„Ihr müsst nicht lieb sein“ – Selbstbehauptungskurs für Mädchen beim TuS Barop

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Wer nicht lieb sein muss, darf auch böse gucken! (Fotos: IN-StadtMagazine)

„Ihr müsst nicht lieb sein, ihr müsst nicht nett sein, ihr müsst nicht reden, ihr könnt auch einfach mal verrückt sein.“ Was Bianka Knorr ihren sechs- bis elfjährigen Schülerinnen mit diesem Satz sagt, ist, dass sie selbstbewusst durch das Leben gehen und im Zweifel ihren Standpunkt verteidigen sollen, indem sie Verwirrung stiften. Schreiend rennt ein Mädchen nach dem anderen durch die spalierstehende Gruppe der anderen, die als psychologisches Hindernis ihre Arme vor sich ausgestreckt halten. Jede freut sich auf ihren Auftritt, reckt aufgeregt den Arm in die Höhe als Zeichen: „Ich will die Nächste sein!“

Mit dem Kurs über zwei Wochenenden im April möchte Bianka Knorr die Mädchen „stärken gar nicht erst in eine Opferrolle hineinzugeraten“ und ihnen Selbstwertgefühl vermitteln. Konsequenterweise fragt sie „Darf ich?“, als sie mit einem der Mädchen eine Situation nachstellt, in der das Kind gegen seinen Willen umarmt wird. Bei der physischen Selbstverteidigung sind die Kinder jedoch noch sehr gehemmt, weshalb Knorr Anschlussaktivitäten im Bereich der Selbstverteidigung empfiehlt, auch wenn sie weiß, dass dies in der verplanten Woche vieler Kinder kaum noch möglich ist.

Sie selbst trat nach Abschluss des ersten Selbstverteidigungskurses, den sie besuchte, in einen Frauenkarateverein ein. Als sie von einer Fortbildungsmöglichkeit des Landessportbundes zum Thema Selbstverteidigung für Frauen erfuhr, meldete sie sich kurzerhand an und absolvierte diese sowie eine weitere Fortbildung, die sich auf Kinder im Grundschulalter konzentrierte. In diesen Zusammenhängen lernte sie, warum Selbstverteidigungskurse sich vor allem an ein weibliches Publikum richten. So gingen Frauen deutlich offener mit ihren Ängsten um als Männer, die ihre Sorgen eher mit sich selbst verhandelten, so Knorr. Trotzdem hofft sie, „dass sich auch mal jemand bereit erklärt, das für Jungen anzubieten“. Ihr selbst bereite es schlicht besondere Freude, Mädchen Selbststärkung und Zivilcourage zu vermitteln.

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