Themenheft der „Heimat Dortmund“ zum Lokaljournalismus blickt zurück und nach vorn

0
12
(v. l.) Dr. Astrid Blome (Direktorin des Instituts für Zeitungsforschung), Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführer des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark e. V./Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund) und Dipl.-Ing. Adolf Miksch (Vorsitzender des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark e. V.). (Foto: Dortmund-Agentur / Torsten Tullius)

1769 erschien die erste in Dortmund gedruckte Zeitung, die „Dortmundischen Vermischten Zeitungen“. 250 Jahre später kämpfen viele gedruckte Tageszeitungen in Deutschland um das wirtschaftliche Überleben. Der Historische Verein und das Institut für Zeitungsforschung haben das Jubiläum zum Anlass genommen, gemeinsam einen Blick nicht nur zurück, sondern auch nach vorne zu werfen.

So bietet das Themenheft „Lokaljournalismus. 250 Jahre Zeitungen in Dortmund – historische und aktuelle Perspektiven“ im ersten Teil spannende Einblicke in die Dortmunder Pressegeschichte für jedermann. Darüber freut sich Adolf Miksch, Vorsitzender des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark e. V.: „Die Heimat Dortmund wird in der Regel mehrmals im Jahr herausgeben. Das Schöne ist, die Ausgaben erreichen ganz viele Menschen, und nicht nur die, die völlig in der Wissenschaft stecken.“

Spannende Einblicke
Die aktuelle Ausgabe gibt zunächst einen historischen Überblick und fängt mit den ersten Pressemeldungen im 17. Jahrhundert an. Damals war noch recht wenig über Dortmund zu lesen. Am meisten Aufsehen erregte 1651 ein „Mirakel“, als am Nachthimmel zwei Lichter aufleuchteten, die als Wunderzeichen interpretiert wurden.

Anschließend werden wichtige historische Dortmunder Zeitungen vom 18. Jahrhundert bis in die NS-Zeit porträtiert. Dr. Astrid Blohme, Historikerin der Frühen Neuzeit und wissenschaftliche Leitung des Instituts erklärt: „Wir wollen aktuelle Probleme und Fragestellungen aufnehmen und diese im historischen Kontext betrachten. Außerdem werfen wir in der Ausgabe Schlaglichter darauf, was es für tolle Zeitungen gab – in welcher Bandbreite – und ordnen das Ganze medienhistorisch ein. Daher auch der chronologische Durchgang.“

Angefangen bei der ersten Zeitung von 1769 und ihrem Herausgeber Baedeker, die als erste „richtige“ Lokalzeitung gilt. Ebenso wird das Dortmunder Wochenblatt von Christian Leonhard Krüger behandelt, genauso der Verkaufsschlager Westfälischer Anzeiger von Arnold Mallinckrodt, nach dem die Mallinckrodtstraße in Dortmunder Norden benannt ist, und eine der größten Zeitungen der Weimarer Republik, der Dortmunder General-Anzeiger. Einige der historischen Zeitungen sind bereits online in einem nordrhein-westfälischen Internetportal abrufbar.

Von der Tageszeitung bis zum Blog
Der zweite Teil greift aktuelle journalistische Debatten auf: Lokaljournalismus boomt, er regt die Kommunikation über das Stadtgeschehen an, er ist das Herz der Stadtgesellschaft, informiert und setzt Debatten in Gang, kritisiert und integriert, bietet Orientierung und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Was Lokaljournalismus heute leisten soll und muss und welche Rolle die unterschiedlichsten Formate – von der Tageszeitung bis zum Blog – dabei spielen, wird aus drei Perspektiven beleuchtet: wissenschaftlich, politisch, journalistisch. Der Band schließt mit einer Übersicht über aktuelle lokale Angebote in Dortmund, die einige Überraschungen bereithält.

Die historischen Beiträge haben Astrid Blome (Institut für Zeitungsforschung) und Oliver Volmerich (Ruhr Nachrichten) verfasst, über das Online-Portal berichtet Andrea Ammendola von der Universitäts- und Landesbibliothek Münster. Die Stellungnahmen zum aktuellen Lokaljournalismus stammen von Wiebke Möhring (TU Dortmund, Institut für Journalistik), Anke Vehmeier (Bundeszentrale für politische Bildung) und Thomas Engel (Nordstadtblogger).

guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments