Produktionsschule vor dem Aus

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(v. l.) J. Thiele, A. Butschkau, N. Lüders, V. Baran sowie Jugendliche; Foto: AWO Unterbezirk Dortmund

Dortmunder Landtagsabgeordnete verschaffen sich einen Überblick über die Auswirkungen für die Angebote in Dortmund

Produktionsschulen unterstützen Jugendliche beim Übergang von der Schule ins Berufsleben und gehen zurück auf die Initiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ der alten Landesregierung NRW. Gefördert wurden insbesondere Jugendliche ohne ausreichende Ausbildungsreife. Dieses Angebot soll nun Ende August enden. Denn: Arbeitsminister Laumann hat die Abschaffung der Produktionsschulen und die Rückkehr zum Werkstattjahr, das er 2005 bereits eingeführt hat, angekündigt. Die Teilnehmerplätze sollen von 2800 auf ca. 1600 reduziert werden.

Joachim Thiele, Geschäftsführer der dobeq erklärte, dass es hierdurch zu einer Schließung der Produktionsschulen komme – einem Angebot, das die Dortmunder Träger in Kooperation mit dem Job Center Dortmund, der Agentur für Arbeit und dem Regionalen Bildungsbüro Dortmund konzeptionell erarbeitet hätten und von den beteiligten Trägern umgesetzt werde. Ebenfalls im Verbund an der Umsetzung beteiligt seien die Werkhof Projekt gGmbH, die Fachstelle für Beschäftigung der Stadt Dortmund und die GrünBau gGmbH. Besonders ärgerlich sei, dass durch einen politischen Beschluss landesweit Strukturen zerschlagen würden und damit auch die Kontinuität und Nachhaltigkeit von Angeboten.

Das Besondere am Konzept der Produktionsschulen seien, so fügt Heike Henze Brockmann, Betriebsleiterin der dobeq hinzu, die betriebsähnlichen Strukturen. Diese ermöglichten es den Jugendlichen, betriebliche Abläufe hautnah zu erleben und umzusetzen. Die Bearbeitung von „echten“ Aufträgen verschaffe den Jugendlichen Erfolgserlebnisse und stärke die Motivation wieder zu lernen und sich auch mit Theorie auseinanderzusetzen.

Die Dortmunder SPD Landtagsabgeordneten Anja Butschkau, Nadja Lüders und Volkan Baran machten sich vor Ort bei der dobeq, einer Tochter der AWO Unterbezirk Dortmund, ein Bild über die Situation der Produktionsschulen in Dortmund.

Nadja Lüders äußerte, dass aus ihrer Sicht die Produktionsschule bisher einen guten Erfolg darstellten. In Dortmund seien 54 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, Ausbildung, weiterführende Schule und andere Bildungsformen vermittelt worden – landesweit seien es über 30 % gewesen. „Die Produktionsschule richtet sich an junge Menschen bis 25 Jahren, das Werkstattjahr nur an Jugendliche bis 19 Jahren. Letzteres ist auf ein Jahr begrenzt, während die Produktionsschule den jungen Leuten die Zeit gibt, die sie brauchen, um für die Arbeitswelt fit zu werden. Das Konzept der Landesregierung ist nicht durchdacht und schafft Förderungslücken für junge Menschen ab 20 Jahren. Ein Ersatzangebot fehlt.“

Anja Butschkau erklärte, „Die Landesregierung opfert das durchaus erfolgreiche Projekt Produktionsschule für das Werkstattjahr. Dieses ist bereits in der Vergangenheit gescheitert. Gerade einmal jeder 20. Jugendliche konnte 2010 landesweit einen positiven Übergang in Arbeit, Ausbildung oder eine andere Bildungsmaßnahme verbuchen. Das war der Grund, wieso die rot-grüne Landesregierung die Förderung für das Werkstattjahr schrittweise zurückgefahren hat. Arbeitsminister Karl-Josef Laumann will aus seinen Fehlern nicht lernen.“

Volkan Baran ergänzte: „Das Handeln der Landesregierung ist eindeutig ein Sparen auf Kosten junger Menschen, die sonst keine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt haben. Das, was wir jetzt nicht in deren Förderung investieren, zahlt unsere Gesellschaft später als Vielfaches an Folgekosten drauf. Arbeitsminister Karl-Josef Laumann handelt verantwortungslos und verlässt den erfolgreichen präventiven sozialpolitischen Weg, den Rot-Grün in den letzten acht Jahren aufgebaut hatte.“

Zum Schluss waren sich alle einig, dass es wichtig sei, die Landesregierung nachhaltig aufzufordern, zumindest die entstandenen Förderlücken zu schließen. Auch Jugendliche über 19 Jahre sollten weiterhin eine Chance bekommen, sich für den 1. Arbeitsmarkt vorzubereiten und zu qualifizieren .

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