Wo Billard auf Schach trifft

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Beim Snooker sind nicht nur die Spielstätten groß. Um über derart weite Distanzen die Kontrolle zu behalten, bedarf es schon einiger Erfahrung. (Foto: IN-Stadtmagazine)

In Dortmunds einzigem Snooker-Club sind Konzentration und strategisches Denken Trumpf

Welch ein Vereinsheim: unendliche Weiten! Die sind hier aber auch nötig, schließlich müssen mindestens acht Spielgeräte hineinpassen – plus angemessener Zwischenräume.
Insofern war es ein großer Glücksfall, dass Dortmunds einzigem Snooker-Club vor vier Jahren diese 600 m2 an der Beratgerstraße zu einem sehr erschwinglichen Mietpreis angeboten wurden. Nun dienen sie den rund 50 Vereinsmitgliedern nicht nur als kontinuierlicher Trainingsort, sondern sind zudem Austragungsstätte der jeweils sieben jährlichen Heimspiele der ersten und zweiten Mannschaft.

Bis vor etwa 15 Jahren hätte die überwiegende Mehrzahl der Deutschen beim Begriff „Snooker“ vermutlich mit den Schultern gezuckt. Hieß die Billardvariante mit den Löchern in der Bande nicht „Pool-Billard“ und war eher ein Kneipenvergnügen? Dann aber löste der Sender Eurosport mit seinen Reportagen hierzulande einen mittleren Boom der Sportart aus, und verschaffte mehr noch als den internationalen Spitzenspielern seinem Moderator Rolf Kalb einen Star-Status.

In der Folge entdeckten jede Menge Menschen ihre Liebe zu diesem Freizeitvergnügen mit hohem Strategiefaktor. Und inmitten des Aufschwungs spielte Dortmund durchaus mehr als eine Nebenrolle, gelang den Dorstfeldern doch im Jahre 2009 tatsächlich der Aufstieg in die 1. Snooker-Bundesliga. Die Medienpräsenz allerdings boomte nicht in gleichem Maße wie die sportlichen Erfolge, und zudem wurde man an der Beratgerstraße von den typischen Schwierigkeiten aller Randsportarten gebeutelt: Der Spielbetrieb inklusive der Anreisen zu Auswärtsspielen quer durch die Republik ging einfach zu sehr ins Geld. Aus diesem Grunde dampfte Dortmunds Snooker-Club seine Ambitionen ein wenig ein und spielt heute in der höchsten NRW-Liga – dort allerdings aktuell wieder auf den vordersten Rängen.

Schaut man in Dorstfeld während des Trainingsbetriebs vorbei, fällt schnell auf, dass es sich bei Snooker nicht nur um eine sehr anspruchsvolle, sondern zudem sehr leise Betätigung handelt. Kein Wunder, schließlich ist die „Schach-Komponente“ dieses Sports nach einhelliger Meinung erheblich, und absolute Konzentration infolgedessen Pflicht. „Wenn ich drei Wochen nicht am Tisch gestanden habe, brauche ich sechs Wochen, um wieder komplett zu meinem Spiel zu finden“, gibt Sportwart Roland Mann gar zu Protokoll. Und der 46-Jährige, 2017 mit Rang 36 bestplatzierter Dortmunder der deutschen Rangliste, muss wissen, wovon er redet.

Aber genau diese Anforderungen an Feinmotorik und strategisches Denken sind es, die für den Snooker-Spieler den Reiz seines Hobbys ausmachen. „Vielleicht ist das der Grund dafür, dass wir seit jeher auffallend viele Physik-Studenten in unseren Reihen haben“, grinst Mann. Vom „Snooker-Virus“ allerdings lassen sich in Dorstfeld aktuell Aktive im Alter zwischen 14 und 71 Jahren regelmäßig infizieren. Gespielt wird in der ersten und zweiten Mannschaft, auf den (ca. vierteljährlichen) Ranglistenturnieren oder „einfach nur so“.

Und einmal im Jahr wird’s dann doch lauter an der Beratgerstraße: Wenn nämlich die (grundsätzlich im britischen Sheffield ausgetragene) WM über die Bildschirme flimmert, und die Dorstfelder zu „Tagen der offenen Tür“ bitten. Das nächste Mal wird dies zwischen dem 21. April und dem 7. Mai der Fall sein. Zwar ist im Unterschied zu „König Fußball“ eine deutsche Beteiligung bei diesem Top-Event nicht allzu wahrscheinlich, obwohl in diesem Jahr mit Lukas Kleckers endlich einmal wieder ein hiesiger Spieler auf der Major Tour der Besten mitmischt. Zum Fußball allerdings gibt’s noch einen viel eklatanteren Unterschied: Als ein benachbarter Snooker-Club im letzten Jahr nämlich vorübergehend ohne Spielstätte dastand, wurde ihm unbürokratisch in Dorstfeld Asyl gewährt. Bei der Nachbarstadt handelte es sich übrigens um Gelsenkirchen.

Für Interessierte bietet der „1. Snooker Club Dortmund“ ein dreimonatiges Schnuppertraining an, das für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren mit monatlich 20 € zu Buche schlägt und für jüngere Mitspieler kostenlos ist. Nähere Infos gibt’s im Netz unter www.snooker-dortmund.de oder telefonisch beim Geschäftsführer Aleksej Vasilev unter 0176 / 345 174 34.

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