Veranstaltungshalle statt Klostergarten – Arbeiten an Salzlager und Salzfabrik schreiten voran

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Die Kokerei Hansa gleicht einer eingepackten Stadt, mehrere Gebäudekomplexe der historischen Großkokerei werden momentan gleichzeitig und im großen Stil aufwändig und denkmalgerecht saniert. © euroluftbild.de/Hans Blossey

An der sogenannten „Weißen Straße“ der Kokerei Hansa, wo einst die Nebenprodukte der Koksproduktion verarbeitet wurden, beherrschen derzeit Gerüste und Planen das Bild: Das Gebäude-Ensemble ‚Salzlager mit Salzfabrik und Abtreiberbühne‘ wird momentan mit Mitteln der Städtebauförderung des Bundes und des Landes instandgesetzt.

Dabei ist die nutzungsneutrale Dach- und Fachsanierung des Salzlagers bereits abgeschlossen; die Arbeiten in der Salzfabrik und an der Abtreiberbühne dauern noch an. Ziel ist es, den Komplex im Rahmen von Besucherführungen zu öffnen und in einem weiteren Schritt das Salzlager als einzigartigen Veranstaltungsort für bis zu 1200 Gäste zu nutzen.

Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Industriedenkmalstiftung, erinnert sich daran, dass die Zukunft des Salzlagers noch vor noch nicht allzu langer Zeit äußerst ungewiss war. „Ein Statiker-Gutachten hatte 2007 festgestellt, dass das Gebäude so stark geschädigt war, dass es einzustürzen drohte.“ Zusammen mit der Denkmalbehörde gab es unterschiedliche Überlegungen zu Umgang und Erhalt des Objektes. Eine Alternative zur Sanierung war, lediglich die Fassade zur „Weißen Straße“ stehen zu lassen und den Rest des Gebäudes abzureißen. „Wie eine Westernstadt.“ Eine andere Idee sah eine Art Klostergarten vor, in dem die Mauern des Salzlagers- und der Salzfabrik auf 10 Meter Höhe geschliffen worden wären, um im Inneren spezielle Pflanzen anzusiedeln. Letztendlich jedoch überzeugten der hohe Denkmalwert und die Einzigartigkeit des Ensembles. In Nordrhein-Westfalen existiert kein weiteres Salzlager einer Zentralkokerei, das über eine so vollständig erhaltene technischer Ausstattung verfügt: Maschinen und Anlagen, angefangen von den separaten Einfüllstationen für Fuhrwerke, Lastkraftwagen und Eisenbahnwaggons bis hin zur historischen Nähmaschine, mit der damals die mit Salz gefüllten Säcke an Ort und Stelle verschlossen wurden. Diese Ausstattung wurde bereits durch eine Restaurierungswerkstatt instandgesetzt und konserviert. „Alles, was heute zu sehen ist, war auch schon im Entstehungsjahr 1928 vorhanden“, so Ursula Mehrfeld. „Das ist ein echtes Pfund.“

Derzeit konzentrieren sich die Arbeiten auf das Innere der Salzfabrik, die zu Betriebszeiten einer Art „industriellen Hexenküche“ geglichen haben muss. Hier wurde aus gewonnenem Ammoniak und Schwefelsäure ein Salz hergestellt, das als Düngemittel vor allem in die regionale Landwirtschaft verkauft wurde. Im Innenraum des fast 80 Meter hohen Raumes stehen noch ein riesiger Mischbottich und ein wegen seiner Dimensionen ebenso beeindruckender Ammoniak-Sättiger. Es handelte sich ursprünglich um je zwei Paare. Um Platz zu schaffen wurde jedoch – in Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde – jeweils ein Behälter eines Typs entfernt. „Wir haben die Maschinen erhalten, die notwendig sind, um den Produktionsablauf nachvollziehbar zu machen“, berichtet Paul Georgi, der als technischer Leiter die Stiftung von der Bauherrenseite vertritt. Geplant ist, die Salzfabrik später als Foyer zu nutzen.

Keine einfache Aufgabe stellte die Fassadensanierung des 20 Meter breiten und 24 Meter tiefen Gebäudes dar: Etliche Mauerwerksflächen, vor allem aber die Südwand, waren über die Jahre durch den Einfluss des Salzes und anderer chemischer Schadstoffe stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Besonders großes Augenmerk legten Stiftung und Architekten deshalb auf die vollständige Beseitigung der Schäden, mit dem Ziel, Besucher künftig langfristig gefahrenlos Eintritt zu gewähren. Im Fall der Südwand wurde in mehreren Schritten – unter Berücksichtigung aller Schutz- und Sicherheitsvorkehrungen – die komplette Mauer Stück für Stück abgebrochen und neu aufgemauert. Darin liegendes Stahlfachwerk wurde ersetzt und zum Teil neu gegründet und eingearbeitet.

An der Außenfassade bleibt der ursprüngliche, einheitliche Eindruck erhalten: Schadhafte Stellen werden durch neue Ziegel des „Hansa Brand“ ersetzt, alle Mauerfugen wurden ausgeschnitten, die Steine gereinigt und das Mauerwerk anschließend neu verfugt. Auch das Dach, das zum Teil einzustürzen drohte, ist nun vollständig erneuert.

Im Gesamt-Ensemble des Komplexes ist die Abtreiberbühne an der Südfassade der Salzfabrik der Publikumsliebling. Das scheinbare Gewirr an Rohren und Behältern verschiedener Größen und Formen auf der Betonbühne ist ein beliebtes und lohnendes Fotomotiv, aber auch eine wichtige Station auf dem Besucherpfad „Natur und Technik“. An dieser Stelle werden die technischen Zusammenhänge der „Weißen Seite“ erklärt. Die Schädigungen an der Betonbühne, an Stahl-Bauteilen und den pittoresken Behältern ist allerdings sehr hoch. Arbeiter müssen die technischen Anlagen ausbauen, säubern und konservieren. In Abstimmung mit der Denkmalbehörde wird auch hier auf zwei Behälter verzichtet; der Produktionsverlauf ist aber ebenfalls weiterhin ablesbar.

Baustellen wie das Ensemble aus Salzlager und Salzfabrik benötigen einen langen Atem. „Immer wieder stößt man auf Überraschungen, die bei bloßer Inaugenscheinnahme nicht absehbar waren“, so Hans-Dieter Dreßler vom Architekturbüro Heinrich Böll, Essen. Seit 2018 laufen die Arbeiten an der Salzfabrik. Dreßler ist zuversichtlich: „Ich gehe davon aus, dass wir Ende des Jahres fertig sind.“

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten können dann die Planungen für die Umnutzung als Veranstaltungsort auf der Kokerei Hansa umgesetzt werden.

 

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