Wege ins Leben – by Levent Kartal

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Eine Ausstellung in St. Benno:

In Deutschland ein Türke. In der Türkei ein Deutscher. Europa und Orient. Muslimischer Glaube zwischen Tradition und Moderne. Dazu ein holpriger Start ins Berufsleben. Viele Konfliktfelder für einen jungen Mann. Bei Levent Kartal führten sie in eine massive Identitätskrise. Der heute 38-Jährige bewältigte sie mithilfe eines Studiums der Kunsttherapie und der eigenen Bilder, Zeichnungen und Skulpturen.

Heute kann der Künstler, der seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile in Dortmund-Aplerbeck gefunden hat, öffentlich darüber sprechen. Kunst war dabei nicht immer nur eine Lösung, sondern auch Teil des Problems.

Schon als kleiner Junge hatte Levent Kartal eine Vorliebe für das Malen. Am liebsten waren ihm Portraits. Und darin keimte bereits der Konflikt, da im Islam figurenähnliche Darstellungen nicht erlaubt sind. Aus Glaubensgründen unterbanden seine Eltern diese künstlerischen Ambitionen. Sie stammen aus Amasra an der Küste des Schwarzen Meeres.

Das Verbot war der Beginn eines Traumas und auch der Beginn einer religiösen Entfremdung. Gern wäre der Jugendliche Physiotherapeut geworden, doch das Arbeitsamt hatte ihm zur Altenpflege geraten. Eine belastende Berufsausbildung und eine schwere Tätigkeit im Dreischichtendienst. Er erlebte einen dauernden inneren Kampf, die Identitätskrise war nicht mehr zu leugnen! Anstatt daran zu zerbrechen, griff Levent Kartal wieder zu Pinsel und Farbe, um seine Erfahrungen zu verarbeiten.

„Aus dem Inneren heraus malen und meinen Gefühlen freien Lauf lassen“, so entstanden zuerst vier Werke, die er mittlerweile als „Grundbilder“ bezeichnet: „Die Schwere“, „Leichtigkeit“, „Orientalisches Temperament“ und „Erdung“. Der Beginn einer künstlerischen Entwicklung, die nicht nur viel Talent erkennen ließ, sondern sich auch in beruflicher Hinsicht fortsetzte. Er suchte eine Tätigkeit, mit der er Kunst und Psychologie verbinden konnte. Von 2011 bis 2015 studierte er Kunsttherapie und arbeitet mittlerweile im kreativ-therapeutischen Bereich.

Durch das Studium verfeinerte er gleichzeitig seine Techniken. Die überwiegend abstrakten Bilder entstehen häufig in Spachteltechnik mit Acryl auf Leinwand.

Die Ausstellung „Wege ins Leben“ in St. Benno ist

  • vom 12.09.-24.10.2020
  • nach telefonischer Anmeldung unter 0231-87 8006 0 oder
  • samstags um 19 Uhr (nach dem Gottesdienst) und dienstags von 10–12 Uhr zu besichtigen.

Den Flyer zur Ausstellung können Sie unter folgendem Link downloaden: Flyer Wege ins Leben

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