Was wir von Gitarrenlehrern lernen können – Schule in der Corona-Krise

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Bens Gitarrenlehrer bietet digitalen Unterricht an. (Symbolfoto: pixabay)

Remote-Unterricht: Fehlanzeige. Ein gemeinsames Check-in für den Schulbeginn: Fehlanzeige. Nur der Gitarrenlehrer der Hörder Grundschule, die ihr Sohn Ben* besuche, erteile während der Corona-Krise privat Unterricht über Skype und YouTube, erzählt Lisa, die mit ihrer Familie in Hörde wohnt. Daher sei sie froh, dass der Achtjährige die täglichen jeweils zwei Arbeitsblätter für Mathematik und Deutsch bereitwillig selbst bearbeite. Ihr selbst nämlich fehlten die didaktischen Fähigkeiten, gerade wenn es um ihr eigenes Kind gehe.

Trotzdem obliegt es ihr, die Aufgaben hinterher zu kontrollieren. Jedoch fehlt ihr das Gefühl dafür, welche Fehler hinnehmbar sind und an welcher Stelle Ben sich noch einmal hinsetzen muss. Ein digitaler Kontakt zur Schule könnte hier Abhilfe schaffen. Lisas Hoffnungen, dass es in dieser Hinsicht Chancen gibt, zerschlugen sich allerdings schnell, als ihr Mann Christian zu Beginn der Schulschließungen einen Schnellhefter mit ausgedruckten Arbeitsblättern in der Schule abholen musste.

Der 28-Jährigen ist klar, dass digitaler Unterricht gerade in Hörde viele Familien vor eine finanzielle Herausforderung stellen würde, weil es an den notwendigen Endgeräten fehlt. Jedoch sei sie bereit, Geld in die Hand zu nehmen und gemeinsam mit der insgesamt zahlungskräftigen Elternschaft die erforderliche Infrastruktur zu schaffen. Als sie die Schule jedoch nach den digitalen Möglichkeiten fragte, bekam sie zur Antwort, sie habe es nun einmal mit einer Grundschule und nicht mit einer weiterführenden Schule zu tun. So weit, so eindeutig – oder? Jedenfalls scheint es noch viel zu tun zu geben, wenn es um die Digitalisierung unserer Dortmunder Schulen geht.

Nun ist Lisa also zu Hause, beschäftigt ihre dreijährige Tochter Emma und korrigiert Bens Hausaufgaben. Nebenbei arbeitet sie 45 Stunden in der Woche im Home Office, weil sie als Projektmanagerin im E-Commerce nun gefragter ist als jemals sonst. Der stationäre Handel ist ausgeschaltet, die Unternehmen bringen ihre Online-Shops auf Stand.

Nicht nur für Ben ist es da eine willkommene Abwechslung, mit dem Fahrrad einmal um den Phoenix See zu fahren und einfach mal Luft zu holen. Und vielleicht bringen ja die Osterferien nun ein wenig Entspannung mit sich.

*Die Namen in diesem Artikel wurden geändert.

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