„Man muss für alle versuchen, das Beste zu erreichen“ – Michael Depenbrock im Interview

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Michael Depenbrock ist der neu gewählte Bezirksbürgermeister in Hörde. (Foto: IN-StadtMagazine)

Seit 2009 sitzt Michael Depenbrock für die CDU in der Bezirksvertretung Hörde. Nun wurde er zum neuen Bezirksbürgermeister gewählt. Wir haben ihn nach seinen Plänen gefragt.

Hallo Herr Depenbrock, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Wahlerfolg! Haben Sie ihn gut verdaut?

Selbstverständlich, das war zwar spannend, aber es war eigentlich vorher abgesprochen. Wir hatten mit allen Parteien gesprochen. Die CDU hat sechs Sitze. 10 Stimmen braucht sie, um den Bezirksbürgermeister zu stellen. Die FDP hat mit uns gestimmt und dann fehlten uns noch drei Stimmen. Da mussten wir schauen, ob wir mit den Grünen zusammenkommen oder mit der SPD und da gab es inhaltlich mehr Punkte mit der SPD.

Welche Inhalte waren das denn, bei denen Sie zusammenkamen?

Wir haben gesprochen über Wohnungen, über Verkehr, über Beteiligung von Jugendlichen, über Spielplätze, auch über ökologische Punkte. Das Wahlergebnis in Hörde hat ja gezeigt, dass hier die Bevölkerung eigentlich alles haben möchte. Die Grünen haben 25 % bekommen, die SPD 27 %, wir 28 % und dann müssen wir das auch alles abbilden.

Jetzt war ja die SPD 45 Jahre lang in Hörde an der Spitze. Können Sie sich diesen Wechsel erklären?

DEN Grund dafür wird es nicht geben. Was ich finde, ist, dass wir eine gute Arbeit gemacht haben in den letzten Jahren. Natürlich hat sich auch die Struktur in Hörde geändert. Die Bewohner vom Phoenix See sind nicht mehr die Stahlarbeiter von früher.

Sie schreiben auch auf der Website Ihrer Fraktion, dass Hörde sehr unterschiedlich ist.

Absolut. Der Stadtbezirk Hörde geht ja von Hörde bis hoch zur Syburg. Wir haben Landwirtschaft, wir haben dörfliche Ortsteile und wir haben den Stadtkern Hörde, mit ganz unterschiedlichen Bevölkerungsstrukturen, auch im Verdienstbereich. Man muss meines Erachtens als Politiker für alle da sein. Die Probleme, die in Hörde zum Beispiel um den Friedrich-Ebert-Platz sind mit der Alkoholikerszene, sind natürlich ganz andere Probleme als der Bewohner an der Hohensyburg hat, wenn bei ihm in der Tempo-30-Zone die Autos zu schnell fahren. Das muss man vereinen. Man darf nicht den einen gegen den anderen ausspielen oder den einen oder anderen alleine lassen. Man muss für alle versuchen, das Beste zu erreichen.

Was gibt es denn auf dem Höchsten zu erreichen, wo Sie wohnen?

Es gab früher einen Sportplatz an der Höchstener Straße. Da ist dann später der Rewe und der Aldi hingebaut worden. Eigentlich sollte auch in dem Zuge damals ein Spielplatz entstehen. Das ist nicht passiert. De facto ist es platzmäßig schwierig, aber der Wunsch der Bevölkerung ist da. Insofern muss man schauen, wie man das hinkriegt.

Ein Thema in Hörde ist natürlich gerade der Bahnhofsbereich. Aber schon im letzten Jahr hat eine Ruhr-Nachrichten-Umfrage den Hörde Bahnhof als Angstraum identifiziert. Haben Sie dazu Pläne?

Da gibt es verschiedene Ansätze. Man muss unterscheiden zwischen der tatsächlichen und der gefühlten Kriminalität und ein Angstraum definiert sich durch Vermüllung, durch dunkle Ecken. Das Problem ist: Der Bahnhof ist Deutsche Bahn. Die Deutsche Bahn ist schwierig zu erreichen. Als Bedrohung wird von einigen gesehen, dass die Jugendlichen sich da aufhalten. Da haben wir eine sehr gute Jugendarbeit, die sich darum kümmert. Was allerdings in Zusammenhang mit den letzten Vorfällen einmal geklärt werden muss, wie die Situation ist von Jugendlichen mit Messern.

Sie spielen bei der Jugendarbeit vermutlich auch auf Rampe II an. Soll das Projekt weitergeführt werden?

Wenn wir das entscheiden können, ja. Wir haben auch mit der SPD vereinbart, dass wir Gelder dafür bereitstellen. Wir haben ein jugendpolitisches Forum, wo die Jugendtreffs mitmachen und seit einiger Zeit auch die Rampe II, sodass man mit den Jugendlichen in Kontakt kommt. Die sind politisch total interessiert gewesen. Jetzt nicht unbedingt mit meiner Partei, aber sie wussten durchaus, was Sache ist.

Nochmal zu Ihnen: Was nehmen Sie denn an Kompetenzen oder Eindrücken aus Ihrer Erwerbsarbeit als Steuerberater mit in Ihr Ehrenamt?

Wenn es um Finanzen geht, habe ich natürlich einen Vorteil. Aber eigentlich ist es mehr das logische Denken. In der ersten Sitzung, in der ich direkt Fraktionssprecher geworden bin, ging es um ein Parkkonzept für Hörde. Und da wurde dann vorgestellt, welcher Parkbedarf an welchen Wochentagen ist bis einschließlich Freitag. Da habe ich gefragt: „Samstags und sonntags?“ Und dann haben die ihre Sachen gepackt und gesagt: „Haben wir vergessen. Müssen wir nochmal neu machen.“ Mit logischem Denken kommt man, glaube ich, ganz gut weiter.

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