Huckarde im Wandel der Zeit – von Dr. Günter Spranke: Die Huckarder Ziegelei

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Von der Straßenseite waren die Ziegelei-Gebäude gut zu sehen. (Foto: Privat)

Altes Siedlungsgebiet
Wenn man nach den ältesten Spuren der Besiedlung Huckardes fragt, so werden frühe Funde aus der jüngeren Bronzezeit und der Zeit um 100 n. Chr. genannt. Letztere Fundstücke fand man im Jahr 1928 an der heutigen Straße Hauptfeld und wir wollen uns die näheren Umstände dieses Fundes einmal vor Augen führen.

Die Ziegelei
Mit der wachsenden Zeche und dem rapide wachsenden Ort Huckarde wurde gegen Ende des 19. Jhd. die Beschaffung von Baumaterial dringlicher. Der Holzeinschlag aus den hiesigen Wäldern reichte nicht mehr zum Bau der Wohnhäuser und auch die Industrieanlagen konnten nicht länger aus Holz errichtet werden. Die verbliebenen Holzreserven gingen für den immensen Bedarf an Stützhölzern und Stempeln zum Untertageausbau der Flöze und Stollen drauf.

Im Jahr 1899 wurde nördlich der Bahnstrecke, im Gebiet der heutigen Straße Hauptfeld gelegen, die „Huckarder Ringofenziegelei GmbH“ gegründet. Diese Lehmziegelei nutzte den vor Ort abgebauten etwas sandhaltigen Lehm, der zur Steigerung der Druckfestigkeit der zu brennenden Ziegel mit Schlackensand von der „Hütten-Union“ vermischt wurde. Wie in vielen der 75 Ziegeleien, die um das Jahr 1900 im Großraum Dortmund betrieben wurden, konnte zur Herstellung der Ziegelsteine auf traditionelle Verfahren und altbekannte Materialquellen zurückgegriffen werden.

In den Huckarder „Lehmkuhlen“ wurde schon seit Jahrhunderten Lehm zur Anreicherung der Ackerböden gewonnen, auch die ersten Feldbrandziegeleien fanden dort ihren Rohstoff. Betrieben wurde die Produktion zuerst als Handstrichziegelei, in der auch die vielen Ziegelsteine entstanden, die zum Aufbau des schnell wachsenden Bergbauunternehmens „Hansa“ benötigt wurden.

Der Huckarder Bauunternehmer Sternemann wurde Direktor der Ziegelei und begann sofort mehrere Gebäude im Ort zu entwerfen. Mehrere hölzerne Schuppen beherbergten damals die Mischer, Strangpressen und Schneidetische, die zur Produktion notwendig waren oder dienten als Trockenschuppen und zur Bevorratung des Brennmaterials. Von den markanten in Ziegelbauweise errichteten Industriegebäuden dieser Tage ist bis heute die „Alte Schmiede“ zu sehen, die zwischen 1903 und 1905 im Stil der Backstein-Gotik erbaut worden war.

Um den Bedarf an Ziegeln zu befriedigen, mussten für die Produktion von ca. 16.000 Ziegeln 50 m³ Lehm gestochen werden. Bei einem üblichen Format von 25x12x6,5 cm ergaben 400 Ziegel 1m³ Mauerwerk. Bis zum Jahr 1914 wurden haufenweise Ziegel produziert, dann wurden zur Unterbrechung der Produktion wegen des Ersten Weltkrieges die zum Rohstofftransport genutzten Loren stillgelegt. Der Betrieb wurde im Jahr 1923 von der Gelsenkirchener Bergwerks AG übernommen und um ein Maschinenhaus und einen elektrischen Schrägaufzug erweitert. Damit ging man 1924 zu einer maschinellen Fertigung über und es gelang jährlich bis zu 3 Millionen Steine zu erzeugen.

Wurden im Jahr 1927 noch 16 Arbeiter in der Ziegelherstellung beschäftigt, so machte die beginnende Weltwirtschaftskrise im Jahr darauf nur noch einen sporadischen Betrieb möglich. Die Arbeiter konnten nun etwas genauer hinschauen und es verwundert nicht, dass 1928 in den Wänden der Lehmgrube Reste von Holzkohle und zwei Gefäße sowie Scherben entdeckt wurden. Man hatte Relikte aus der Zeit um Chr. Geburt entdeckt, die ältesten Siedlungsspuren, die jemals in Huckarde ans Licht kamen.

Im Jahr 1928 hatte man sich seitens der Verantwortlichen der Zeche Hansa auch entschlossen, der ev. Kirchengemeinde 120 000 Ziegelsteine zu schenken, um damit ein neues Gemeindehaus in der Nähe der ev. Kirche zu bauen. Dann wurde seit Ende der 1920er Jahre die Ziegelei ausgelastet, denn die Bauten der neu zu errichtenden „Kokerei Hansa“ waren vornehmlich Ziegelbauten, wie man heute noch auf der denkmalgeschützten Anlage sehen kann.

Der Wiederaufbau prägte die Nachkriegsjahre
Auf der Huckarder Ziegelei hatte die kleine Feldbahn schwer zu ackern, um die nötigen Steine zu transportieren, die zum Bau der Eingangs- und Verwaltungsgebäude der Zeche Hansa im sachlich strengen Architekturstil der Epoche erforderlich waren. Auf diese Weise wurde die Ziegelei bis 1958 betrieben, dann wurden bis 1961 nur noch sporadisch kleine Mengen privat produziert. Bis 1965 wurden die baulichen Reste der Ziegelei abgerissen. Die Lehmgrube, aus der bis dahin das Material für die 160 000 Steine je Brennvorgang gewonnen worden war, sollte anschließend verfüllt werden, um so Bauplätze für den Bau von Eigenheimen zu schaffen.

Seit den 1970er Jahren entstanden auf der Fläche mehr und mehr private Anwesen und mit der Gustav-Heinemann-Gesamtschule, der Zweigstelle der Stadtbücherei und dem Begegnungszentrum auch öffentliche Gebäude.