Stolpersteine für Emmi und Gustav Eisenstein

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Die Stolpersteinverlegung in Hombruch wurde zu einer besonderen Art der Trauerfeier. (Fotos: IN-StadtMagazine)

„Liebe Oma, lieber Opa, die Pläne, alle Juden umzubringen und zu vernichten, sind nicht gelungen“. Dies ihren Großeltern mitzuteilen, die sie nie kennenlernen durfte, war Ruth Eisenstein ein Anliegen. Die Stolpersteinverlegung für Emmi und Gustav Eisenstein bot ihr die Gelegenheit, von einer gewachsenen und weiter wachsenden Familie zu erzählen, deren Werden die Nationalsozialisten nicht hatten beenden können, „damit ihr wisst, dass euer Name weitergetragen wird und nicht von dieser Welt gewischt worden ist“.

Urenkel Stephan Eisenstein hatte den Anstoß gegeben: „Ich möchte, dass meine Urgroßeltern auch Stolpersteine bekommen.“ Die Stadt Dortmund respektierte diesen Wunsch und setzte ihn an diesem Julitag in die Tat um, um zu zeigen, dass jeder ermordete Jude und jede ermordete Jüdin „immer ein Gedenken findet“, wie Bezirksbürgermeister Hans Semmler formulierte.

Auch Emmis und Gustavs Sohn Gavriel, der den Holocaust überlebt hatte, weil er 1937 nach Israel geflohen war, wurde durch die anwesenden Familienmitglieder gedacht. „Als du gestorben bist, war ich zu jung, um nachzufragen, und zu jung, um zu versuchen zu verstehen, was du durchgemacht hast, als du die Nachricht bekamst, dass deine ganze Familie aus Dortmund nicht überlebt hat“, bedauerte Urenkelin Erga. Auf Englisch hielt sie ihre Rede, denn die Familie Eisenstein lebt seit Emmis und Gustavs Ermordung in Israel und spricht nur noch teilweise Deutsch.

Vielleicht kann sie so auch im Alltag eine Distanz schaffen zu dem, was in Deutschland geschehen ist – räumlich und emotional. Doch an diesem Montag im Juli kam sie nach Dortmund, um vor dem Haus ihrer ermordeten Verwandten in der Harkortstraße derer zu gedenken, die sie niemals kennenlernen durfte.

Das Ehepaar Eisenstein betrieb in Dortmund ein Sportartikelgeschäft. Im Anschluss an die Pogromnacht im November 1938 wurde Gustav Eisenstein in der Steinwache inhaftiert. Am 27. Januar wurde er zusammen mit seiner Ehefrau Emmi nach Riga deportiert. Seitdem gelten beide als verschollen und wurden mit Wirkung vom 8. Mai 1945 für tot erklärt. Auch ihre Tochter Ilse und deren Tochter Ruth fielen dem Holocaust zum Opfer. Der überlebende Sohn Gavriel benannte seine Tochter nach seiner ermordeten Nichte.

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