Statt Trauerfeier – Leni Abrahamsson ist tot

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Das Ehepaar Abrahamsson ist auf dem Friedhof Wellinghofen bestattet.(Foto: IN-StadtMagazine)

Sich von einem Menschen zu verabschieden, gehört in unserer Gesellschaft zum Sterben dazu. In den letzten Wochen waren Trauerfeiern jedoch nur sehr begrenzt möglich. Trotzdem möchte die Geschichtswerkstatt Dortmund ihrer Mitstreiterin Leni Abrahamsson aus Wellinghofen gedenken, die am 20. März gestorben ist.

Es waren die großen Themen, die Abrahamsson beschäftigten: Als Kriegsgegnerin und Frauenrechtlerin, die sich entschieden gegen Armut schaffende Strukturen wandte, richtete sie diverse politische Leserinnenbriefe an unterschiedliche Medien. In einem Brief an ihre Freundin auf Usedom formulierte sie im Jahr 2000 ein regelrechtes Manifest. Darin fordert sie „die Mitgestaltung der Welt von Frauen in allen Lebensbereichen“ und bittet alle Frauen, „die Welt durch eigene Denkmuster, Faehigkeiten und nach Euren Bedürfnissen“ umzugestalten. Gleichzeitig fordert sie „eine Produktionsweise, die den Sinn des Lebens widerspiegelt und nicht die Gier nach Macht und Geld“.

In Wellinghofen war Abrahamsson vor allem für ihr nachbarschaftliches Engagement bekannt. Als Mitglied der Geschichtswerkstatt organisierte sie regelmäßig den Brunch in Hörde und Themenabende der Geschichtswerkstatt. Gleichzeitig betätigte sie sich sehr kreativ, malte und gestaltete Tonfiguren.

Als ihr Ehemann starb, suchte sie für ihn einen Grabstein von sehr naturbelassener Form aus. Mit den Jahren wuchs das Moos, doch Leni hielt nur den Namenszug frei. Wiederholt forderte man sie auf, den Bewuchs zu entfernen, aber sie wollte die Natürlichkeit des Grabes erhalten. Auf diese Weise schuf die Witwe ein ewiges Ruhebett im Schoß der Natur, in das sie ihrem Mann nun gefolgt ist. Leni Abrahamsson wurde 86 Jahre alt.

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