ZWAR-Zentralstelle erhält keine Fördergelder mehr – im alten Martener Amtshaus sorgt man sich um die Zukunft

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Marten ist so etwas wie die „Wiege der ZWAR“. Zukünftig werden für Vera Romberg (Koordinatorin des örtlichen Netzwerks) und insbesondere Paul Stanjek von der ZWAR-Zentralstelle NRW die Rahmenbedingungen merklich schwerer. (Foto: IN-StadtMagazine)

Das umtriebige ZWAR-Netzwerk hat ja im alten Martener Amtshaus nicht nur einfach eine Zweigstelle – vielmehr ist das ganze Projekt eine Dortmunder Erfindung, die Ende der 1970er Jahre an der hiesigen Universität das Licht der Welt erblickte.

Grundgedanke der Organisation ist es, vor Ort den Menschen beim Aufbau von tragfähigen sozialen Konzepten zu helfen, die sich – wie es auch der Name verrät – in der Phase ZWischen Arbeit und Ruhestand befinden. Eigentlich ausgesprochen modern, wird doch kein Teilnehmer verpflichtet, sich in irgendeiner Weise vertraglich an andere zu binden. Ist die jeweilige Initiative erst auf den Weg gebracht, steht ihr die ZWAR-Zentralstelle auch weiterhin noch bei Schwierigkeiten und Konflikten als eine Art Schlichter zur Seite, setzt aber ansonsten ganz auf das Prinzip Selbstverwaltung.

Aufgrund der Wurzeln des Projekts ist es nur konsequent, dass auch die NRW-Zentralstelle seit vielen Jahren ihren Sitz in Marten hat. Damit jedoch könnte schon bald Schluss sein, hat doch die aktuelle Landesregierung beschlossen, ihre jährliche Förderung von knapp 600.000 € mit Beginn des kommenden Jahres einzustellen. Offenbar sieht man in der ZWAR eher eine Ansammlung lokaler Initiativen, die keiner Koordination auf Landesebene bedarf. Ohne diese allerdings werden künftig in den NRW-Kommunen keine weiteren Netzwerke mehr entstehen.

Und in Marten stehen nicht nur einige hauptamtliche Arbeitskräfte auf dem Spiel, sondern auch die Infrastruktur der Dortmunder ZWAR, denn schließlich teilen sich NRW-Zentralstelle und Dortmunder „Filiale“ in Marten ein und dieselbe Immobilie. Und obwohl die Stadt Dortmund signalisiert hat, weiterhin mit dem Netzwerk kooperieren zu wollen, treibt ZWAR-Koordinatorin Vera Romberg doch die Sorge um, sich mittelfristig eine neue Heimat suchen zu müssen. Überaus traurig wäre dies aus ihrer Sicht vor allem für etablierte Initiativen wie beispielsweise die ZWAR-Theater- oder Zeitungsgruppe, welche dann ihre seit Jahrzehnten angestammten Räumlichkeiten verlieren würden.

Wie Paul Stanjek von der ZWAR-Zentralstelle erklärt, versucht man derzeit das entstandene finanzielle Loch zu stopfen, indem man verstärkt auf Beratungsleistungen für Kommunen oder Firmen setzt. Heißt aber natürlich auch: aus einer dem Gemeinwohl verpflichteten Organisation wird notgedrungen eine, die Gewinne zu erwirtschaften hat. Auch um Mittel aus dem Landesförderplan haben sich die Martener beworben, eine Strategie auf längere Sicht allerdings kann dies selbstverständlich nicht sein.
Die Landesregierung jedenfalls hält das ZWAR-Konzept für nicht eigenständig genug, um eine kontinuierliche Förderung in Anspruch nehmen zu können, und hat den Ball der finanziellen Verantwortung an die jeweiligen Kommunen weitergespielt – insofern erstaunlich, da es sich hier doch um ein Netzwerk handelt.

Ob man dem nächsten Gast aus Düsseldorf, der im Meilenstein das Engagement der Martener für ihren Stadtteil in warmen Worten lobt, diesbezüglich einen kleinen Gedankenanstoß mit auf den Weg geben sollte?

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