„Wer Max und wer Moritz ist“ – Literarischer Spaziergang mit Texten von und über Wilhelm Busch

0
134
Markus Veith ist Schauspieler und Autor. (Foto: IN-StadtMagazine)

„Lauscht nur! Hier halten die Blumen und Pflänzchen auf dem Gartenbeet ihr Mittagskränzchen.“ Doch so unbeachtet sich die Gewächse zu wähnen scheinen, so aufmerksam verfolgt das Publikum ihren „Blumentratsch“, wie Dr. Thomas Eicher von Melange e. V. diese Szene nennt. Und sie ist nur eine Station auf dem von dem Verein veranstalteten Spaziergang „Kein Röslein ohne Läuschen. Wilhelm Busch im Park“ mit Textkompositionen von und über das Werk von Wilhelm Busch, den Schauspieler Markus Veith lebendig inszeniert.

Dabei geht es nicht um die gänzlich textgetreue Wiedergabe von Buschs Versen. „Wenn man knallhart nach Versmaß geht, wird’s im Theater eher langweilig“, findet Veith. Deshalb unterwirft er sich den Texten nicht, sondern gibt sich in sie hinein und erweckt sie so zum Leben – in einer durch und durch lebendigen Umgebung. Flora und Fauna des Botanischen Gartens werden Teil seiner Inszenierung. „Mit wenig Requisiten“, übrigens zum Teil von Dr. Eicher und Veith selbst gebaut, „werden dann Szenen gebastelt am Wegesrand“, erzählt Dr. Eicher.

Auf diese Weise kann das Publikum „Blicke in die Werke“ Buschs erhaschen und gleichzeitig die Seiten des Parks entdecken, „die sie eben nicht so kennen“. „Auf dem Weg gibt’s dann ein paar Gedichte“ – über „Bienen, die Hochzeit feiern“, einen Maulwurf, der eben nicht erschlagen wird, und von zwei Jungen, die uns allen wohlbekannt sind. Hocherfreut berichtet Veith von Proben im Park, bei denen das zufällige Publikum seinen Satz „Ach, was muss man oft von bösen“ kurzerhand ergänzte: „Kindern hören oder lesen“.

In einem eigenen Text setzt Veith sich außerdem auf einer Reflexionsebene mit Max und Moritz auseinander: „Mich würd’ interessieren, ob ihr eigentlich wisst, wer Max und wer Moritz ist.“ Denn ja, wir haben es mit zwei Kindern zu tun. Aber sind die Brüder oder Freunde? Und müsste man sie nicht eigentlich juristisch belangen, wegen „Diebstahl, Körperverletzung und so weiter“? Veith freut sich darauf, das und anderes mit seinem Publikum zu verhandeln, „mit den Leuten zu plaudern“, immer jedoch in seiner Rolle als Wilhelm Busch.

„Sie glauben gar nicht, wie gut uns das tut“, bedankte sich bereits sein Probenpublikum bei Veith. Denn Kunst und Kultur sind in den letzten Monaten mehr als zu kurz gekommen. Doch „wo, wenn nicht hier“, an der frischen Luft im Park, unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen, können sich die Menschen „trauen, ins Theater zu gehen“? Eineinhalb Stunden den Botanischen Garten erforschen und sich an Busch erinnern können sich die Teilnehmenden auch auf an den Stationen von der Stadt Dortmund zur Verfügung gestellten Sitzgelegenheiten.

Doch wer mitgehen möchte, sollte sich ranhalten. Schließlich eignet sich ein Spaziergang zu Corona-Zeiten für maximal 20 Personen.

Der Spaziergang findet am 28.6., 12.7. und 30.8., jeweils um 11:00 und 14:00 Uhr statt.

Information und Anmeldung bei Melange e. V. unter 0231/4775981, info@melange-im-netz.de und www.melange-im-netz.de

guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments