„Wer fängt Kinder auf, wenn die Familie es nicht kann?“ – Dritte Fachtagung der Stiftung help and hope

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(v. l.) Prof. Dr. Ahmet Toprak, Armin Himmelrath und Mathias Scherff. (Foto: Oliver Nauditt)

Die Dortmunder Stiftung help and hope mit Sitz in Mengede veranstaltete ihre dritte Fachtagung. Die Fragestellung in diesem Jahr: Ohne Familie keine (Aus-) Bildung? – Bildungschancen für Kinder und Jugendliche ohne familiäre und soziale Unterstützung. Rund 100 Gäste, überwiegend Fachkräfte aus dem sozialen Bereich, waren der Einladung in das Dortmunder U gefolgt.

Thomas Kocher, Kuratoriumsmitglied von help and hope und Geschäftsführer der Werner Kocher GmbH & Co. KG, eröffnete die Fachtagung und machte deutlich, wie wichtig Familie als soziale Instanz sei und Kinder für ihre Entwicklung emotionale Sicherheit, Kontinuität, eine Alltagsstruktur und Förderung von der Familie benötigten. Hierbei berichtete Kocher auch von seinen eigenen Erfahrungen als Vater von drei Kindern und Geschäftsführer eines Familienunternehmens. Kocher stellte die Frage in den Raum, was mit den Kindern und Jugendlichen geschehe, wenn genau das Fundament für einen erfolgreichen Bildungsweg wegfalle? „Wer fängt diese Kinder auf, wenn die Familie es nicht kann?“

Diesen Fragen sollte im Laufe des Tages nachgegangen werden. Dazu hatte die Stiftung zwei Referenten eingeladen, die in den Impulsvorträgen das Thema auf unterschiedliche Weise beleuchteten.

Prof. Dr. Ahmet Toprak, Professor für Erziehungswissenschaften an der FH Dortmund, legte in seinem Vortrag den Fokus auf Familien mit Migrationshintergrund. Als Autor widmet er sich Themen mit interkulturellem Ansatz, wie dem interkulturellen Konfliktmanagement und der Situation deutsch-türkischer Migrantenfamilien, vor allem der Beratungsarbeit mit jungen Männern.

Armin Himmelrath, Bildungs- und Wissenschaftsjournalist, machte im folgenden Vortrag die journalistische Sicht deutlich und proklamierte, dass das deutsche Bildungssystem schon lange nicht mehr funktioniere, was insbesondere die allseits bekannte PISA-Studie belege. Himmelrath arbeitet als Autor, Reporter und Moderator u. a. für den Deutschfunk, den WDR und Spiegel Online und ist Verfasser mehrerer Schul- und Hochschulthemen.

Moderiert wurde das Programm von Mathias Scherff, Redakteur für den Dortmunder Hörfunksender Radio 91.2, der auch Nadja Lüders, MdL und Generalsekretärin der SPD NRW, zum Thema Bildungschancen und der Rolle der Politik interviewte.

Abschließend wurde kontrovers auf dem Podium diskutiert. Judith Hesselink, pädagogische Leitung der Stiftung help and hope, machte deutlich, dass die operativen Programme der Stiftung, GidZ und 4YOU täglich mit dem Thema Chancengleichheit und Bildungschancen konfrontiert würden. Im GidZ-Programm sei es meist die fehlende familiäre Unterstützung, im Integrationsprogramm 4YOU wiederum die Stigmatisierung und Chancenungleichheit. Es wurde deutlich, dass allgemeine Kompetenzen gestärkt und das große Ganze im Blick gehalten werden müsse.

Fazit des Tages: Es gebe keine allgemeingültige Lösung für das bestehende Problem, dennoch sei man sich einig, dass unter anderem das deutsche Schulsystem Chancengleichheit herstellen und eine Stigmatisierung verhindern müsse. Das Ergebnis zeige wiederum auch, wie wichtig die Arbeit von sozialen Organisationen und Projekten, wie dem GidZ und 4YOU Programm, sei und dass hier aufgefangen werde, was Schule und Staat oft nicht leisten könnten.

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