Weltreise ab Hörder Neumarkt – ein Kurztrip nach Polen

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Gemeinsam mit Beate Chabroszewska bereiteten Jan Peter Schneider von Wir am Hörder Neumarkt e. V. (l.) und Anita Olszewski (r.) die polnischen Gerichte zu. (Foto: IN-StadtMagazine)

Was haben Nikolaus Kopernikus, Frédéric Chopin und Marie Curie gemeinsam? Sie alle wurden unter anderen Namen geboren.

Denn eigentlich stammten Niklas Koppernigk, Fryderyk Chopin und Marya Sklodowska aus dem heutigen Polen – auch wenn Thorn in Kopernikus’ Geburtsjahr 1473 noch zu Preußen zählte. Dass solch historische Größen aus Wissenschaft und Kunst das „unscheinbare“ Land Polen vertreten, dürfte einige der Gäste im Haus Rode Anfang November überrascht haben. Sie waren gekommen, um beim Genuss von Bigos und Barszcz den Ausführungen der Gastgeberinnen Beate Chabroszewska und Anita Olszewski zu folgen.

Und ja, letztere heißt wirklich so – ob der Ignoranz deutscher Behörden. Im Rahmen ihrer Eheschließung sollte sie angeben, ob sie den Namen ihres Ehemannes annehmen wolle. Das bejahte sie, natürlich ohne zu wissen, dass auch ihrem Namen ein „i“ angehängt würde und sie so nach polnischen Gepflogenheiten formal zum Mann gemacht wurde. Heute aber lacht sie über ihr verlorenes Endungs-a.

Schließlich gab eine der größten Polinnen des 19. Jahrhunderts – wenn nicht die größte – nicht nur ihre weibliche Endung, sondern gleich die vollständige polnische Identität ihres Namens auf. Mit ihrer Heirat in Frankreich im Jahr 1895 nahm Marya Sklodowska den Namen an, der später weltberühmt werden würde: Marie Curie. Mit 24 Jahren hatte Curie ihr Studium der Mathematik und Physik an der Pariser Sorbonne aufgenommen – so weit, so bekannt. Doch wer denkt beim Klang ihres Namens an eine Warschauer Erzieherin, die mit ihrem Verdienst das Medizinstudium ihrer Schwester finanziert? Spätestens mit dem Nobelpreis für Physik, den sie im Jahr 1903 gemeinsam mit ihrem Ehemann Pierre Curie und ihrem Professor Antoine Henri Bacquerel erhielt, konnte ihr – trotz derlei Versuchen – niemand mehr den Status einer herausragenden Physikerin aberkennen.

Diese aus seiner Heimatstadt stammende Koryphäe kennenzulernen, war Chopin leider nicht mehr vergönnt, denn er war bereits im Jahr 1849 mit nur 39 Jahren gestorben. Doch genau wie Curie verschlug es ihn nach Paris, weil er wegen des Aufstandes des polnischen Volkes gegen die Unterdrückung durch Russland nach seiner Konzertreise durch Europa im Jahr 1830 nicht nach Warschau zurückkehren konnte. Zuvor jedoch stellte er in Polen sein Können unter Beweis und gab bereits mit acht Jahren sein erstes Konzert. Als er 16 Jahre alt war, schrieb sein Vater ihn am Warschauer Konservatorium ein und auch dort erkannte und förderte man seine außergewöhnliche Virtuosität am Klavier.

Zu diesem Zeitpunkt war es bereits bewiesen, dass der Planet Erde sich gleichzeitig um die eigene Achse und um die Sonne dreht. Doch als Kopernikus im Jahr 1543 genau dies in seinem Hauptwerk „De revolutionibus orbium coelestium“ behauptete, stieß er auf mächtigen Gegenwind seitens der Kirchen und auf Zurückhaltung unter Wissenschaftlern. Mittlerweile jedoch streiten sich Deutschland und Polen um die Zugehörigkeit des Astronomen, der die Grundlage für das heutige Weltbild legte. Erst im Jahr 2003 verabschiedete der Polnische Staat eine Erklärung zu Erinnerung an ihn – nicht etwa an Nikolaus Kopernikus, sondern an Mikołaj Kopernik.

Im Jahr 2019 nun gedachte man im Haus Rode dieser Größen polnischer Geschichte und ließ sich die Erinnerungen auf der Zunge zergehen – zusammen mit einem Stück des typischen polnischen Käsekuchens.

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