Bipolare Störung – Vom Auf und Ab der Gefühle

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Es gibt Zeiten, in denen einem alles leicht von der Hand geht, in denen man sich beschwingt fühlt. In anderen Zeiten dagegen ist man niedergestimmt und erschöpft. Bei der bipolaren Störung – auch bekannt als „manisch-depressive Erkrankung“ – gehen die Stimmungsschwankungen weit über das normale Maß hinaus. Einerseits durchleben die Patienten manische Höhenflüge mit gesteigertem Selbstwertgefühl, einer maßlosen Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, hemmungslosem Verhalten, überhöhtem Rededrang, Ideenreichtum und einem übersteigerten Aktivitätsniveau (manische Episode, oder in leichter Ausprägung der Symptome hypomane Episode). In depressiven Phasen dagegen empfinden sie tiefste Trauer, innere Leere und Antriebslosigkeit. Sie ziehen sich zurück, fühlen sich erschöpft und den Alltagsanforderungen nicht mehr gewachsen. Oftmals wechseln sich manische/hypomane und depressive Phasen ab. Es können jedoch auch Symptome beider Extreme in einer gemischten Episoden zur gleichen Zeit bestehen. Zusätzlich können sowohl in der depressiven als auch in der manischen Phase Wahnvorstellungen auftreten.

Als Ursache für die Erkrankung geht man von einem Zusammenwirken verschiedener – insbesondere genetischer und psychosozialer – Faktoren aus, die in enger Wechselwirkung stehen. Die bipolare Störung ist keine Erbkrankheit im engeren Sinne, jedoch ist durch Studien belegt, dass die Veranlagung vererbt werden kann. So findet man im engeren Angehörigenkreis eines Erkrankten mindestens eine weitere betroffene Person. Neben den genetischen Faktoren spielt individueller Stress, wie sehr belastende Lebenssituationen, eine große Rolle bei der Entwicklung einer bipolaren Störung. Dies müssen nicht unbedingt negative Ereignisse sein. Oftmals sind es ein Schulwechsel, der Beginn des Studiums oder ein Umzug, die kurz vor Beginn einer ersten bipolaren Episode eine Veränderung der Lebenssituation bedingen und somit für den Betroffenen eine große Belastung darstellen.

Geschätzt erkrankt 1 % der Gesamtbevölkerung weltweit im Verlauf seines Lebens an einer bipolaren Störung, wobei Männer und Frauen gleichermaßen betroffen sind. Die ersten Episoden treten meist im frühen Erwachsenenalter auf, in der sich die Betroffenen noch in der psychosozialen und persönlichen Entwicklung befinden. Da die Patienten einen Großteil ihres Lebens in einer der beiden Stimmungsphasen verbringen, kann die Lebensqualität durch die Erkrankung erheblich beeinträchtigt sein. Jedoch ist nicht nur der Betroffene erheblich beeinträchtigt, sondern die ganze Familie. Die Betroffenen neigen oft zu einem erhöhten Risikoverhalten sowie zu vermehrtem Alkohol- und Drogenkonsum. Viele halten das Leben zwischen den Extremen nicht aus und unternehmen Selbstmordversuche. Den aktuellen Studienergebnissen zufolge unternimmt mindestens ein Drittel der Betroffenen einen Selbstmordversuch, welcher bei 10–15 % der Fälle tödlich verläuft.

Der Früherkennung und einem rechtzeitigen Behandlungsbeginn wird aufgrund dessen eine ausgesprochen große Bedeutung beigemessen. Bei der medikamentösen Behandlung werden grundsätzlich zwei Behandlungsansätze unterschieden. Zum ersten die Akuttherapie, die das Ziel verfolgt, eine akute manische oder depressive Symptomatik ausreichend zu kontrollieren. Zum anderen die Rezidiv- und Phasenprophylaxe, die das Ziel einer längerfristigen Stabilisierung verfolgt und somit als Schutz vor wiederkehrenden Episoden dient. Wichtig ist zu beachten, dass die Medikamente individuell ausgewählt werden.

Um eine ausreichende Stabilisierung der Betroffenen zu erreichen und die Anzahl der Episoden zu minimieren, muss die phasenprophylaktische Medikation oft ein Leben lang eingenommen werden. Die Betroffenen weisen in den manischen Episoden, in denen sie sich nicht als krank empfinden und vor Selbstüberschätzung trotzen, oft eine nur sehr bedingte Einsicht in die notwendige medikamentöse Behandlung auf – Medikamente werden nur unregelmäßig eingenommen oder sie werden eigenständig abgesetzt. Deshalb bist eine intensive Aufklärungs- und Motivationsarbeit durch Ärzte, Therapeuten, aber auch durch Angehörige erforderlich. Eine ausführliche Aufklärung der Angehörigen über die Erkrankung, Folgen und Behandlungsschwerpunkte ist ein sehr wichtiger Aspekt in der erfolgreichen Behandlung.

Durch eine unterstützende psychotherapeutische Behandlung kann den Betroffenen ein verbessertes Krankheitsverständnis und eine ausgeprägte Akzeptanz für die Erkrankung vermittelt werden. Sie können ein besseres Verständnis ihrer individuellen Frühwarnzeichen einer neuen Episode erlangen und Strategien im Umgang mit bzw. zur Vermeidung potentieller Auslöser erlernen.

Erste Anlaufstellen für Betroffene, aber auch Angehörige sind neben psychiatrischen Kliniken auch ambulante Nervenärzte, Hausärzte und der sozialpsychiatrische Dienst.

Dr. Laura Kurth

Im AmbulanzZentrum der LWL-Klinik Dortmund erreichen Sie auch die Bipolar-Ambulanz: mo bis do zwischen 8 und 17 Uhr sowie freitags von 8 bis 15 Uhr. Tel.: 0231/4503 – 8000. Voraussetzung: Sie sind zwischen 18 und 60 Jahre alt und haben keine primäre Suchterkrankung. Die Ambulanz wird fachärztlich durch Experten für bipolare Erkrankungen geleitet, nämlich durch Dr. Thomas Beckmann und Dr. Martin Wallmeyer.

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