Wir aufm Revier – Gemeinschaftliches Wohnprojekt in der alten Polizeiwache

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Die letzten Treffen fanden per Videokonferenz statt. (Foto: Wir aufm Revier)

„Dat Dingen steht irgendwie leer, da tut sich ja nix“, könnte glauben, wer regelmäßig an der alten Polizeiwache an der Alten Benninghofer Straße vorbeikommt, die den Clarenberg mit der Hörder Innenstadt verbindet. Tatsächlich ist es bereits über ein Jahr her, dass sich uns die Gruppe aus den unterschiedlichsten Menschen in den unterschiedlichsten Konstellationen vorstellte, die hier einmal gemeinsam wohnen wollen (bit.ly/3cp6diV).

Nun hat die PlanungsGbR „WIR aufm Revier“, zu der sich diese Menschen zusammengeschlossen haben, ein Update geliefert. Und seit dem Frühjahr 2019 hat sich einiges getan. So gibt es jetzt unter anderem weitere freie Wohnungen, für die noch GenossInnen und MieterInnen gesucht werden.

„Es ist total viel gearbeitet worden, ohne dass man dem Gebäude das ansieht“, sagt Rose Marie Neuhaus, zukünftige Bewohnerin und Mitglied im WIR-Projekt und in der Genossenschaft Kooperativ eG, die das Gebäude Ende 2019 gekauft hat. Alle Grundrisse der zukünftigen Wohnungen und des Gemeinschaftsraums mit großer Dachterrasse sind fertig, es gibt ein Konzept für die Hofgestaltung mit Stellplätzen für Autos, Fahrräder und einem Areal für Spielplatz und Grünflächen.

Im Laufe der Planung ergaben die Gutachten zum Gebäude, dass die erforderlichen modernen Standards an vielen Stellen ohne größeren Umbau nicht einzuhalten sind. Und mit den Anforderungen stiegen auch die Kosten. Es kam zu einer „erheblichen Verteuerung des Ganzen“, was zu einer regelrechten „Krise“ unter den zukünftigen GenossInnen führte.

Bald war auch klar, dass die bestehende Dämmung nicht ausreicht und man in Zukunft auf die Klinkerfassade würde verzichten müssen, um überhaupt den heutigen Baustandard zu erreichen, der für eine Baugenehmigung benötigt wird. „Ideen und Vorschläge, wie die neue Fassade  aussehen könnte, werden gerade von den Architekten entwickelt“, sagt Neuhaus. Aber nicht nur der Energiestandard, sondern auch der notwendige Trittschallschutz wurde aufwendiger und das hatte viele Konsequenzen. Ebenso ist die Integration von geförderten Wohnungen mit deren hohen Baustandards im Bestand eine Herausforderung: Da kann keine Türbreite erhalten bleiben.

Das von der KoOp eG beauftragte Architekturbüro post welters + partner mbB stellte die Möglichkeiten von Einsparungen mit all ihren Vor- und Nachteilen vor und die Gruppe hatte die Qual der Wahl. Letztlich ist zum Beispiel die Fußbodenheizung den Streichungen nicht zum Opfer gefallen, dafür aber der begrünte Carport. Den kann man nämlich in Eigenleistung später auch selbst erstellen.

Und es gab noch eine weitere Lösung: die Aufstockung – neu geplant ist jetzt ein 4. Obergeschoss mit zwei Penthouse-Wohnungen. „Mit mehr Wohnungen gibt es mehr Anteile und mehr Mieter, die sich an den Kauf- und Umbaukosten beteiligen“, erklärt Neuhaus. Denn alle zukünftigen Mietenden zahlen zunächst einen Genossenschaftsanteil von 600 Euro pro Quadratmeter ihrer zukünftigen Wohnung als Eigenkapital ein, um das Projekt überhaupt umsetzen zu können.

Der Blick „über ganz Hörde“ von den Dachterrassen der Penthouse-Wohnungen aus kostet allerdings zusätzlich. Mit 10,50 Euro wird die Quadratmetermiete hier 1 Euro teurer sein als in den anderen frei finanzierten und 4,30 Euro teurer als in den geförderten Wohnungen des Gebäudes. Noch sind diese Penthouse-Wohnungen mit etwa 131 bzw. 97 Quadratmetern frei – ebenso wie sechs weitere Wohnungen zwischen etwa 34 und 98 Quadratmetern. Wer sich für eine der öffentlich geförderten Wohnungen interessiert, benötigt einen Wohnberechtigungsschein.

In der jungen Genossenschafts Kooperativ eG sind die BewohnerInnen gleichzeitig MiteigentümerInnen des Hauses und dessen MieterInnen. Darum werden alle Veränderungen mit allen Konsequenzen so kleinteilig verfolgt. Man ist verantwortlich. Dafür trifft man sich regelmäßig, alle gemeinsam und auch in Kleingruppen. In den letzten Wochen setzte man die Treffen in gleichem Rhythmus fort – per Videokonferenz.

Der Bauantrag wird nun bald auf den Weg gebracht und Ende 2020 soll der Umbau beginnen, wenn alles klappt. „Mit frischem Mut und neuer Hoffnung“ blicken Neuhaus und ihre Mitstreitenden nun in die Zukunft – vor allem wohl in das Jahr 2022, wenn das Gebäude bezugsfertig sein soll.

Bei Interesse an den freien Wohnungen ist Birgit Pohlmann als Moderatorin des Wohnprojektes unter der 0231/5865080 oder per E-Mail an info@birgit-pohlmann-wohnprojekte.de erreichbar.

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