Eine Novelle über Schach

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Die Hombrucherin Christiane Köhne vor einer ihrer Fotografien, die momentan in der Stadtteilbibliothek Hörde ausgestellt werden. (Foto: IN-StadtMagazine)

Was sie am Schach interessiert? Eigentlich weiß die auf dem Schnee lebende Christiane Köhne das selbst nicht so genau. Aber was sie mit dem Schachbrett macht, lässt die Gedanken daher gehen, wo sie noch nie gewesen sind. Ihre aktuelle Ausstellung in der Stadtteilbibliothek Hörde zeigt Fotografien mit den schwarz-weißen Figuren im Zentrum.

Wir stehen vor dem Mahnmal in der Bittermark. Das Relief lässt den Winter noch kälter erscheinen. Und vor dem Relief steht ein Tisch mit zwei Stühlen. Auf dem Tisch ein Schachbrett. Die Kerzen der Menora daneben brennen noch. Dahinter Gesichter aus Stein. Köhne lässt uns so stehen und sagt nichts weiter.

Doch nur zwei, drei Schritte müssen wir gehen, um von der Geschichte in die Zukunft zu gelangen. Schachspielende Roboter werden spöttisch von ihren Kollegen beäugt – wurden sie doch zum Fußballspielen programmiert. Als Köhne von den NaoDevils las, die für die TU bereits Erfolge beim RoboCup feierten, rief sie einfach bei der Uni an und sagte den Satz, den sie immer als erstes sagt: „Schönen guten Tach, ich hab’ da mal `ne Frage.“ Tatsächlich lud die Uni sie ein und holte sogar zwei Programmierer ins Boot, die aus den Fußball-Robotern Schach-Roboter machten. Dann arrangierte Köhne die Roboter und fotografierte sie. Das Ergebnis ist skurril.

Aber um die fotografischen Ergebnissen geht es Köhne eigentlich nur in zweiter Linie. Auch stellt sie keinen professionellen Anspruch an ihre Fotografietechnik: „Das sind ganz normale Bilder, das sind meine.“ Vielmehr geht es ihr um den Prozess, um die Arbeit – und um den Spaß dabei. Sechs Mal stellte sie im Rahmen des Sparkassen Chess Meetings als „schmückendes Beiwerk“ ihre Schachfotografien im Orchesterzentrum aus und eines davon wurde ein Großprojekt. Mit Schauspielern und Kostümen setzte sie in 16 Fotografien Stefan Zweigs „Schachnovelle“ in Szene, sodass die BetrachterInnen am Ende nur anhand der Bilder „die Geschichte lesen“ konnten.

Eigentlich aber kommt Köhne aus der Pädagogik. Mehrere Jahre führte sie eine Praxis für Psychotherapie in Löttringhausen, die sich vorrangig an hochbegabte Kinder richtete. Mittlerweile leitet sie Präventionsschulungen zum Thema Missbrauch und arbeitet als Lehrbeauftragte für Systemtheorie, d. h. die Systematik des Lernens, an der Fachhochschule Dortmund. In diesem Rahmen publizierte sie im August mit Ralf Schreiber und Silvia Mahle das Buch „Bewegte Intelligenz: ein schachpädagogischer Leitfaden zur Förderung der kindlichen Entwicklung“. Das Konzept, das dahintersteht, stammt von Schreiber. „Mein Kapitel ist Entspannung“, sagt Köhne. Doch von Schreibers Ansatz ist sie überzeugt. „Das sind gemachte Kinder“, die aus den schachpädagogischen Kitas in die Schule wechseln.

Christiane Köhnes Ausstellung ist noch bis zum Ende der Weihnachtsferien in der Stadtteilbibliothek Hörde zu sehen.

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