Der Rattenschwanz am Mammutprojekt – Umbau in der Heilig-Geist-Gemeinde

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Bernd Erlenhofer hat den Wert der Orgel gegen die Umbaukosten abgewogen. Fazit: Der Umbau ist notwendig. (Fotos: IN-StadtMagazine)

So kommt eins zum anderen: In der Heilig-Geist-Gemeinde in Wellinghofen stehen gleich mehrere größere Umbauprojekte an. Die Kirche selbst fordert von außen und innen grundlegende Veränderungen und auch im Gemeindehaus ist einiges zu tun. Insgesamt 245.000 Euro soll das gesamte Projekt kosten, das teilweise durch das Erzbistum Paderborn finanziert wird. Den Löwenanteil muss die Gemeinde allerdings selbst aufbringen.

Es fängt schon im Eingangsbereich an: Die Tür der Heilig-Geist-Kirche ist nur über ein Podest zu erreichen, das wiederum über drei Stufen betreten werden muss. Deshalb gibt es eine Rampe für Rollstuhlfahrende und Menschen mit Rollatoren. Die aber genügt den aktuellen Bestimmungen nicht mehr: Sie ist nicht nur zu kurz und somit zu steil, sondern auch zu schmal. Einfach verbreitern lässt sie sich aber nicht, da sie durch einen Träger begrenzt ist. Da sie also ohnehin versetzt werden muss und „wir jetzt schon so schön da dran sind“, wie Bernd Erlenhofer als geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstandes formuliert, sollen im gleichen Zug die Waschbetonplatten auf dem Podest ausgetauscht werden. Die nämlich erfüllen mittlerweile aufgrund ihrer geringen Rutschfestigkeit die aktuellen Bestimmungen ebenfalls nicht mehr. Gleichzeitig kann so ein taktiles Leitsystem für blinde Kirchenbesuchende eingebaut werden. Etwa 80.000 Euro wird der Umbau des Eingangsbereichs kosten.

Noch einmal rund 83.000 Euro plant die Gemeinde für den Innenbereich der Kirche ein. Denn an der 20 Jahre alten Orgel wurden minimale Schimmelflecken entdeckt. Mit der Frage nach dem Wert des Instruments wandte sich Erlenhofer an den Hersteller Stockmann, der mit der Angabe 300 bis 400.000 Euro eine grobe, aber eindeutige Orientierung bot. „Dann sollten wir vielleicht etwas tun“, war die Entscheidung. Doch um die Wirkung zu bekämpfen, musste erst einmal die Ursache für das Schimmelproblem ausfindig gemacht werden. Bald war klar: Die Besuchszahlen der Kirche gehen zurück, der Kirchenraum wird seltener hochgeheizt. „Thema Raumklima: Feuchtigkeit, Temperatur“, bringt Erlenhofer es auf den Punkt.

Zwar werden beide Faktoren bereits über Datenlogger überwacht, auf Dauer braucht es jedoch eine Belüftungsanlage, die auf ein ungünstiges Raumklima reagiert. Da sich zur Belüftung am besten schlicht Fenster eignen, sollen die bestehenden Möglichkeiten genutzt und ausgebaut werden. Die beiden beweglichen Fensterelemente sollen an ein elektrisches Fensteröffnungssystem angeschlossen werden. Zusätzlich soll ein weiteres Fenster im vorderen Teil der Kirche entsprechend umgebaut werden.

So weit, so einfach, stünde die Elektrik der Kirche nicht vor einem grundsätzlichen Problem: Die herbeigerufenen Elektriker können an die veraltete Unterverteilung keinen neuen Stromkreis anschließen. Im Klartext bedeutet das: Die Elektrik muss grunderneuert werden. Zusätzlich erhält die Heizungsanlage eine Erweiterung, um das Klima innen und außen zu messen und der Fensterelektrik entsprechende Befehle zum Öffnen, Teilöffnen oder Schließen zu erteilen.

Gleichzeitig hat kürzlich die Endabnahme des Umbaus im Jugendkeller des Gemeindehauses stattgefunden. Dabei fiel jedoch auf, dass am oberen Ende der Treppe, die den Jugendkeller mit dem Erdgeschoss verbindet, ein „Retro-Tresen“ stand, wie Erlenhofer ihn nennt. Da der aus Holz, das heißt aus brennbarem Material, bestand, stellte die Feuerwehr die Gemeinde vor eine Wahl: Den Tresen brandgeschützt mit neuen Wänden umgeben oder ihn entfernen. „Das haben wir mal kurz durchgerechnet“, erzählt Erlenhofer. Schnell habe man sich entschieden: „Wir reißen das Schätzchen raus und sehen mal, wie es weitergeht.

Damit fehlt aber ein zentraler Treffpunkt im Gemeindeleben. Ersatz muss her. Dafür wurde ein kaum genutzter Raum für einen neuen Tresen auserkoren. Aber nach und nach meldeten sich Menschen, die sich dort anders als angenommen regelmäßig treffen. Also geht der Rattenschwanz weiter: Der Konferenzraum, der mit den Jahren zur Abstellkammer geworden ist, wird mit neuen Möbeln, Fenstern und Rollos „richtig schön gemacht, damit die Leute sich hier auch wohlfühlen“. Anschließend kann nebenan dann der Tresenraum ausgebaut werden. Kostenpunkt für die „Aktion Tresen“: 61.000 Euro.

108.700 Euro schießt nach aktuellen Plänen das Erzbistum Paderborn für das Gesamtprojekt zu – bleiben 136.300 Euro Eigenleistung für die Gemeinde. Eine große Aufgabe für die Kasse. „Wir können uns über Wasser halten, aber da wachsen keine Reichtümer mit der Zeit“, formuliert Erlenhofer. Er hofft daher zusätzlich auf Spenden.

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