Von Hungersnot bis Stadtfest – der 26. Kalender des Hörder Heimatvereins ist da

0
21
(v. l.) Helmut Broich, Willi Garth und Bernhard Finkeldei vom Hörder Heimatverein stellten den Kalender vor. (Foto: IN-StadtMagazine)

Bernhard Finkeldeis Lieblingsbild findet sich im Juli. In Schwarz-Weiß zeigt es einen kleinen Jungen auf einem Motorrad in einer Wohnsiedlung. Wir sind am Clarenberg um 1938, also mittendrin im 26. Kalender des Hörder Heimatvereins, zusammengestellt aus eigenen und von Hörder*innen zur Verfügung gestellten Archivfotos.

Willi Garth selbst, heute ebenso wie Finkeldei im Hörder Heimatverein, erinnert sich an einen herben Verlust Ende der sechziger Jahre, denn damals wohnte er am Clarenberg. „Wir mussten ja raus da“, bevor die Siedlung im Jahr 1969 abgerissen wurde. Eine Hochhaussiedlung sollte her. Wir wissen davon.

Von 1903 bis 1952
Wer heute die Burgstraße entlanggeht, passiert am Gasthaus „Treppchen 1763“ einen Zeitzeugen. Bereits 1903 beobachtete hier der schräg gewachsene Baum das bunte Treiben und ist selbst auf dem Aprilbild zu sehen. Auf diese Weise verbindet er uns mit der Szenerie des ältesten Bildes im Kalender. Über zwei Weltkriege hinweg führen die Fotografien uns bis in die fünfziger Jahre. Regelmäßig im Oktober können wir uns anhand des traditionellen Kalenders an die Verleihung der Hörder Stadtrechte erinnern. Im Jahr 1952 feierte man 600 Jahre Hörde.

Besonders spannend findet Garth ein Bild vom 24. April 1920. Nach dem ersten Weltkrieg herrschte eine Hungersnot, die die Menschen dazu veranlasste, alles zu horten, was essbar war. Auch am Hörder Bahnhof schleppten zwei Frauen große Kartoffelsäcke, wie das Januar-Kalenderblatt dokumentiert. Soziale, wirtschaftliche, kulturelle Themen finden sich in dieser historischen Sammlung, die uns durch das Jahr führt. „Da sind schon schöne und emotionale Bilder drin“, jeweils versehen mit kleinen Erklärtexten.

Bereits jetzt kann sich mit diesen Bildern auf das Jahr 2021 vorbereiten, wer den Kalender für 22 Euro in der Buchhandlung transfer. ersteht. Und vielleicht fällt beim Betrachten ja der einen oder dem anderen ein, dass da noch ein Foto auf dem Dachboden einstaubt, das den nächsten Kalender des Hörder Heimatvereins als Leihgabe oder Geschenk bereichern könnte.

guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments