Kunst als Erinnerung an das alte Hombruch

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Bezirksbürgermeister Hans Semmler (l.) sagte Hans Wilhelm Tibbe vom Hombrucher Geschichtsverein (r.) und Hubert Serwe, dem Sohn des Künstlers Paul Serwe (Mitte) seine Unterstützung zu. (Fotos: IN-StadtMagazine)

Ausstellung des Hombrucher Geschichtsvereins mit Kunst von Paul Serwe

„Meine vielen Bilder, was macht man damit, wenn ich nicht mehr da bin?“, hatte Paul Serwe Bezirksbürgermeister Hans Semmler vor seinem Tod gefragt. Nun hat der Hombrucher Geschichtsverein eine Antwort darauf gefunden. So fand am zweiten Oktoberwochenende eine Ausstellung mit Serwes Bleistiftzeichnungen im Südwest-Forum an der Evangelischen Kirche am Hombrucher Marktplatz statt. Doch dabei bleibt es nicht.

Als Serwes Sohn Hubert Anfang des Jahres den Telefonhörer zückte und Hans Wilhelm Tibbe vom Hombrucher Geschichtsverein anrief, „weil ich irgendwo gedacht habe, das ist mit Sicherheit der richtige Ansprechpartner“, um die Bilder seines Vaters vor dem Vergessen zu retten, hatte er keine konkreten Pläne im Hinterkopf. Lediglich das „Geschmäckle“ wollte er vermeiden, das es seiner Ansicht nach gehabt hätte, wenn er selbst als Sohn des Künstlers an die Öffentlichkeit gegangen wäre. Er fand einfach: „Das ist eine tolle Serie“.

Laut Hubert Serwe bekam Tibbe „glänzende Augen“, als er die Bilder zu Gesicht bekam, und was der Vorsitzende des Hombrucher Geschichtsvereins daraufhin auf die Beine stellte, hätte sich Hubert Serwe „nie träumen lassen“. Zunächst bezog sich dieser bei seinem Bericht lediglich auf die Ausstellung und den Kalender, den Tibbe entworfen hatte und der seit Ende Oktober in der Mayerschen Buchhandlung käuflich erworben werden kann. Doch Tibbe plant noch mehr und „die Idee wird durchgezogen, so wahr ich hier stehe“, sagte er im Rahmen der Ausstellungseröffnung.

Denn Paul Serwes Bilder sind nicht „nur“ Kunst, für Herrn Tibbe sind sie „Erinnerungen“. Detailgetreu, in manchen Fällen „so gut, dass eine Fotografie es nicht besser hätte machen können“, zeigen die Zeichnungen Gebäude im Stadtbezirk Hombruch. So ist die Zeche Glückauf Tiefbau in Paul Serwes Kunst noch lebendig und auf dem Grundstück des heutigen KiK-Kaufhauses an der Harkortstraße stand zu Serwes Zeiten noch die alte Tankstelle. Auch das Alte Amtshaus und die Evangelische Kirche am Markt zeigt Paul Serwe uns aus der Perspektive seiner Zeit.

Diese historische Qualität möchte Tibbe nicht in der Versenkung verschwinden lassen. Vielmehr plant er einen virtuellen Rundgang zu den einzelnen Stätten, die Paul Serwe in seiner Kunst festgehalten hat. Vor Ort soll ein Hombrucher Zeitzeuge von den Gebäuden erzählen, die das Stadtbild seines Lebens prägten. Audiovisuell will Tibbe diesen Rundgang online zur Verfügung stellen.

In einem weiteren Schritt ist geplant, Informationstafeln mit einem Abdruck des entsprechenden Bildes von Paul Serwe an den einzelnen Standorten zu installieren. Ein Flyer soll interessierte Bürger*innen im Rahmen eines Spaziergangs von Tafel zu Tafel führen. Dass dies natürlich ohne entsprechende Mittel nicht möglich ist, ist auch Semmler klar. Und da er selbst den Wert der historischen Arbeit erkennt, erklärte er sich bereit, sich nach Kräften für die notwendigen Fördergelder einzusetzen.

Doch die Ausstellung beeindruckte noch jemanden: die Hombrucher Bürgerin Rieka Wiegel, die sich kurzerhand entschied, dem Hombrucher Geschichtsverein beizutreten. Dass sie damit das 100. Mitglied sein würde, wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Um sich bei ihr zu bedanken, überreichten ihr Tibbe, Irmhild Tibbe als 2. Vorsitzende des Vereins und Schatzmeister Friedhelm Schwarzkopf an einem goldenen Oktobertag eine Urkunde und einen großen Blumenstrauß.

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