Von kotzenden Robben und narkotisierten Vögeln

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Die 39. Deutschsprachige Arbeitstagung der Zootierärzte fand in Dortmund statt. (v. l.) Johanna Steinecker-Quast, Dr. Carsten Ludwig, Dr. Nicole Schauerte, Dr. Pia Krawinkel, Dr. Christine Osmann, Dr. Sven Hammer, Dr. Christine Lendl und Dr. Uta Westerhüs (Foto: IN-StadtMagazine)

Wie nimmt man einem Elefanten Blut ab, der das nicht möchte? Wie bringt man eine Robbe, die nicht auf Brechmittel anspringt, dazu, sich zu übergeben? Wie narkotisiert man einen Vogel, dessen Schnabel nicht in eine Narkosemaske passt?

Mit diesen und anderen Fragen befasste sich ein Wettbewerb im Rahmen der Tagung der Zootierärzt*innen, die Anfang November in Dortmund stattfand.

Zum 39. Mal trafen sich die Zootierärzt*innen zu einem Austausch ihrer Erfahrungen, um gemeinsam Wege für die Gesundheit ihrer Schützlinge zu entwickeln. Bereits die zweite „Deutschsprachige Arbeitstagung der Zootierärzte“ im Jahr 1982 hatte hier stattgefunden. Damals nahmen 44 Veterinärmediziner*innen teil. Nachdem sie sich 2016 professionalisiert und zum Verband der Zootierärzte VZT zusammengeschlossen hatten, waren es in diesem Jahr nun rund 100 Teilnehmende.

Eine von ihnen ist die Dortmunder Zootierärztin Dr. Christine Osmann, die gemeinsam mit der zootierärztlichen Doktorandin Johanna Steinecker-Quast die diesjährige Tagung organisiert hat. Passend zum Schwerpunkt des Dortmunder Zoos legte sie einen Fokus der Tagung auf die südamerikanischen Nebengelenktiere wie Ameisenbär, Faultier und Gürteltier. Doch auf einer übergreifenden Ebene nahm sie auch den „Artenschutz- und Naturschutzgedanken“ in den Blick.

Denn auch für Zootierärzt*innen ist dies ein zentrales Thema, wie Dr. Sven Hammer, Direktor und Zootierarzt im Naturschutz-Tierpark Görtlitz, deutlich machte. „Es gibt ja kaum mehr intakte Natur und Lebensräume“, benannte er das zentrale Problem. Um die „verbleibenden Artgenossen“ schützen zu können, sei die Arbeit der Zootierärzt*innen unabdingbar. Denn was diese im Rahmen ihrer täglichen Arbeit herausfinden, bildet die Basis für umfangreiche Forschungsaktivitäten, die wiederum für effektiven Artenschutz unabdingbar ist. Außerdem stehen die Mitglieder des VZT in ständigem Austausch, um die Gesundheit der Tiere zu erhalten, die ihnen durch den jahrelangen engen Kontakt „ans Herz wachsen“, wie Dr. Nicole Schauerte, Zootierärztin im Zoo Frankfurt betonte. Doch auch die „Optimierung der Haltungsbedingungen“ stehe im Fokus der Teilnehmenden an der Tagung.

Um all dies leisten zu können, müssen die Zootierärzt*innen kreativ werden, denn „wir haben das Problem, dass unsere Patienten ganz selten freiwillig zu uns kommen“, so Dr. Hammer. Aus diesem Grund wird in jedem Jahr der Trick-Wettbewerb veranstaltet. Auf diese Weise konnten die Zootierärzt*innen bereits herausfinden, dass es für die Blutabnahme bei Elefanten die blutsaugenden Raubwanzen gibt, Robben Gras im Hering erbrechen und eine PET-Flasche sich hervorragend als Narkosemaske für den Schnabel eignet.

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