„Man stolpert mit dem Kopf und dem Herzen“ – Verlegung von Stolpersteinen Mitte September in Hörde geplant

9. Februar 2012: Verlegung von vier Stolpersteinen in Hörde an der Faßstraße 22 durch Gunter Demnig. Foto: Horst Richter

Am Anfang stand die Idee, den Opfern des NS-Regimes – Juden, Sinti und Roma, politischen Gegnern der Willkürherrschaft, Homosexuellen, Behinderten und Wehrmachtsdeserteuren – Namen zu geben, sie nicht zu vergessen. An das Schicksal von Menschen zu erinnern, die verfolgt, ermordet, deportiert oder vertrieben wurden.

Inzwischen hat der Künstler Gunter Demnig seit Mitte der 90er Jahre damit das „größte dezentrale Mahnmal der Welt“ geschaffen. Über 63.000 Stolpersteine mit einer Kantenlänge von je 10 cm erinnern in ganz Europa an die Opfer der Nazi-Diktatur; allein in Deutschland sind es 53.000 der kleinen Steine mit großer Wirkung in 1.099 Städten und Gemeinden.

In Dortmund wurde das erste der zum Nachdenken anregenden Messing-Quadrate am 19. Oktober 2005 im Ortsteil Husen verlegt. Dieses erste seiner Art in unserer Stadt hat bis heute über 250 Nachfolger gefunden, auch im Stadtbezirk Hörde. Geburtshelfer des inzwischen patentierten Begriffs „Stolperstein“ war übrigens nicht der Künstler selbst, sondern ein Kölner Hauptschüler, der auf die Frage eines Journalisten, ob man nicht darüber stolpert, antwortete: „Nee, man stolpert mit dem Kopf und dem Herzen“.

Auch in diesem Jahr ist die Verlegung weiterer Stolpersteine in Hörde geplant. Der Geschichtskurs der Johann-Gutenberg-Realschule und ein Unterrichtsprojekt des Goethe-Gymnasiums zu den Stolpersteinen werden hierzu geeignete Namen und die dahinter verborgenen Schicksale recherchieren. Die Verlegung der Stolpersteine wird voraussichtlich im September realisiert. Die Orte und Termine werden noch bekanntgegeben – Auskunft erteilt die Bezirksverwaltungsstelle Hörde.

Die Johann-Gutenberg-Realschule geht seit 2006 auf Spurensuche
2006 verlegte die Johann-Gutenberg-Realschule im Geschichtsunterricht auf Wunsch der Schüler mit den 10. Klassen zwei Stolpersteine für zwei Familien aus Hörde. Bei der Spurensuche ergaben sich viele Fragen – z. B. „Was ist ein Judenhaus?“ – sodass die Schüler intensiv recherchieren mussten und schließlich ihre Ergebnisse auch anderen vorstellen wollten. Die Ausstellung war ein großer Erfolg und daraus ergab sich, dass der Kurs nun seit zehn Jahren bei der Vorbereitung und Gestaltung der Gedenkfeier zur Reichspogromnacht mitwirkt.

Seitdem folgt der Geschichtskurs den Spuren von Menschen aus Hörde, die deportiert und ermordet wurden, er recherchiert im Stadtarchiv, liest Berichte, Tagebücher und Briefe. In Kooperation mit dem Jugendring fahren die Schüler zu Gedenkstätten und hören Zeitzeugen zu.

Wie aber soll man all das, was man gehört und gesehen hat, verarbeiten, wie es verstehen? – Gemeinsam mit dem Kunstkurs wird daraufhin überlegt, wie man seine Gefühle und Eindrücke mitteilen kann. Während der künstlerischen Arbeit kommen die Schüler miteinander ins Gespräch, können hier die Fragen stellen, auf die es keine Antworten gibt, und durch ihre Kunstobjekte das Erlebte und Erfahrene verarbeiten.

Doch nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Gegenwart beschäftigt sich der Geschichtskurs: Werden auch heute Menschen ausgegrenzt, weil sie eine andere Religion oder Hautfarbe haben? Wo begegnen uns Folgen aus der Geschichte? Wann gilt es, die Geschichte zu bewahren und sich an sie zu erinnern?
Ein aktuelles Projekt des Geschichtskurses ist der „Audioguide“, der an Orte führt, die vom jüdischen Leben in Hörde und der Verfolgung der Juden im NS-Staat zeugen.

Stolperstein für ehemalige Schülerin des Goethe-Gymnasiums
Seit einigen Jahren nimmt das Goethe-Gymnasium an der Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ teil. Bereits am 9. März 2011 wurde der Schule das Siegel zum ersten Mal verliehen und der ehemalige Schüler Mario Götze wurde erster Antirassismusbotschafter.

Jährliche Kontakte zu Aussteigern aus der rechtsextremen oder salafistischen Szene gehören seitdem genauso zum Programm der Schule wie kreative Aktionen, z. B. ein Kurzfilmfestival zum Thema „Rechtsextremismus“ oder die Erstellung einer Graffitiwand am Schulgebäude.

Im Rahmen des 150-jährigen Schuljubiläums im Jahr 2017 erforschte die Stolperstein-AG die Geschichte ehemaliger Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums, die im Nationalsozialismus aufgrund ihrer jüdischen Religion aus der Schulgemeinschaft ausgeschlossen worden waren. Im März 2017 konnte in Zusammenarbeit mit dem Jugendring Dortmund ein Stolperstein für die ehemalige Schülerin Margarethe Steinmann und ihren Ehemann verlegt werden, die zunächst aus ihrer Heimat Dortmund vor den Nazis geflohen und später in Auschwitz ermordet worden waren.

Gesucht werden Sponsoren für weitere Stolpersteine (120 € pro St.).
Wenn Sie als Privatperson, Institution oder Firma das Projekt unterstützen möchten, nehmen Sie bitte Kontakt auf:
Bezirksverwaltungsstelle Hörde,
Hörder Bahnhofstraße 16,
44263 Dortmund,
Tel.: 0231-5024401.

Quelle: Flyer der Stadt Do