Freunde seit über 30 Jahren – Deutsch-ungarisches Austauschprojekt am RSG

0
181
Dominika Waldeck und Nora Csathone Zagoni (2. u. 3. Reihe, ganz links) durften zufrieden feststellen, dass ihr Projekt auch nach mehr als 30 Jahren immer noch bestens „funktioniert“. (Fotos; IN-StadtMagazine)

Deutsche und Ungarn standen sich schon einmal näher als momentan, aber mit den nötigen Portionen Unvoreingenommenheit und gutem Willen scheinen Freundschaften auch die aktuellen turbulenteren Zeiten gut zu überstehen.

Am Reinoldus- und Schiller-Gymnasium (RSG) zumindest wird jährlich unter Beweis gestellt, was auf diese Weise alles möglich ist. Und schließlich liegen die Wurzeln der Freundschaft zum Gymnasium „Szechenyi Istvan“ aus Dunaujvaros in politisch eher noch schwierigeren Tagen.

Vor bereits 33 Jahren nämlich lernten sich Chöre der beiden Schulen, dem eisernen Vorhang zum Trotz, bei einem Musikfestival in Belgien kennen. Als man sich dann 1987 hierzulande um ungarische Partnerschulen bemühte, erinnerten sich die Ungarn an ihre Freunde aus dem Ruhrgebiet und leiteten die Verbindung erfolgreich in die Wege.

Seither begegnen sich Jugendliche aus beiden Ländern regelmäßig zweimal jährlich: Einmal in Dortmund und einmal an der Donau. Mit bis zu 50 Teilnehmern und im Doppeldeckerbus trafen die Gäste zur Hochzeit des Austauschprojektes in Dorstfeld ein, wie Dominika Waldeck zu berichten weiß. Dass die Lehrerin auf Dortmunder Seite die Besuchsprogramme koordiniert, ist kein Zufall – saß sie doch selbst 1991 schon als Schülerin im Bus nach Ungarn und hängt seither mit dem Herzen an diesem Projekt.

Etwas kleiner sind die eintreffenden Besuchsgruppen im Laufe der letzten Jahre wieder geworden, doch auch Mitte Mai dieses Jahres durften am RSG erneut 22 Gäste in Empfang genommen werden.

Auf deren Programm stand ein bunter Mix vom Besuch der Kokerei Hansa und des „Superfly“ in Oespel über einen gemeinsamen Ruderausflug bis zur kleinen Shopping-Tour durch die City.

Beim Grillabend am Dorstfelder Gymnasium lachte die Sonne, und die Jugendlichen beider Nationen hatten Zeit zum Kennenlernen und entspannten Plaudern. Immer noch begeistert von der ungarischen Gastfreundschaft im letzten Herbst waren die beiden Schwestern Elsa (16) und Alma (12), auf deren Seite völlige Einigkeit herrschte, man wolle im kommenden Jahr wieder in den Bus Richtung Donau einsteigen. An den Bierzeltgarnituren im Schul-Innenhof jedenfalls ging weder ihnen noch ihren Gästen der Gesprächsstoff aus, und die angenehme Atmosphäre bewies, dass hier tatsächlich einige Freundschaften entstanden waren. Die 16-jährige Dora aus Dunaujvaros stellte den Gastgebern gar ein geradezu euphorisches Zeugnis aus: „Ich dachte, alles würde fantastisch – und so wurde es dann auch“, fasste sie begeistert ihre Eindrücke zusammen.

Zurückkehren werde sie auf jeden Fall, wie auch einige der „Stammgäste“, die 2019 schon zum bis zu sechsten Mal in Dorstfeld eintrafen. „Getoppt“ allerdings werden sie alle durch Lehrerin Nora Csathone Zagoni, die ihre Schützlinge bereits seit den 1990er-Jahren nach Dortmund begleitet. „Bei den Dortmunder Stadtführungen denke ich mittlerweile immer häufiger, dass ich zu den jeweiligen Orten doch noch viel mehr sagen könnte“, berichtet sie lachend. „Manchmal ergänze ich dann halt die Übersetzung.“ Und so sehr dieses Projekt davon lebt, dass die „große Politik“ außen vor bleibt: Die neuen Eindrücke, welche ihre Schüler hier im Laufe ihres Besuchs aufnähmen, könnten sicherlich Impulse setzen. Nicht zuletzt etwa beim Gespräch mit Kindern aus Migrationsfamilien oder dem Besuch der internationalen Klasse.

Auch hier ist Völkerverständigung also offenbar in der Lage, Horizonte zu erweitern. Schön, dass sie in Dorstfeld diese Tradition allem Zeitgeist zum Trotz auch nach über dreißig Jahren immer noch pflegen.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
500