NRW-Ausbildungsmarkt: Wandel zum Bewerbermarkt hält an

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Symbolfoto: pixabay

Der Ausbildungsmarkt in NRW entwickelt sich weiter von einem Stellen- zu einem Bewerbermarkt:

Unternehmen fällt es zunehmend schwer, freie Ausbildungsplätze zu besetzen. Im Berichtsjahr 2018/2019 blieben 10.104 Lehrstellen unbesetzt. Insgesamt stieg das Lehrstellenangebot der Unternehmen in NRW um 4.118 oder 3,6 Prozent auf 119.931 Stellen. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber sank im selben Zeitraum deutlich. 128.508 junge Frauen und Männer interessierten sich für die Ausbildung – das waren 5.295 Jugendliche und damit 4,0 Prozent weniger als im Vorjahr, die einen Ausbildungsplatz suchten. Trotz der weiter gestiegenen Zahl offener Stellen stieg auch die Zahl der jungen Menschen, die keinen Ausbildungsplatz finden konnten: 7.372 Schülerinnen und Schüler galten als unversorgt.

„Der Wandel vom Lehrstellen- zum Bewerbermarkt hält ungebremst an. Die Unternehmen bieten mehr Ausbildungsplätze an, jedoch sinkt gleichzeitig die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber“, sagte Torsten Withake, Geschäftsführer der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „Die Rekrutierung Auszubildender verlangt von den Unternehmen zunehmend mehr Einsatz. Je nach Branche und Region wird es für Ausbilder immer wichtiger, beispielsweise durch Praktika über ihre Berufe zu informieren und so auch als ein auszubildender Betrieb in den Blick der jungen Menschen zu rücken.“ NRW sei auf einem sehr guten Weg, denn vor Ort machen sich zahlreiche Netzwerkpartner gemeinsam stark für die Fachkräftesicherung: „Das Engagement für Ausbildung müssen wir mit allen Partnern am Ausbildungsmarkt weiter verstärken.“

Auf veränderten Ausbildungsmarkt einstellen
Für den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen und Betriebe in NRW ist die Ausbildung von Fachkräftenachwuchs wesentlich: „In den nächsten Jahren gehen knapp 20 Prozent der Fachkräfte in den Ruhestand. Die duale Berufsausbildung bleibt das wichtigste Standbein, um den dringend benötigten Nachwuchs zu finden“, sagte der Arbeitsmarkt­experte. „Und wir haben neben der demografischen Entwicklung in den kommenden Jahren noch ganz andere Umbrüche, wie den Strukturwandel und die Digitalisierung in der Wirtschaft, zu bewältigen. Dafür sind gut ausgebildete Fachkräfte, die mit der Zeit gehen und neuen Anforderungen gewachsen sind, unverzichtbar.“

Allerdings haben Ausbilder immer weniger Auswahl bei der Stellenbesetzung: „Ausbilder müssen auf sich aufmerksam machen. Das Übergangssystem Schule-Beruf können Betriebe und Unternehmen für sich nutzen. Praktika und Berufsfelderkundungen sind ein wichtiger Weg“, sagte Withake. „Es lohnt sich, neue Wege zu gehen, neue Bewerbergruppen wie zum Beispiel ältere Bewerberinnen und Bewerber oder auch geflüchtete Menschen anzusprechen, denn alle werden gebraucht.“

Withake verwies in diesem Zusammenhang auf die Unterstützungsmöglichkeiten der Agenturen für Arbeit, die Arbeitgebern anbieten können, Azubis während der gesamten Ausbildung zu unterstützen – sei es in schulischen oder in Fragen der sozialen Kompetenz.

Keine Wahlfreiheit für Bewerberinnen und Bewerber
„Auch, wenn immer mehr Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben, finden Jugendliche längst nicht immer den Wunsch-Ausbildungsplatz vor der Haustür“, sagte Withake. Nicht nur die Zahl der unbesetzten Stellen, auch die der Bewerber ohne Alternative sei gestiegen.
„Jugendliche sollten sich frühzeitig beraten lassen, um eventuellen Enttäuschungen bei der Ausbildungsplatzsuche vorzubeugen.“ In der komplexer werdenden Welt helfe eine fundierte Beratung bei der beruflichen Orientierung: „Ausgehend von Interessen, Stärken und Talenten werden Möglichkeiten und Wege aufgezeigt, Chancen eröffnet. Die Entscheidungskompetenz der jungen Menschen wird gestärkt.“

Für Studien- und Berufsausbildungsinteressierte steht auch ein Online-Angebot der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung: Mit dem Selbsterkundungstool können Jugendliche und Erwachsene mit Hilfe von psychologischen Testverfahren Erkenntnisse über ihre fachlichen und kognitiven Fähigkeiten gewinnen. Durch Selbsteinschätzungen können Interessen, soziale Kompetenzen und berufliche Vorlieben ermittelt werden.

Anzahl älterer Bewerber steigt
Von den Bewerberinnen und Bewerbern, die im abgelaufenen Vermittlungsjahr eine Ausbildungsstelle gesucht haben, waren 55,7 Prozent und damit 71.538 unter 20 Jahre alt. 36,1 Prozent bzw. 46.449 Ausbildungsplatzsuchende waren zwischen 20 und 24 Jahre alt und 8,2 Prozent bzw. 10.519 junge Frauen und Männer auf Ausbildungsplatzsuche hatten das 25. Lebensjahr bereits vollendet.

Im Ruhrgebiet boten Unternehmen am Ausbildungsmarkt 2018/2019 29.048 Stellen an. Das waren 1.449 oder 5,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Von den Stellenangeboten blieben 2.330 unbesetzt. Auf diese Stellen bewarben sich 36.798 junge Menschen, 1.160 Personen oder 3,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Unversorgt waren am Ende des Vermittlungsjahres noch 1.730 junge Erwachsene.

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