Weltreise ab Hörder Neumarkt – ein Kurztrip in den Iran

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Begrüßt durch Jan Peter Schneider vom Verein Wir am Hörder Neumarkt (l.) und begleitet von ihrem sechsjährigen Sohn Parahm bereiteten Medi Aram (2. v. l.) und Feri Hashemi (r.) an diesem Abend die Speisen zu. (Foto: IN-StadtMagazine)

Am 7. Juli erfuhr die Weltgemeinschaft, dass „der Iran“ als Reaktion auf die Kündigung des Atomabkommens durch die USA und deren Folgen sein vorhandenes Uran über die durch das Abkommen erlaubte Grenze von 3,67 Prozent hinaus schrittweise anzureichern plane, am 9. Juli, dass er eine Anreicherung auf vier Prozent bereits vorgenommen habe. Für eine Atombombe ist eine Anreicherung auf 90 Prozent notwendig. Doch wer ist dieser Iran, der mit diesem Vorhaben an die Öffentlichkeit gegangen ist? Am 2. Juli offenbarte ein aus dem Iran stammender Hörder bei einer „Weltreise ab Hörder Neumarkt“ im Haus Rode seine Perspektive auf die Machtverhältnisse im Iran.

„Opposition ist das ganze Volk im Iran“, formulierte der Mann, der anonym bleiben möchte, seine Sicht der Dinge. Blickt man aus dieser Perspektive auf die Berichterstattung in den etablierten Medien, muss der Ausdruck „der Iran“ anders gedeutet werden, als der intuitive Blick suggeriert. Die Bezeichnung „die Regierung in Teheran“, den die „Frankfurter Allgemeine“ am 8. Juli wählte, wäre dieser Sicht auf die Dinge wohl angemessener. „Die regieren mit Waffen, mit Macht. Und die sind sehr gnadenlos“, beschrieb der Hörder die iranische Führung. Das Volk wage es nicht, aufzubegehren, weil es Angst vor militärischen Konflikten habe.

Doch die Konfliktherde schwelen weit über Irans Grenzen hinaus. „Iraner haben zwei Feinde“: die iranische Regierung und die USA. „Das Volk möchte keinen Krieg“, machte der Gast deutlich. Vor allem die USA stellten einen gravierenden Angstfaktor für die iranische Bevölkerung dar. Und Amerika liege derzeit zu großen Teilen in den Händen eines „etwas schwierigen Präsidenten“. Zuletzt sprach dieser Drohungen gegen den Iran – oder bleiben wir bei der „Regierung in Teheran“ – aus, sollten die Pläne um die weitere Urananreicherung umgesetzt werden. Der anonyme Gast ist jedoch davon überzeugt, dass die streng islamische Haltung der Regierung an dieser Stelle ihr Gutes habe. Denn aus religiösen Gründen sei die Herstellung einer Atombombe im Iran undenkbar. Auch beruft er sich auf internationale Beobachter, die mehrfach betont hätten, dass der Iran kein Interesse am Bau einer Atombombe habe. Ob diese Versicherungen den „etwas schwierigen Präsidenten“ von militärischen Schritten abhalten werden, sei dahingestellt.

Doch der drohende Krieg ist nur die Spitze des Eisbergs, der vielen Menschen im Iran das Leben zu einem immerwährenden Ducken macht. Gastgeber*innen an diesem Juliabend am Hörder Neumarkt war neben Jan Peter Schneider vom Verein Wir am Hörder Neumarkt eine iranische Kleinfamilie, die den Gästen im Haus Rode iranische Speisen servierte. Auf die direkte Frage eines Gastes „Warum seid ihr nicht in dem Land?“ – gemeint war „in der Heimat“ – zögerten Feri Hashemi und Medi Aram zu antworten, vielleicht schlicht aufgrund einer Sprachbarriere. Schneider übernahm für sie: „Unsere Gastgeber hier sind Christen.“ Für ihren Sohn Parahm würde dies im Iran bedeuten, niemals Zugang zu einer Hochschule zu erhalten. Für die ganze Familie war die politische Verfolgung Alltag. Ihr feines Kleid, der rote Lippenstift und ihr offen gezeigtes Kopfhaar würden für Hashemi in ihrem Heimatland zu einem gefährlichen Politikum. Geschweige denn, dass sie ihren Mann in der Öffentlichkeit küssen oder mit ihm tanzen gehen dürfte.

In Haus Rode jedoch zeigte sie sich schulterfrei, ohne dass dies für irgendjemanden einer Erwähnung wert gewesen wäre. Doch auch in Deutschland ist ihr Leben nicht nur rosig. Ihre Berufsausbildung als Krankenschwester wird hierzulande nicht anerkannt – interessanter Sachverhalt vor dem Hintergrund steigenden Fachkräftemangels in der Pflege. Auch ihr Mann darf in Dortmund seinem Beruf als Feuerwehrmann nicht nachgehen. „Wir sind arrogant“, kommentierte dies eine der anwesenden Frauen. Und um ebendiese arrogante Distanz ein bisschen zu reduzieren, genossen die Gäste an diesem Abend gestürzten Reis mit angeschmorten Kartoffeln sowie Huhn und Salat, auf iranische Art zubereitet durch das Gastgeberpaar.

  • Die nächste „Weltreise“ führt am 6. August nach Indien.
  • Interessierte sind herzlich eingeladen.
  • Eine vorherige Anmeldung unter www.kulturweltreise.de ist allerdings unbedingt notwendig.

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