Was unter unseren Füßen geschah – Bergbau in Hombruch

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Arbeiten in einer Kleinzeche. (Foto: Archiv Heinz-Ludwig Bücking)

„Dass Sie hier auf ein Zechengelände schauen, das haben Sie sicher nicht gemerkt?“, fragt Heinz-Ludwig Bücking vom Förderverein Bergbauhistorischer Stätten, als er mich auf dem Parkplatz an der U-Bahn-Haltestelle Grotenbachstraße mit dem Auto einsammelt. In der Tat, das habe ich nicht gemerkt. In den folgenden zwei Stunden aber erfahre ich so einiges über das Reich unter der Erde, auf der ich mich alltäglich durch Hombruch bewege. „Hombruch war um 1900 mit Sicherheit kein Luftkurort“, sagt Bücking.

Nur ein kleines Stück die Grotenbachstraße hinauf Richtung Nordosten passieren wir „Haus Puschnik“. Im Haus mit den Rosenranken gegenüber wohnte der Chef der Zeche, sehr zum Leidwesen der Bergmänner, wie mir Bücking erzählt: „Wenn ein Kumpel samstagabends aus der Kneipe wankte, konnte es sein, dass er es wusste.“

Dann fahren wir eine Weile, am Naturfreibad Froschloch vorbei und auf der Löttringhauser Straße Richtung Süden. An einem Weg rechter Hand hält Bücking an und weist auf das Feld. Vage kann ich einen eingezäunten Bereich erkennen, den nördlichsten Punkt der Zeche Gottessegen, wie ich erfahre. „Wenn Sie jetzt hier irgendwo graben, haben Sie Kohle“, verrät Bücking.

Die Kleinzechen und der Schacht „Auf dem Blick“
Noch ein gutes Stück weiter oben, an „Toni’s Ristorante“, übrigens ebenfalls eine ehemalige Bergmannskneipe, damals unter dem Namen „Wittich auf dem Blick“, biegt Bücking auf die Max-Brandes-Straße ab und hält bald – im Nichts. Doch nachdem wir uns ins Gebüsch geschlagen haben und am Geländer zur Bahnstrecke stehen, zeigt er mir, worum es ihm geht. Auf der gegenüberliegenden Seite der Schienen steht ein gewöhnliches Wohnhaus, so scheint es mir. Aber das, was ich da sehe, ist, wie ich erfahre, das Fördermaschinengebäude des Schachtes „Auf dem Blick“. Mit einer Kleinzeche in der Nähe wurde die Bahnstrecke unterbaut, was die Bahn nicht gerade erfreute. Doch Anwendung fand Anfang der fünfziger Jahre ein Totschlagargument: Die Menschen frieren und brauchen Kohlen.

Ohnehin waren die Kleinzechen nicht auf eine lange Lebensdauer ausgelegt. Wegen der enormen Nachfrage nach Kohle erkannten einige Unternehmer ihre Chance auf schnellen Gewinn. Dort, wo sie fast unmittelbar unter der Oberfläche Flöze fanden, machten sie sie sich zunutze. Nur einige Monate oder auch mal wenige Jahre holten die Männer in Handarbeit heraus, was herauszuholen war – und das überall in der Gegend. Das Gelände entlang der Blickstraße wurde rechts und links mit Schächten geradezu durchlöchert.

An der Hellerstraße zeigt Bücking mir ein noch erhaltenes Gebäude einer Kleinzeche, damals betrieben von Erwin Schmidt und heute als Garage genutzt, sofern ich das von der Straße aus beurteilen kann. Laut Bücking war Schmidt dem Oberbergamt Dortmund ein echter Dorn im Auge, hatte er doch so seine eigenen Methoden, Genehmigungen für seine Abbauaktivitäten zu erwirken. Der damalige Leiter des Amtes soll sogar im Rahmen der Auseinandersetzung mit Schmidt einen Waffenschein beantragt haben.

Die Zeche Gottessegen und die A45
Die Hellerstraße entlang fahren wir nun ins Zentrum der Zeche Gottessegen an der Hagener Straße. Auf Höhe der Hausnummer 430, einem der beiden ehemaligen Direktorenhäuser, wird auf einem Gelände auf der gegenüberliegenenden Straßenseite gearbeitet. Bis 1963 war die Zeche hier aktiv. In der Zwischenzeit haben sich die Sicherheitsbestimmungen gewandelt und bevor hier der geplante Supermarkt errichtet werden kann, erfolgt eine Überprüfung, ob die Verfüllung der Schächte dem heutigen Standard entspricht.

Nun fahren wir die Hagener Straße entlang Richtung Süden. Kurz hinter der A45-Brücke hält Bücking an und wir steigen aus. Hier war ein Hauptabbaugebiet der Zeche Gottessegen. Auf einer Breite von etwa 200 Metern ziehen sich drei Flöze von Südwesten nach Nordosten unter der Hagener Straße und der A45 entlang. Erst vor acht Jahren bekamen PendlerInnen zwischen Dortmund und Witten genau das schmerzlich zu spüren „Plötzlich klafft mitten auf der Autobahn ein Loch“, schrieb Christian Schwerdtfeger am 18. Januar 2012 in der Rheinischen Post. Alte Abbaue unterhalb der Fahrbahn waren eingestürzt. Nun hätte man das Loch verfüllen und die Autobahn wieder freigeben können. Doch das hätte auch der Gießereiingenieur Bücking für fahrlässig gehalten. Er unterstützt die Sperrung über einen längeren Zeitraum, für die man sich damals entschied: „Diese Arbeiten, die die hier gemacht haben, waren absolut richtig.“

Schließlich ist die A45 eine stark befahrene Straße und der Hombrucher Süden ein Schweizer Käse.

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