Trauer in der AWO über den Tod von Gerda Kieninger

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Gerda Kieninger war langjährige AWO-Vorsitzende. (Foto: AWO)

Für die AWO-Mitglieder und die -Belegschaft kaum fassbar, ist am Mittwochnachmittag unerwartet die langjährige Vorsitzende Gerda Kieninger gestorben.

17 Jahre lang stand sie an der Spitze des Dortmunder Unterbezirks, war eine Streiterin für die Werte des Verbandes, sowohl mit Worten wie mit Taten. „Ihr größtes Anliegen war in all der Zeit die Frauenförderung“, so Geschäftsführer Andreas Gora, mit dem sie die 17 Jahre zusammenarbeitete. „Sie setzte sich dafür ein, Frauen in Führungspositionen zu bringen, und da hat sie bei uns viel erreicht. Es ist auch ihr Verdienst, dass die AWO heute eine andere Betriebskultur lebt.“ Die Nachricht von ihrem Tod mache alle sehr traurig.

Für die Arbeiterwohlfahrt sei es ein Glück gewesen, dass Gerda Kieninger vor 25 Jahren Mitglied wurde und später den Vorsitz übernahm, so Gora. Immer gut informiert und stets präsent habe sie die AWO nach innen und außen geprägt. Auch über Dortmund hinaus. Als stellvertretende Vorsitzende im Bezirksvorstand Westliches Westfalen war sie im Bilde, was zwischen Münster und dem Sauerland, zwischen Unna und Recklinghausen den Verband bewegte.

Die AWO-Gründerin Marie Juchacz diente ihr als Vorbild. „Eine Frau, die wirklich das verkörperte, was Frauenpolitik eigentlich ausmacht – auch heute noch“, hat sie in einem Interview vor gut zwei Jahren gesagt. Sie forderte die Parität in allen Gremien – auch in denen des Wohlfahrtsverbandes. „Männer denken rein wirtschaftlich, Frauen denken nachhaltiger. Daher ist es gut, dass Männer und Frauen mitreden, um zu viel besseren Ergebnissen zu kommen. Dann fallen Entscheidungen anders“, argumentierte sie im genannten Interview.

Nicht nur Geschlechter-Vielfalt wollte sie in der AWO und in der Gesellschaft sehen, auch Nationen-Vielfalt und Generationen-Vielfalt. „Niemand verlässt freiwillig sein Zuhause und begibt sich ohne Hab und Gut auf eine ungewisse Reise in die Zukunft“, schrieb sie 2015 in der Mitgliederzeitschrift AWO-Profil. „Die, die zu uns kommen“, sollten wir „freundlich aufnehmen und dabei unterstützen, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen.“

Der Ausbau der Offenen Ganztagsbetreuung an den Grundschulen und der Bau sowie die Übernahme von weiteren Kindertagesstätten waren für Gerda Kieninger genauso Herzensprojekte wie die inklusive Gesellschaft, wo alle mitmachen und alle mitgenommen werden. „Alle sollen ihren Hintergrund behalten und gleichzeitig mitmachen. Das macht die Gesellschaft inklusiv, unabhängig von Herkunft, Religion, Rasse, Sprache, Orientierung“, sagte sie vor kurzer Zeit.

Ehrenamtlich tätig als Vorsitzende, verstand sie ihr Amt dennoch als Vollzeitjob – vor allem, nachdem sie sich 2017 entschloss, nach 22 Jahren im Landtag nicht mehr für ein Mandat zu kandidieren. Sie nahm die vielen Einladungen der Ortsvereine an, sprach Grundsätzliches während Tagungen und Konferenzen der verschiedenen hauptamtlichen AWO-Bereiche, saß als kompetente Gesprächspartnerinnen in Talk-Runden und genoss auch Feste und Feiern, auf denen sie einfach nur Gast war. „Gerda Kieninger war in der Stadt ein Synonym für AWO“, sagt so dann auch Geschäftsführer Andreas Gora. „Wir werden sie vermissen, in jeder Sitzung, bei jeder Veranstaltung, bei jeder Feier.“

In der Räumen an der Klosterstraße 8–10 ist ein Kondolenzbuch ausgelegt, in das sowohl die Mitglieder und Mitarbeiter*innen einen letzten Gruß schreiben können, wie auch alle Menschen der Stadt, die das Bedürfnis haben, sich von Gerda Kieninger zu verabschieden.

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