Zukunftslabor und Nachbarschaftswerkstatt – „Dezentrale“ hat die Welt von morgen im Blick

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Jörg Baumann (1. v. l.) und drei seiner Mitstreiter vor der Dezentrale, in der „mitmachen“ ausdrücklich erwünscht ist. (Fotos: IN-StadtMagazine)

In einem lauschigen Hinterhof unweit der Adlerstraße stößt man auf ein interessantes, nach wie vor weitgehend unbekanntes Stückchen Dortmund:

Die „Dezentrale“ ist nicht nur ein Forschungslabor für Zukunftsfragen – also etwa zu Themen wie Ressourcenschonung und Emissionsminderung –, sondern auch ein Ort, an dem man die Identifikation der Mitarbeiter für ihren Job fast mit Händen greifen kann. Zudem ist sie als Nachbarschaftswerkstatt konzipiert. Das heißt: Im Grunde darf hier jeder Bürger mitmischen, eigene Ideen verfolgen und gegen ein geringes Salär vom Know-How des Teams und dem vorhandenen technischen Equipment profitieren.

 

Dieser Open-Source-Gedanke ist für das überwiegend vom Fraunhofer-Institut Umsicht finanzierte Zukunftslabor keine Marotte, sondern nach Worten von Jörg Baumann „im Grunde das A und O“. Der studierte Erziehungswissenschaftler blieb in der Dezentrale hängen, um den Do-It-Yourself-Ansatz und die Idee der Bürgerbeteiligung in einer Weise zu den Leuten zu bringen, „wie Bildungseinrichtungen das nicht bieten können“.
Konkret sind damit z. B. Workshops an umliegenden Schulen gemeint, bei denen die Jugendlichen etwa lernen, wie sie ihre eigenen Hifi-Kopfhörer mit Hilfe eines 3D-Druckers sowie der entsprechenden Software gestalten und herstellen.

CNC-Fräse, Laser und eben diverse 3D-Drucker bestimmen das Bild des einen, „FabLab“ genannten Teils der Räumlichkeiten im Hinterhaus der Richardstraße 18. Die restlichen Quadratmeter sind dem sogenannten „BioLab“ vorbehalten, in dem sich „Dezentralist“ Uwe Heuer derzeit u. a. der Herstellung von lederähnlichem Material aus Pilzkulturen widmet. Eine regelmäßige Besucherin von der Dortmunder TU wiederum verbindet quasi beide Bereiche mit ihrer Forschung zu abbaubarem 3D-Druckmaterial aus Avocadokernen. Die zwei „Labs“ öffnen ihre Türen jeweils einmal wöchentlich für Gäste.

An diesem Mittwoch ist, wie üblich, das „FabLab“ an der Reihe, und tatsächlich sind zwei Arbeitsplätze von Besuchern besetzt, die im Netz auf die Möglichkeiten der Nachbarschaftswerkstatt aufmerksam wurden. Während sich der eine der Bearbeitung von Leder mit Hilfe des Lasers widmet, tüftelt sein Nachbar am Rechner an der Gestaltung eines Türscharniers. „Letztlich“, erläutert Jörg Baumann, „wollen wir Leute dahin bringen, selbstständig arbeiten zu können – alleine aus Kapazitätsgründen. Aber zunächst einmal geben wir alle nötigen Hilfestellungen, um sich das entsprechende Wissen anzueignen.“ Beim aktuellen Gast zumindest scheint die Rechnung aufgegangen zu sein. Der gibt seinem Werkstück gerade am PC den letzten Schliff, sagt aber auch: „Ohne ‚Lehrer‘ hätte es nicht funktioniert.“

Geht ein Versuch trotzdem mal daneben, fühlt man sich an der Richardstraße allerdings auch unmittelbar dem Nachhaltigkeitsgedanken verpflichtet: Alle Fehlversuche werden nicht etwa „entsorgt“, sondern landen in der hauseigenen Recyclingtonne.
Seit mittlerweile bereits sechs Jahren erforschen die Dezentralisten den verantwortungsvollen Umgang mit der Zukunft – vorhersehen können sie sie selbstverständlich trotzdem nicht. Ihre Hoffnung allerdings lautet, sich im Bewusstsein der Bevölkerung noch stärker zu verankern.

Ein gesunder Mix aus Forschungsaufträgen sowie öffentlichen und privaten Projekten: Das wäre nach Ansicht von Jörg Baumann die optimale finanzielle Grundlage. Auch wenn man sich, sollte der Laden so richtig in Schwung kommen, vermutlich größere Räumlichkeiten suchen müsste. Was in gewisser Weise schade wäre, denn gemütlich haben sie es an der Richardstraße wirklich.

Die Dezentrale befindet sich in der Richardstr. 18. Aktuelle Öffnungszeiten sind: mittwochs, 15 bis 20 Uhr (FabLab) sowie donnerstags, 13 bis 18 Uhr (BioLab). Im Netz ist die Zukunftswerkstatt unter www.dezentrale-dortmund.de zu finden, allerdings wird derzeit die Website überarbeitet.

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