Eine gesellschaftskritische Wundertüte – Zwölftklässler*innen der Georgschule präsentierten ihre Abschlussarbeiten

0
292
Für ihre Abschlussarbeiten hatten sich die Schüler*innen für sehr unterschiedliche Werkstücke entschieden. (Fotos: IN-StadtMagazine)

Schwarze Mosaiksteinchen kündigen zu einem Schriftzug kombiniert den Eingang der Georgschule an. Kein Stein gleicht in seiner Form einem anderen, aber gemeinsam ergänzen sich die einzelnen Elemente. Der orange-rote Mosaikgrund sorgt für den notwendigen Kontrast und verleiht dem Gesamtbild eine im Großstadtalltag ungewohnte Ästhetik.

Dieser Eindruck wiederum fügte sich am 15. Juni für Gäste der Schule in ein übergeordnetes Ganzes, als Barbara Venjakob-Menz ihre kurze Begrüßungsrede hielt. An diesem Sommersamstag nämlich würden die Schüler*innen der zwölften Klasse ihre Abschlussarbeiten präsentieren, die unterschiedlicher kaum hätten wirken können. Worum es laut Venjakob-Menz an diesem Vormittag ging, war „die gelebte Vielfalt unserer Schule, die gelebte Individualität“ umzusetzen. Die Schüler*innen hatten sich – jeder und jede für sich persönlich – „über eine lange Zeit mit einem Thema beschäftigt, das ihnen am Herzen liegt.“ Dabei bildeten „Gemeinschaft, wechselseitige Unterstützung“ die Basis, um an diesem 15. Juni eine „Wundertüte“ auspacken zu können.

Doch so sanft sich die Außenfassade der Georgschule auch schwingt, so gesellschaftskritisch zeigten sich einige Schüler mit ihren Arbeiten. Johannes Gärtner wurde sehr konkret, als er äußerte: „Haben wir Menschen das Recht, so mit Tieren umzugehen? Ich sage nein!“ Konsequenterweise hatte er sich im Rahmen seiner Abschlussarbeit dafür entschieden, zwei Gemälde zu erstellen, die die Interaktion von Tier und Mensch zeigen. Die Rückbesinnung auf traditionelle Geschichten und die Arche Noah wählte er daher nicht zufällig.

Subtiler fiel die Kritik durch David Dornseif aus, so subtil, dass es den Zuschauenden selbst überlassen war, den Berliner Hocker, den er gleich in sechsfacher Ausführung gebaut hatte, als praktisches Möbelstück oder als Infragestellung eines gesellschaftlichen Systems zu betrachten. Denn der Berliner Hocker ist ein Stück, das unter die „Hartz IV Möbel“ fällt, die mit wenig Geld selbst zusammengebaut werden können.

Dass jeder Schüler und jede Schülerin sein oder ihr Arbeitsfeld selbst wählen durfte, zeigte der Kontrast dieser gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu der privaten Ebene, die zwei Schülerinnen in ähnlicher Weise bearbeiteten. Neben einem speziellen Hundespielzeug aus Segelleinen brachten sie den Zuschauenden ein Hundetipi nahe, ein Körbchen mit zeltartigem Überbau.

Doch nicht nur praktisch hatten die Schüler*innen ihre Aufgaben umgesetzt. Auch eine schriftliche Ausarbeitung sowie die Präsentation, der das Publikum an diesem Tag beiwohnen durfte, bildeten die Anforderungen an die Zwölftklässler*innen. Gleichzeitig mussten Prüfungen absolviert werden. „Wir als Klassenbetreuer, wir ziehen auf jeden Fall schonmal den Hut vor euch“, betonte Dajana Enke, auch stellvertretend für ihren Kollegen Joachim Müller.

Hut ab auch vor einem Konzept, das Schüler*innen in ihrer Unterschiedlichkeit diese Erfolge ermöglicht.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
500