Was Hörde mit dem Urknall zu tun hat

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Die Großmagneten für den LHC wurden in Hörde gefertigt. (Foto: Archiv Heinz-Ludwig Bücking)

„Da, wo jetzt die Grundstücke 400 Euro pro Quadratmeter kosten, war früher die Stahlgießerei“, erinnert sich Gießereiingenieur Heinz-Ludwig Bücking, der damals in der Stahlgießerei auf dem Phoenix-Gelände arbeitete. Und bevor das Werk im Jahr 2001 geschlossen wurde, um auf dem Gelände nach und nach eine Luxuswohngegend und ein Erholungsgebiet zu entwickeln, geschah hier etwas, das im Rahmen der Sensationsberichterstattung kurze Zeit später unter dem Radar lief.

„Erste Kollisionen in der Urknallmaschine“, titelt Manfred Lindinger im November 2009 in der „FAZ“. Vier Monate später schreibt Norbert Lossau in der „Welt“: „Urknall-Experiment glückt ohne Weltuntergang“. In der Europäischen Organisation für Kernforschung CERN war der „Large Hadron Collider“ (LHC) an den Start gegangen. Anders als von so machen befürchtet, hatte sich kein schwarzes Loch unter Genf aufgetan, auch wenn die Forschenden einräumten, dass durchaus kleine schwarze Löcher entstehen könnten. Diese stellten aber keine Gefahr für die Materie unserer Erde dar.

(Foto: Nachlass Werner Domröse)

Nach umfangreichen Forschungen hatte man es Ende März 2010 tatsächlich geschafft, „Protonen frontal aufeinander zu lenken und zur Kollision zu bringen“, wie Lossau schreibt. Es war ein Dienstag, an dem man mitten in Europa den Urknall simulierte.

Dabei fällt unter den Tisch, welche Vorarbeit knapp 599 Kilometer weiter nördlich geleistet worden war. Denn für den Bau des LHC benötigte man Großmagneten. Und diese stammen aus Hörde, aus der Stahlgießerei, dessen Gelände nördlich des heutigen Phoenix Sees inzwischen mit Villen bebaut ist.

Selbst an verschiedenen Stellen mit dem CERN-Projekt befasst, erläutert Bücking die technischen Details: „Für den Bau von Großmagneten wurde ein Stahl entwickelt, der praktisch aus reinem Eisen besteht. Der flüssige Stahl wird in eine Sandform vergossen, die schon fast den bestellten Endabmessungen entspricht. Durch eine langsame Abkühlung in der Form und einer sich anschließenden Wärmebehandlung erhält das Werkstück ein in alle Richtungen gleiches grobkörniges Gefüge. Nur viele Versuche beruhend auf einem hohen metallurgischen und gießtechnischen Wissen machten es möglich, die geforderten magnetischen Werte einzuhalten. Hier wurde sehr erfolgreich technisches Neuland betreten.“

(Foto: Archiv Heinz-Ludwig Bücking)
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