Ein Dachziegel erzählt aus alter Zeit

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Dirk Falkenrich (r.) übergibt die Dachpfanne an Dr. Günter Spranke (M.) und Dieter Eichmann. (Foto: privat)

Dem Historischen Verein Huckarde e. V. wurde ein interessanter Beleg aus der langen Geschichte des Ortes überlassen. Dieser erinnert an die Feuersbrunst vom 7. März 1825, die den historischen Regenbogenhof zerstörte und in der Folge Huckardes erstes aus Backsteinen errichtetes Gebäude entstehen ließ.

Der Aufmerksamkeit des Huckarder Markthändlers Wilhelm-Ferdinand Falkenrich und seinem Interesse an der Bewahrung besonderer Zeitdokumente und Relikte ist es zu verdanken, dass dieser Dachziegel aus dem Jahr 1826 bis in unsere Tage überdauert hat. Sein Vater hatte das besondere Stück im Zweiten Weltkrieg bei Aufräumarbeiten nach einer Bombennacht gefunden, im Dachziegelschutt des Regenbogenhofes. Im Unterschied zum Jahr 1825 war dabei der stolze Hof nicht gänzlich untergegangen, das alte Ziegeldach war jedoch in Mitleidenschaft gezogen und dessen pikantes Geheimnis offenbart worden.

„O trauriger Anblick!“ hieß es in der in einen Balken eingeschnitzten Inschrift über dem Eingang des Gutshauses. Neun Gebäude und viele Gerätschaften waren im Schadfeuer geblieben. Vor fast 200 Jahren mussten extra Ziegelbrenner aus dem fernen Lüttich anreisen, um vor Ort 300.000 Ziegel zu brennen und ein massives und vermeintlich brandsicheres Wohnhaus für den Grundherrn Theodor Heinrich Regenbogen, seine Ehefrau Catharina und deren Familie zu erstellen.

Die Tatsache, dass die Ziegel vor Ort in Form gebracht wurden und dann in einem eigens errichteten Brennofen erhärteten, hatte wohl Auswirkungen. Einer der in der Ziegelherstellung beschäftigten Brenner hatte wohl das Verlangen, dem damaligen Bauherrn eine Botschaft, versteckt unter den Dachpfannen, zu hinterlassen. Mit dem pikanten Vers „Hasen jagen ohne Hunde, sechsmal vögeln in der Stunden, wer das nicht kann, der darf nicht schwitzen, ohn´ Jungfrau am Ofen sitzen. 1826“ hat er damit für die Nachwelt seine Gedanken in den feuchten Lehm geritzt. Ein Zeitdokument, das an den Wechsel von der Fachwerkbauweise zur Verwendung von steinernen Baumaterialien erinnert.

Um dieses zu erhalten, wendeten sich Dieter Eichmann und Dr. Günter Spranke vom Vorstand des Historischen Vereins Huckarde an die Nachkommen des kürzlich verstorbenen Huckarders und erhielten nun bei einem Treffen mit Dirk Falkenrich den Dachziegel. Es ist ein gutes Beispiel für das Übertragen von Kulturgut in die Obhut von Heimatvereinen und damit für den Erhalt dieser Erinnerungsstücke von allgemeinem Interesse.

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