohl das Gebäude wiederholt saniert wurde – erhaltene Unterlagen aus dem Jahr 1766 etwa künden davon, dass Pastorat und Pastoratsscheune repariert wurden – nagte der Zahn der Zeit am Anwesen des Pastors. Im Jahr 1842 entschied sich Pastor Johannes Fleischhauer für den Neubau eines Pfarrhauses, dem jedoch kein langzeitiger Bestand beschieden war.

Das heutige Pfarrhaus
Gerade einmal 50 Jahre später ließ der damalige Huckarder Pfarrer Hermann Bathe im Jahr 1892 das heutige Pfarrhaus errichten, quasi als Vorbote des geplanten Anbaus eines größeren Gotteshauses an die mittelalterliche Pfarrkirche (1897-99). Das massive zweigeschossige Haus aus Backsteinen, teilweise verschiefert und von einem ausgebauten Satteldach bedeckt, ruht auf einem hohen Sockel. Diese Bauart bedingt eine Freitreppe, die zur von einem Windfang geschützten Eingangstür führt. Renovierungsarbeiten seit dem Jahr 2017 orientierten sich an den für die Gebäudesanierung geltenden Auflagen des Denkmalschutzes, es entstand somit nicht der gewünschte barrierefreie Zugang zum Gebäude.

In der Adventszeit wird das historische Gebäude im Rahmen der Adventsfensteraktion der Evangelischen Miriam Gemeinde am 5. Dezember, 18 Uhr, wieder eine Station sein. In besonderer Beleuchtung werden adventliche Texte auf Weihnachten vorbereiten.

Der Natur und Schöpfung etwas zurückgeben
Ein aktuelles Konzept zur erweiterten Nutzung des großflächigen Pfarrgartens wird sogar wieder an die einstige Funktion der Gewinnung von Nahrungsmitteln anknüpfen. Obstbäume, Beerensträucher und Hochbeete sollen die Fläche in Form eines „essbaren Waldes“ für die Gemeindemitglieder nutzbar machen. Schulen oder Kindergärten könnten kleinflächige Areale bewirtschaften. Vorarbeiten haben die Pfadfinder durch die Auslichtung des Unterholzes und Gestrüpps schon geleistet, in Zusammenarbeit mit den „Urbanisten“, einem gemeinnützigen Verein für Stadtentwicklung, wird die Entwicklung des auf 3000 qm Fläche entstehenden Renaturierungsprojektes planerisch begleitet. Messungen zur CO 2-Speicherung und klimarelevante Daten zur Verbesserung des Ortsklimas werden im Rahmen eines von der Europäischen Kommission geförderten Forschungsprojektes (proGlreg) erhoben.

Die für das Gemeindefest benötigten Flächen werden in dem großflächigen Garten nicht beschnitten

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