Kinder in der Grauzone

0
77
Am 5. November eröffneten die Projektleitenden Christine Keil-Paust (Mitte l. vorne) und Martin Pense (Mitte r. vorne) den Vertreter*innen der Hörder Institutionen die diesjährige Spendensumme. (Foto: IN-Stadtmagazine)

Spendenausschüttung des Projekts „Miteinander essen“ der Evangelischen Kirchengemeinde Hörde

„Kein Kind soll auf irgendwas verzichten in Hörde aus finanziellen Gründen!“ So laut Jörg Skubinns Appell. Als Schulleiter der Marie-Reinders-Realschule erlebt er die Einkommensspanne zwischen den Familien tagtäglich. Während einige Familien ihrem Kind ein Saxophon kaufen, können andere es sich nicht leisten, eines für vier Euro zu mieten. Diese Möglichkeit bietet die Realschule an der Hochofenstraße im Rahmen einer Teilnahme am Bildungsprogramm „JeKits – Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ des Landes NRW. JeKits soll alle Kinder mitnehmen und doch reicht es bei vielen Familien nicht für die Instrumentenmiete. Deshalb erhält die Marie-Reinders-Realschule Gelder aus dem Spendenprojekt „Miteinander essen“ der Evangelischen Kirchengemeinde Hörde. Am 5. November nun fand die diesjährige offizielle Spendenausschüttung an die beteiligten Hörder Institutionen statt.

Seit Inkrafttreten des „Starke-Familie-Gesetzes“ im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes mangelt es bei vielen betroffenen Familien in Hörde nicht mehr am Beitrag für ein Mittagessen der Kinder in den Institutionen. Das wurde am Tag der Spendenausschüttung deutlich. Als Schulleiter der Konrad-von-der-Mark-Schule stellt Carsten Schlagowski fest, dass die Zahl der Schüler*innen, die am Mittagessen in der Schule teilnehmen, stark gestiegen seien – so stark, dass der Andrang kaum noch zu bewältigen sei. Darüber hinaus fehle es den Familien jedoch noch immer an vielem. Besonders problematisch stelle sich die Situation der Eltern dar, die sich „knapp unter Hartz IV“ bewegten.

In diesem Zusammenhang sprach Skubinn von einer „Grauzone“, ein Begriff, den viele Beteiligte aufgriffen, da er die Problemlage in den Institutionen gut illustriert. Gerade in Hörde sei diese Grauzone sehr groß, betonte Skubinn: „Da bleiben doch einige Familien auf der Strecke.“ Teilweise führte er dies auf den starken Strukturwandel in Hörde zurück, der zu plötzlichen sozialen Veränderungen in den Familien führe, wenn beispielsweise ein Elternteil seine Stelle verliere. Gleichzeitig seien Unwägbarkeiten wie der Tod eines Elternteils durch die Sozialsysteme nicht abgedeckt.

Hier folgte ihm Gaby Mischnat vom Evangelischen Elias-Kindergarten. „Familien, die sich plötzlich im sozialen Status völlig wandeln“ haben ihrer Ansicht nach keine Handhabe für schnelle Hilfe durch das Sozialamt. Um dennoch die Vollverpflegung aller Kinder im Elias-Kindergarten zu gewährleisten, die für alle Familien 60 Euro pro Kind im Monat kostet, ist der Kindergarten auf „Miteinander essen“ angewiesen. Denn auch die gesunde und „ausgeglichene“ Ernährung müsse für jedes Kind gewährleistet sein. Hier geht sie d’accord mit Gabriele Tietz, Leiterin des Familienzentrums „Zum Guten Hirten“, das einen wöchentlichen „Kochkurs mit den Kleinsten“ anbietet – und dies auch weiterhin finanzieren können möchte.

Mit der älteren Zielgruppe kochen die LuziFair’s der Evangelischen Kirchengemeinde. Jeden Freitag können sich alle interessierten Jugendlichen am Einkaufen, Zubereiten und anschließendem Spülen beteiligen, unabhängig von den Einkommensverhältnissen der Eltern. Auf diese Weise soll auch das Sozialverhalten der Jugendlichen gefördert werden. „Wer mitessen möchte, muss sich bitte an den Tisch setzen und auch warten, bis der Letzte fertig ist“, betonte Kirchmeisterin Christine Keil-Paust, die „Miteinander essen“ gemeinsam mit Pfarrer Martin Pense leitet.

Da es eben nicht nur die Kosten für Nahrungsmittel sind, die in den Institutionen zu decken sind, hat das Presbyterium nun beschlossen, das Projekt von der „physischen Nahrungsaufnahme“ auf die „geistige Nahrung“ auszuweiten, wie Pense zur Freude der Anwesenden berichtete. Einen besonderen Bedarf benannte in diesem Zusammenhang Britta Hausherr als Leiterin der Stift-Grundschule „am Fuße des Clarenbergs“. „Ganz große Sorgen“ bereite ihr die Tatsache, dass einigen Kindern ein wesentlicher Teil der für die Schule notwendigen Sozialerziehung fehle, aus Mangel an einem Kindergartenplatz. Daher hat die Schule „Gruppen eingerichtet, die die Kinder schon vor Schuleintritt auffangen“ und ein annäherndes Kindergartenerleben schaffen.

Um dieses Projekt ausweiten zu können, erhielt die Stift-Grundschule – genau wie alle beteiligten Institutionen – in diesem Jahr 2.000 Euro von „Miteinander essen“. 36.000 Euro Spenden wurden im Jahr 2019 bislang gesammelt und gerade in der Vorweihnachtszeit ist jede Summe willkommen. Die einmalige Summe von 5 Euro findet Pense genauso wichtig wie die Daueraufträge über 1.000 Euro im Jahr.

Spendenkonto:

Ev. Kirchengemeinde Hörde
IBAN DE18 4405 0199 0511 0070 54

Verwendungszweck: „Miteinander essen“,

Ihr Name und Ihre Adresse

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
500