Teilen statt wegwerfen! – Dortmunds „Foodsharer“ bewahren Berge von Lebensmittel vor der Tonne

Die Foodsharer inkl. Marleen Krabbenhöft (2. v. r.) haben die „Ernte“ eines Tages auf dem Wochenmarkt am Hansaplatz eingefahren. Binnen der nächsten Stunde werden nun die „Fairteiler“ genannten Schränke und Anhänger der Gruppe mit der Ware bestückt. Foto: IN-Stadtmagzine

Sozialarbeit studiert Marleen Krabbenhöft nicht, soziales Verantwortungsgefühl aber besitzt die 22-Jährige trotzdem reichlich. Als ihr beginnendes Lehramtsstudium ihre Wege vor einiger Zeit aus dem heimischen Iserlohn ins Ruhrgebiet lenkte, schien ihr daher die Zeit gekommen, sich ein wenig zivilgesellschaftlich zu engagieren. Bei „ein wenig“ blieb es indes nicht, denn als Internetrecherche sie auf die Seite „foodharing.de“ führte, wusste sie bald: „Das ist mein Ding!“

Die Foodsharer nämlich, eine gerade einmal knapp sechs Jahre alte Initiative, kümmern sich im Sinne der Nachhaltigkeit um die Rettung von Lebensmitteln – und geben allen ihren ehrenamtlichen Helfern buchstäblich die Möglichkeit, die Früchte der eigenen Arbeit sehen und (teilweise) genießen zu können.

Die bei ihren Sammelaktionen in Bio- und Lebensmittelläden sowie auf Wochenmärkten anfallenden Nahrungsmittel beeindrucken durch ihre schiere Menge. Kaum „gerettet“, geht die Arbeit auch schon weiter, denn schließlich handelt es sich bei den eingesammelten Lebensmitteln vor allem um schnell verderbliche Frischware.

Verteilt wird diese im Anschluss auf die fünf Schränke und zahlreichen Fahrradanhänger, welche die Initiative in Dortmund platziert hat. Jeder dieser Punkte hat einen Verantwortlichen, der sicherstellt, dass alle Gerätschaften in sauberem Zustand und frei von vergammelten Produkten gehalten werden. „Das“, bemerkt Marleen Krabbenhöft zufrieden, „funktioniert übrigens ausgesprochen gut“. Im Regelfalle allerdings verbleiben die gesammelten Waren nicht allzu lange an ihrem Platz – der entsprechende Bedarf scheint in Dortmund groß genug zu sein.

Trotzdem reicht die Nahrungsmittellawine aus, um auch die „Sharer“ (= Teiler bzw. Verteiler) selbst mit frischer Ware zu versorgen. Dieser „Arbeitslohn“ wiederum ist Teil des Selbstverständnisses der Gruppe und gleichzeitig einzige Entlohnung einer ansonsten ganz und gar ehrenamtlich agierenden Initiative.

Stolze 500 Mitglieder zählt foodsharing mittlerweile alleine in Dortmund, und nicht wenige von ihnen investieren reichlich Zeit in ihr ökologisches Projekt. Marleen Krabbenhöft etwa schätzt, dass sie „so fünf bis zehn Stunden wöchentlich“ für die Gruppe im Einsatz ist, sowohl für durchschnittlich zwei Abholungen als auch für viel organisatorische Arbeit. Als Last jedoch empfindet sie ihre Verpflichtungen ganz offensichtlich nicht im mindesten. Im Gegenteil, denn das Gemeinschaftsgefühl beim Eintreten für die gute Sache macht für sie einen nicht geringen Teil der Foodsharing-Faszination aus. Einmal monatlich etwa trifft man sich inzwischen mit einigen Aktiven zum gemeinschaftlichen Kochen, so dass sich zwischen vielen der Lebensmittelretter schon echte Freundschaften entwickelt haben.

Eine Frage hinsichtlich des Sharing-Konzeptes indes muss gestellt werden: Sorgt sich die Gruppe nicht, die gesammelten Produkte könnten – zumindest teilweise – letztlich bei den „falschen“ Leuten landen? Hier allerdings stellt die Dortmunder foodsharing-Botschafterin klar: In erster Linie geht es der Initiative bei ihrer Reaktion auf Lebensmittelverschwendung um den ökologischen Aspekt. Nichtsdestotrotz besteht z.B. eine Kooperationsvereinbarung mit den Tafeln, denen zugesichert ist, dass man an keiner Abholstelle zu ihnen in Konkurrenz tritt.

Gut 7000 kg Waren, so sagt es die Website der Foodsharer, hat alleine Marleen Krabbenhöft im Zuge ihrer Aktivitäten bereits vor der Tonne bewahrt. „Die Zahl ist allerdings geschätzt und mehr eine Spielerei“, will die Studentin für Deutsch und Musik diesen Wert nicht zu sehr in den Vordergrund gerückt wissen. Ganz im Gegensatz zum Engagement ihrer Gruppe, deren pragmatischer, effektiver Ansatz die 22-Jährige wöchentlich aufs Neue zur Lebensmittelretterin werden lässt.

Wer sich für das Wirken der „Foodsharer“ interessiert, ist herzlich zu einem der Gruppentreffen eingeladen, die jeweils am vorletzten Sonntag eines Monats ab 18 Uhr im Taranta Babu, Humboldtstraße 44, stattfinden. Außerdem können Interessierte per Mail unter dortmund@lebensmittelretten.de Kontakt aufnehmen.

Unter foodsharing.de finden sich unter dem Menüpunkt „Karte“ die Standorte aller der Initiative; darunter auch der „Fette Jupp“ in der Redtenbacherstr. 2 sowie der „Fette Max“, Große Heimstr. 82 .