Ein „Familien-Männer-Vater-Kindertraum“ – “Casasola“ im Wohnzimmer am Piepenstock

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Martina Bracke und Marco Jorge Rudolph betrachten „Casasola“ als „Gemeinschaftswerk“. (Fotos: IN-StadtMagazine)

„Der kleine Dicke ohne Vater, der nichtmal Fußball spielen kann“ hat erfolgreich eine Ausbildung zum Koch absolviert. „Warst du stolz auf mich?“, fragt er Jahrzehnte später seine Mutter. Was sie antwortet und ob überhaupt, erfährt das Publikum im Wohnzimmer am Piepenstock nicht, denn „Casasola“ ist ein Ein-Mann-Stück. Es ist ein Stück über einen Mann, der die Habseligkeiten seiner Mutter in Kisten packt, denn die alte Dame wird in ein Pflegeheim ziehen.

Zwischen Schals und Pullovern findet er lange verloren geglaubte Dinge in den Schubladen des rustikalen Sideboards: Ein Schwarzweißfoto von sich selbst als Kind, eine Melodica aus rotem Plastik und irgendwo liegt da auch noch der metallene Mini-Eiffelturm. Denn der junge Mann, der – zufällig? – den Vornamen des Schauspielers trägt – Marco – sehnte sich nach seinem spanischstämmigen Vater Leon Casasola. Und eines Tages hatte er „nach dem dritten Glas Burgunder“ „die Idee“: „Ich fahre nach Frankreich!“ Wer schon einmal in Paris ist, hat so ungefähr die halbe Strecke zwischen Dortmund und den weißen Dörfern Andalusiens bereits hinter sich gebracht.

Von der Idee zu reisen an setzt sich der Rückblick des Protagonisten fort: Beginnend „an der Auffahrt zur B1, am Ende der Lindemannstraße rechts ab“, trampt er bis nach Paris – begleitet von seiner Gitarre, die den Theaterabend auch zu einem Musikabend macht, der für sich allein stehen könnte. In Paris dann ist Kathrine, die den jungen Mann bittet: „Ast du eine Chanson für misch?“

Trotzdem reist Marco irgendwann weiter, um seine Familie, Familie Casasola, zu treffen. In Andalusien lernt er seine Halbschwester kennen und erst da erfährt das Publikum, dass der Vater eigentlich in München lebt. Erst hier wird klar, dass es eigentlich um einen „Familien-Männer-Vater-Kindertraum“ geht, was nach außen geschieht, ist beinahe nebensächlich.

„Casasola“ ist „ein Gemeinschaftswerk“ des Schauspielers Marco Jorge Rudolph und Martina Bracke, die den Text für ihn geschrieben hat. Als sie von ihrer Zusammenarbeit mit dem Freund erzählt, den sie – selbst Schauspielerin – im Theater im Depot kennengelernt hat, wird klar: Der übereinstimmende Name ist kein Zufall. Bracke hat Rudolph intensiv interviewt und ihn zu seinem Leben ausgefragt. Anschließend hat sie dann „in meinem Kopf was ganz anderes daraus gemacht“. Das Stück „hat biografische Züge“, sagt sie, und wenn sie es sagt, weiß man nicht, wessen Biografie sie eigentlich meint. Denn „an der ein oder anderen Stelle kommt natürlich auch was von mir hoch“.

Am Ende aber ist „Casasola“ eine Fiktion, die das musikalische Programm im Wohnzimmer am Piepenstock um das Theater ergänzt.

© Marco Jorge Rudolph

„Casasola“ ist noch einmal am 8. Dezember um 18 Uhr zu sehen.

Weitere Termine werden ggf. unter www.marco-jorge-rudolph.de/cms/wohnzimmer bekanntgegeben.

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